Ferat Kocak lÀsst Funktionen ruhen und meidet Innenausschuss
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 15:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak (Linke) lĂ€sst vorerst seine politischen Funktionen ruhen. Nach Angaben von Linken-Fraktionschef Sören Pellmann wird sich Kocak bis auf Weiteres zurĂŒckziehen, bis volle Transparenz hergestellt ist.
Kocak nimmt nicht mehr am Innenausschuss teil
Kocak werde zunĂ€chst nicht mehr an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses teilnehmen, sagte Pellmann in Berlin. Ăber mögliche Konsequenzen solle anschlieĂend solidarisch miteinander gesprochen werden.
Hintergrund sind zuletzt veröffentlichte Chatnachrichten. Darin schickte Kocak offenbar âGrĂŒĂe mit Respektâ an Clan-Oberhaupt Issa Remmo und bat dessen Sohn, ein Video seiner Bundestagsrede zu verbreiten.
Partei distanziert sich von Remmo-Auftritt
Remmo war zudem auf der Wahlparty der Neuköllner Linken aufgetaucht. Die ParteifĂŒhrung erklĂ€rte, er sei nicht eingeladen gewesen und nach dem Erkennen direkt aufgefordert worden zu gehen.
Kocak entschuldigte sich öffentlich. Die Berichte hĂ€tten die Ăffentlichkeit zu Recht verunsichert. âKontakte von MandatstrĂ€gern zu Personen, die der organisierten KriminalitĂ€t zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigenâ, erklĂ€rte der Abgeordnete.
Abgeordneter kĂŒndigt Aufarbeitung an
Kocak erklĂ€rte, er kommuniziere jede Woche ĂŒber soziale Medien mit hunderten Menschen aus Neukölln und habe mit dem Sohn Remmos âwie mit jedem anderen Neuköllner auchâ geschrieben. Seinen Vater habe er âmit Höflichkeit zurĂŒckgegrĂŒĂtâ, ohne zu diesem Zeitpunkt gewusst zu haben, um wen es sich handele.
Als Person des öffentlichen Lebens trage er besondere Verantwortung. Er werde sich nun Zeit nehmen, sein Kommunikationsverhalten in Absprache mit seinem Team aufzuarbeiten, jeden Zweifel auszurÀumen und volle Transparenz herzustellen.
Der Fall verbindet drei Ebenen: die parlamentarische Verantwortung eines Bundestagsabgeordneten, die politische Kommunikation in einem Berliner Wahlkreis und die anhaltende Debatte ĂŒber organisierte KriminalitĂ€t. Kocak begrĂŒndet seinen vorlĂ€ufigen RĂŒckzug mit dem Ziel, Transparenz herzustellen. Konkret betrifft die MaĂnahme zunĂ€chst seine Teilnahme an Sitzungen des Innenausschusses.
Politisch besonders sensibel ist der Vorgang, weil der Innenausschuss Fragen der inneren Sicherheit, der organisierten KriminalitĂ€t und der Arbeit von Sicherheitsbehörden behandelt. Kontakte zu Personen, die der organisierten KriminalitĂ€t zugerechnet werden, können deshalb unabhĂ€ngig von einer strafrechtlichen Bewertung Zweifel an der notwendigen Distanz und an der politischen GlaubwĂŒrdigkeit auslösen. Zugleich bleibt zwischen einem veröffentlichten Chat, einer politischen Kommunikation und einem strafrechtlich relevanten Verhalten zu unterscheiden.
Transparenz als nÀchste BewÀhrungsprobe
FĂŒr die Linke geht es neben dem persönlichen Verhalten Kocaks auch um die Abgrenzung der Partei im Umfeld öffentlicher Veranstaltungen. Nach dem Auftauchen von Issa Remmo auf einer Wahlparty erklĂ€rte die Partei, er sei nicht eingeladen gewesen und habe die Veranstaltung verlassen mĂŒssen. Die weitere politische Bewertung dĂŒrfte davon abhĂ€ngen, welche Kommunikation offengelegt wird, wie Kocak seine Kontakte einordnet und ob die Partei daraus organisatorische Konsequenzen zieht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: âChat mit Mitglied des Remmo-Clans: Ferat Koçak entschuldigt sichâ (21.09.2026)
Der Beitrag schildert die Veröffentlichung des Chatverlaufs durch Firas Remmo und Kocaks anschlieĂende Entschuldigung. Er legt den Schwerpunkt auf den konkreten Wortlaut der Nachrichten sowie auf Kocaks ErklĂ€rung, zunĂ€chst nicht gewusst zu haben, mit wem er kommunizierte.
FOCUS online: âKoçak will Clan-Chat âaufarbeitenâ, heftige Pau-Kritikâ (22.09.2026)
FOCUS online bestĂ€tigt den Chat, die angekĂŒndigte Aufarbeitung und die Kritik aus der eigenen Partei. Anders als der taz-Beitrag stellt der Artikel die innerparteiliche Auseinandersetzung und die Forderung nach politischer Verantwortung stĂ€rker heraus.
Gemeinsam ist beiden BeitrĂ€gen die Darstellung des Chats, der Entschuldigung und des angekĂŒndigten RĂŒckzugs. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen einmal die Entstehung und der Inhalt der Kommunikation, einmal die politischen Folgen und die Kritik innerhalb der Linken.
