FDP, Wolfgang Kubicki

FDP: Kubicki setzt auf Wirtschaft für Comeback 2027

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 14:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Liberalen wollen nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag und weiteren Niederlagen in den Ländern ihr Profil schärfen. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftspolitischer Kurs, Parteireform und die fünf Landtagswahlen im kommenden Jahr.

FDP vor dem Wahljahr 2027

  • Wolfgang Kubicki rückt auf dem Bundesparteitag in Berlin Wirtschaftswachstum ins Zentrum.
  • Die FDP verlor 2026 Sitze in vier weiteren Landtagen und ist nur noch in vier Landesparlamenten vertreten.
  • 2027 stehen Wahlen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Bremen und Niedersachsen an.
  • FDP-Chef Kubicki kämpft für einen politischen Neustart. (Archivbild) - Bild: Jacob Schröter/dpa
  • Geplant ist unter anderem eine Parteireform. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
FDP-Chef Kubicki kämpft für einen politischen Neustart. (Archivbild)  - Bild: Jacob Schröter/dpa Geplant ist unter anderem eine Parteireform. (Archivbild)  - Bild: Michael Brandt/dpa

FDP sucht in Berlin den Weg zurück

Die FDP will sich nach schweren Wahlniederlagen als Wirtschaftspartei neu aufstellen. Auf dem Bundesparteitag in Berlin rückt Parteichef Wolfgang Kubicki mehr Wirtschaftswachstum ins Zentrum und warnt vor den Folgen des Verlusts von monatlich 15.000 Industriearbeitsplätzen.

Kubicki warnt vor Vertrauensverlust

Deutschland verliere derzeit jeden Monat 15.000 Industriearbeitsplätze, sagte Kubicki mit Blick auf Autoindustrie, Zulieferer, Metallbau, Maschinenbau und Chemie. Wenn nicht schnell umgesteuert werde, verliere das Land mehr als Geld: Es könne auch der Glaube schwinden, dass die Demokratie die Interessen der Bürger am besten schütze.

Die FDP war bei der Bundestagswahl 2025 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und danach aus mehreren Landtagen ausgeschieden. Präsidium und Bundesvorstand traten zurück; der langjährige Parteichef Christian Lindner beendete seine politische Karriere und wechselte in die Wirtschaft.

Parteireform soll Neustart ermöglichen

In Berlin berät die Partei über eine Reform ihrer Strukturen. Zu den Vorschlägen gehören eine mögliche Doppelspitze, mehr Transparenz bei Kandidaturen und Unterstützung für ehrenamtliche Funktionsträger in den Ländern.

Die Delegierten sind bei dem Parteitag zugeschaltet. Mitglieder aus den Bundesländern berichten zugleich vom schwierigen Wiederaufbau liberaler Netzwerke. Die Jungen Liberalen warnen, politische Arbeit finde nicht mehr in den vertrauten Milieus der Bonner Republik statt.

FDP nur noch in vier Landtagen vertreten

2026 verlor die FDP ihre Sitze in den Landtagen von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Vertreten ist sie derzeit noch in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen.

Bei der Bundestagswahl 2021 war die FDP unter den Erstwählern mit 23 Prozent stärkste Kraft. Inzwischen konkurriert sie auf wirtschafts- und technologiepolitischen Feldern auch mit Volt, die für jüngere Wähler interessant sein kann.

Fünf Wahlen im kommenden Jahr

Kubicki nannte Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Bremen und Niedersachsen als entscheidende Wahltermine. Er kritisierte außerdem die Bemühungen von Grünen und SPD um eine Regierungsbildung mit der Linken.

Vor dem Parteitag sagte Kubicki, er sei sicher, dass die FDP die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein 2027 schaffen werde. Sollte das wider Erwarten nicht gelingen, werde er aufhören; dann sei es auch für die FDP vorbei.

Der Bundesparteitag markiert für die FDP den Versuch, nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag und mehreren verlorenen Landtagswahlen ein eigenständiges Profil zurückzugewinnen. Kubicki verbindet diesen Neustart mit einem klassischen liberalen Schwerpunkt: Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Marktwirtschaft.

Die Ausgangslage bleibt schwierig. Die Partei ist bundespolitisch nicht mehr vertreten und verfügt nur noch in vier Landesparlamenten über Sitze. Zugleich muss sie ihre Organisation in Regionen neu aufbauen, in denen liberale Strukturen geschwächt sind. Die geplante Parteireform soll dabei nicht nur den inneren Aufbau verändern, sondern auch Entscheidungsprozesse und die Ansprache potenzieller Wähler modernisieren.

Entscheidende Wahlen 2027

Für die FDP folgen im kommenden Jahr fünf Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Bremen und Niedersachsen. Besonders Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben für die Partei strategisches Gewicht, weil sie dort ihre parlamentarische Präsenz verteidigen beziehungsweise zurückgewinnen muss.

Die wirtschaftspolitische Positionierung kann der FDP ein vertrautes Themenfeld zurückgeben, reicht allein aber nicht für ein Comeback. Dafür muss sie wirtschaftliche Forderungen mit einer erkennbaren Antwort auf soziale Sorgen, technologischen Wandel und die Erwartungen jüngerer Wähler verbinden. Die Parteireform und die Auswahl neuer Gesichter werden deshalb ebenso entscheidend sein wie Kubickis Kursansage.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „FDP-Bundesparteitag: Kubicki schaut zuversichtlich auf kommende Wahlen“ (08.11.2026)

Der Artikel habe Kubickis Zuversicht für die fünf Landtagswahlen und seine Forderung nach einer stärkeren Stimme der Freiheit in den Parlamenten betont. Anders als die dpa-Meldung habe er zudem Reformpläne wie eine mögliche Doppelspitze, Mitgliederentscheide über Koalitionsverträge und einen Verzicht des Bundesvorsitzenden auf ein Regierungsamt hervorgehoben.

Deutschlandfunk: „FDP-Vorsitzender Kubicki stellt Wirtschaftswachstum ins Zentrum der Parteipolitik“ (08.11.2026)

Der Deutschlandfunk habe den digitalen Bundesparteitag und Kubickis wirtschaftspolitische Schwerpunktsetzung knapp zusammengefasst. Damit bestätige der Beitrag den zentralen Kurs der dpa-Meldung, während Fragen zur Parteireform und zur regionalen Organisation dort nicht im Mittelpunkt stünden.

Beide Beiträge hätten Kubickis wirtschaftspolitischen Kurs und den bevorstehenden Wahlmarathon bestätigt. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der Stern Reformdetails und die Wahlperspektive betont habe, habe der Deutschlandfunk den wirtschaftspolitischen Schwerpunkt herausgestellt.

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