Die ParklĂŒcke - StellplĂ€tze auf Autobahn fĂŒr Lkw-Fahrer groĂes Problem
14.04.2024 - 10:05:05 | dpa.deEr spricht von Stress und Zeitverlust, wenn er die Suche nach einem Parkplatz am Abend beschreibt. Heutzutage mĂŒsse man schon am Nachmittag nach einem Parkplatz suchen. Ab 17.00 Uhr sei es unmöglich, noch einen Parkplatz auf einer deutschen Autobahn zu bekommen.
So wie Garcia Rosales dĂŒrfte es vielen Lkw-Fahrern in Deutschland gehen. Das Bundesverkehrsministerium verfolge nachdrĂŒcklich das Ziel, die Anzahl an Lkw-StellplĂ€tzen auf Rastanlagen entlang der Autobahn kontinuierlich zu erhöhen, teilt es auf Anfrage mit. "Dennoch gibt es weiterhin EngpĂ€sse an den Rastanlagen - vor allem in den Nachtstunden", so eine Sprecherin.
Erhebung: 23 000 fehlende Lkw-ParkplÀtze
Eine bundesweite Erhebung zur Lkw-Parksituation entlang der Autobahnen im Auftrag des Verkehrsministeriums hat 2018 ergeben, dass auf etwa 71 000 Lkw-Abstellmöglichkeiten gut 94 000 nachts abgestellte Lkw kamen. Demnach fehlten damals etwa 23 000 Lkw-Parkmöglichkeiten auf und an den Autobahnen. Im vergangenen Jahr habe erneut eine Erhebung stattgefunden. Weitere Angaben könne das Ministerium derzeit keine machen, die Auswertung laufe noch, hieà es. Die Anzahl der Lkw-StellplÀtze sei seit 2018 kontinuierlich gesteigert worden. Von 2018 bis 2023 kamen nach Angaben des Ministeriums rund 3000 hinzu. Davon seien in den vergangenen beiden Jahren 542 erstellt worden.
Die Schaffung zusĂ€tzlicher StellplĂ€tze an Bundesautobahnen habe fĂŒr das Verkehrsministerium eine hohe PrioritĂ€t. GrundsĂ€tzlich seien dafĂŒr jedes Jahr 100 Millionen Euro eingeplant. "DarĂŒber hinaus werden weitere Mittel im Rahmen des Förderprogramms fĂŒr Parkraummodelle in AutobahnnĂ€he verausgabt", hieĂ es.
Neben neuen Parkmöglichkeiten auf den Rastanlagen des Bundes und der PrĂŒfung neuer Parkraummodelle in AutobahnnĂ€he sollen laut PlĂ€nen des Ministeriums telematische Parkverfahren verstĂ€rkt zum Einsatz kommen, und der Parksuchverkehr durch den gezielten Einsatz von Stellplatzerfassungssystemen reduziert werden.
"Die Situation ist wirklich bedrohlich bis erschreckend"
"Die Situation ist wirklich bedrohlich bis erschreckend", sagt Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher beim Bundesverband GĂŒterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Der BGL gehe davon aus, "dass die Situation noch dramatischer ist" und mehr als 40 000 StellplĂ€tze fehlen.
Es sei ein groĂes Problem, wenn das Fahrpersonal abends keinen Stellplatz finde, sagt Engelhardt. Es sei stressig fĂŒr die Fahrer, aber auch gefĂ€hrlich, wenn diese dann etwa auf den Zu- und Abfahrten von ParkplĂ€tzen parkten. "Das sind ZustĂ€nde, die sind unhaltbar", sagt Engelhardt. Die Folgen fĂŒr die Unternehmen seien gravierend. Stichwort: FachkrĂ€ftemangel.
Bei der Beschreibung des Problems unterscheiden sich die Meinungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite kaum. Die Parkplatzsituation fĂŒr die Fahrerinnen und Fahrer sei nicht gut, sagt Stefan Thyroke, der die Bundesfachgruppe Logistik bei der Gewerkschaft Verdi leitet. "Da gibt es gar keine zwei Meinungen." Auch Tyroke spricht von ĂŒbervollen ParkplĂ€tzen und Fahrern, die aus der Not heraus gezwungen seien, entweder auf nicht markierten ParkplĂ€tzen oder sogar schon vor oder nach dem eigentlichen Parkplatz zu halten.
Unterschiedliche AnsĂ€tze fĂŒr Lösung des Problems
Bei der Lösung des Problems unterscheiden sich die Vorstellungen jedoch: BGL-Vorstandssprecher Engelhardt sagt, er sei mittlerweile der Meinung, dass es egal sei, wer im Verkehrsministerium am Ruder sitze: Keiner könne diesen immensen Bedarf an ParkplĂ€tzen decken. NatĂŒrlich mĂŒssten ParkplĂ€tze immer gebaut werden, wenn sie gebaut werden können. Es solle unter anderem aber auch geprĂŒft werden, ob Autohöfe entlang der Autobahn erweitert werden könnten. Dazu mĂŒssten dann entsprechende Förderprogramme aufgelegt werden. "Nur ein Mix aus verschiedensten MaĂnahmen kann die Not etwas lindern und das wird Jahre dauern."
Einfach mehr ParkplĂ€tze zu bauen, sieht Gewerkschafter Thyroke nicht als geeignet an. "Unsere Auffassung ist, dass man das Problem auch anders beheben kann, nĂ€mlich, indem man die Fahrer von den Autobahnen runterholt", sagt der Gewerkschafter. DafĂŒr könnte zum Beispiel mehr GĂŒterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Oder es könnte mehr auf Begegnungsverkehr gesetzt werden. Vereinfacht sĂ€he das zum Beispiel so aus: Ein Fahrer aus dem Norden trifft sich mit einer Fahrerin aus dem SĂŒden etwa in der Mitte. Beide tauschen die Ladung und fahren wieder zurĂŒck, sodass keine Ăbernachtung fernab der Heimat nötig ist.
Die LautstĂ€rke sei auĂerdem ein Problem. Noch lange nicht jeder Parkplatz habe eine Schallschutzwand. AuĂerdem seien die ParkplĂ€tze meistens so konzipiert, dass die Fahrerkabinen in Richtung der Fahrbahn gingen. Duschen, Toiletten oder das AbfĂŒllen von Wasser koste hĂ€ufig Geld. "Aus Sicht der Fahrer wĂŒrde es viel mehr Sinn machen, in die QualitĂ€t der ParkplĂ€tze zu investieren statt in die QuantitĂ€t", sagt Thyroke.
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