Fast ein Drittel weniger AsylantrÀge im Jahr 2024
Veröffentlicht am: 09.01.2025 um 13:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Zahl der AsylantrĂ€ge in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich zurĂŒckgegangen. Im abgelaufenen Jahr 2024 seien 229.751 ErstantrĂ€ge eingegangen, der GroĂteil von Menschen aus Syrien, Afghanistan und der TĂŒrkei, teilte das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (BAMF) in NĂŒrnberg mit. Damit stellten fast 100.000 Menschen weniger einen Asylantrag in Deutschland als noch im Jahr 2023 - ein RĂŒckgang um 30,2 Prozent.
Gleichwohl bleibt Deutschland im internationalen Vergleich weit vorne. Innerhalb der EuropĂ€ischen Union ist Deutschland mit Abstand Spitzenreiter bei den AsylantrĂ€gen, deutlich dahinter folgen Spanien, Frankreich und Italien.Â
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wertete den klaren RĂŒckgang bei der Zahl der AntrĂ€ge als Erfolg. Sie sagte: «Wir haben die irregulĂ€re Migration stark zurĂŒckdrĂ€ngen können.» Durch die inzwischen eingefĂŒhrten Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen «durchkreuzen wir die Schleuserrouten», fĂŒgte sie hinzu.Â
Kontrollen an Landesgrenzen sollen fortgesetzt werden
Die aktuell bis MĂ€rz bei der EU-Kommission angemeldeten Kontrollen wĂŒrden auch ĂŒber diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzt. Faeser nahm die Veröffentlichung der Jahreszahlen zum Anlass, um den Bundestag aufzufordern, die von ihrem Haus erarbeiteten GesetzentwĂŒrfe der Bundesregierung zur Umsetzung der Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems (GEAS) rasch zu beschlieĂen. Das neue Regelwerk sieht unter anderem vor, dass AsylantrĂ€ge von Menschen aus Staaten mit niedriger Anerkennungsquote schon an den EU-AuĂengrenzen geprĂŒft werden sollen.
Aus Sicht der Union sind die Asylzahlen immer noch viel zu hoch. «Sie dokumentieren das Scheitern dieser Bundesregierung in der Migrationspolitik», sagt die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Andrea Lindholz. Die Kommunen seien mit der Versorgung der vielen Asylbewerber und FlĂŒchtlinge völlig ĂŒberlastet.Â
«Die Art und Weise, wie Frau Faeser die Zahlen nun auch noch schönredet, ist mit Blick auf die Situation vor Ort der blanke Hohn», findet die CSU-Politikerin. Notwendig sei ein Politikwechsel in der Migrationspolitik. «Kern dieser Politik ist der Stopp der illegalen Migration an den Binnengrenzen». Denn wer aus einem Nachbarstaat nach Deutschland einreisen wolle, sei nicht mehr bedroht.
Weniger als die HĂ€lfte der Antragsteller erhielten Schutzstatus
Ungeachtet der teils hitzig gefĂŒhrten politischen Debatte zum Thema war den vom Bundesamt vorgelegten Zahlen zufolge 2024 damit das Jahr mit der nur siebthöchsten Zahl an in Deutschland gestellten AsylantrĂ€gen. Die mit Abstand meisten AntrĂ€ge wurden 2016 gestellt, als 745.545 Erst- und FolgeantrĂ€ge eingingen. Die hohe Zahl war unter anderem eine Folge des damals eskalierenden BĂŒrgerkriegs in Syrien.Â
Mit 44,4 Prozent erhielten 2024 weniger als die HĂ€lfte der Antragsteller einen Schutzstatus. WĂ€hrend die Schutzquote fĂŒr Menschen aus dem BĂŒrgerkriegsland Syrien mit 83 Prozent und dem von den Taliban beherrschten Afghanistan mit 74,7 Prozent vergleichsweise hoch lag, erhielt nicht einmal jeder zehnte Asylsuchende aus der TĂŒrkei in Deutschland einen Schutzstatus (9,4 Prozent). Im Jahr 2023 hatte die Schutzquote ĂŒber alle LĂ€nder noch bei 51,7 Prozent gelegen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 301.350 Erst- und FolgeantrĂ€ge entschieden.
