Umweltministerin Lemke mit WWF auf Suche nach Geisternetzen
16.09.2023 - 13:19:57 | dpa.de
Mit prominenter UnterstĂŒtzung hat der WWF am Samstag vor Fehmarn seinen Einsatz zur Bergung von sogenannten Geisternetzen fortgesetzt. Auf dem Bergungsschiff war neben Vertretern des WWF und Berufstauchern auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) dabei. Ziel war die Bergung eines groĂen Geisternetzes aus dem Fehmarnbelt. Die Organisation hat seit 2015 nach eigenen Angaben bereits mehr als 26 Tonnen Schlepp- und Stellnetze geborgen - in Fischereigebieten der Ostsee von Usedom bis hoch zur Flensburger Förde.
Die Bundesumweltministerin macht sich stark fĂŒr mehr Anstrengungen bei der Bergung von sogenannten Geisternetzen aus dem Meer. «Angesichts der GröĂe des Problems kann es keine Dauerlösung sein, dass Ehrenamtliche diese Arbeit verrichten, finanziert ĂŒber Umweltorganisationen», sagte Lemke der Deutschen Presse-Agentur.
«Bei den Geisternetzen werden wir im Rahmen des globalen Plastikabkommens eine Lösung finden mĂŒssen, die die Verursacher stĂ€rker in die Haftung nimmt», so Lemke. Es könne nicht dauerhaft eine gesellschaftliche Aufgabe sein, den MĂŒll aufzurĂ€umen auf See. Die Verursacher des PlastikmĂŒlls mĂŒssten mit in die Pflicht genommen werden.
Mittel aus dem europÀischen Fischereifonds
Nach Ansicht Lemkes könnten auch Mittel aus dem europĂ€ischen Fischereifonds genutzt werden, um Geisternetze zu bergen. «Wir hatten auf europĂ€ischer Ebene bereits Littering-Initiativen, die dafĂŒr eben auch öffentliches Geld zur VerfĂŒgung gestellt haben.» Deutschland werde noch einer internationalen Initiative beitreten, die das Thema Geisternetze angehe. «Das ist kein deutsches oder europĂ€isches, sondern ein globales Problem.» Deshalb setze sie sich dafĂŒr ein, das Thema Geisternetze in ein globales Plastikabkommen aufzunehmen.
Als Geisternetze werden herrenlose Fischernetze bezeichnet, die beim Fischfang beispielsweise an Wracks oder Steinen am Meeresgrund hĂ€ngen blieben. «Die Bergung von Geisternetzen muss staatliche Aufgabe von Bund und LĂ€ndern werden», sagte WWF-Vorstand Heike Vesper. Dringend nötig sein ein Amtsauftrag zur Bergung fĂŒr Schiffe des Bundes und der LĂ€nder. «Viele dieser Schiffe und Crews verfĂŒgen ĂŒber die nötige Sonartechnik, HebekrĂ€ne und qualifizierte Taucher», betonte sie. Trotzdem blieben entdeckte Netze am Meeresgrund liegen, weil behördlichen Schiffen das Mandat fĂŒr die Bergung fehle.
Ghost Diver App hilft Netze besser zu entdecken
Lemke betonte, «dass die Politik weltweit auf dieses Thema immer stĂ€rker aufmerksam gemacht wird, das ist Verdienst von Umweltorganisationen auf der ganzen Welt». Bis zu 50 Prozent des gesamten PlastikmĂŒlls im Meer stammten aus frĂŒheren FischereigerĂ€ten, seien es Netze, Leinen oder sogenannten Dolly Ropes. Das sind ScheuerfĂ€den, die oft beim Fischen verwendet werden.
«Ich habe als Bundesumweltministerin die Initiative ergriffen fĂŒr ein europaweites Verbot von Dolly Ropes, weil Umweltbundesamt und ThĂŒnen-Institut gemeinsam mit Fischern Alternativen entwickelt haben», sagte Lemke. Fischerinnen und Fischer könnten kĂŒnftig auf diese schĂ€dlichen EintrĂ€ge ins Meer verzichten. Zudem finanziere der Bund bereits eine vom WWF entwickelte App mit. Die Ghost Diver App soll helfen, Netze besser zu entdecken und leichter zu bergen.
Der WWF sieht aber auch an Land Handlungsbedarf. «Es muss eine durchgehende Entsorgungsstruktur fĂŒr FischereigerĂ€t in den FischereihĂ€fen aller KĂŒstenbundeslĂ€nder organisiert werden», sagte Vesper. Derzeit existieren entsprechende Sammelcontainer nur in schleswig-holsteinischen und niedersĂ€chsischen HĂ€fen, nicht aber in Mecklenburg-Vorpommern.
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