Produktion/Absatz, Wettbewerb

Nach Tesla-Anschlag Ermittlungen wegen Sabotage

07.03.2024 - 17:44:15 | dpa.de

FRANKFUFT (Oder) - Der Anschlag auf die Stromversorgung des einzigen europĂ€ischen Tesla US88160R1014-Werks in GrĂŒnheide bei Berlin zieht Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage nach sich.

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FRANKFUFT (Oder) (dpa-AFX) - Der Anschlag auf die Stromversorgung des einzigen europĂ€ischen Tesla US88160R1014-Werks in GrĂŒnheide bei Berlin zieht Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage nach sich. Das Verfahren wegen des Tesla-Brandanschlags werde auch wegen Störung öffentlicher Betriebe und Brandstiftung gefĂŒhrt, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Carola Ochs, am Donnerstag mit. "Die Ermittlungen werden nach wie vor in alle Richtungen gegen Unbekannt gefĂŒhrt und dauern an." Der Generalbundesanwalt sei ĂŒber das Verfahren unterrichtet. "Er wird entscheiden, ob er das Ermittlungsverfahren an sich ziehen wird."

Die Produktion in der Tesla-Fabrik bleibt noch bis voraussichtlich Ende nÀchster Woche unterbrochen - viel lÀnger als bisher gedacht. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Werksleiter André Thierig gab den Schaden am Dienstag mit Hunderten Millionen Euro an. Er ging darin aber von einem Ausfall nur in dieser Woche aus.

Bisher unbekannte TĂ€ter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch fĂŒr die Versorgung der Tesla-Fabrik zustĂ€ndig ist. Die Produktion wurde gestoppt. Zehntausende Bewohner waren von Stromausfall betroffen. Die linksextreme "Vulkangruppe" hatte erklĂ€rt, sie sei fĂŒr den Anschlag verantwortlich. Die Polizei hĂ€lt ein Bekennerschreiben fĂŒr echt. Sie sucht Zeugen, die die Straftat in der Nacht zu Dienstag bemerkt haben oder Angaben zu TatverdĂ€chtigen machen können.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) dringt nach dem Anschlag auf ein hartes Durchgreifen gegen Linksextremisten. "Es scheint ja ein mutmaßlicher linksextremistischer Anschlag gewesen zu sein; das war ein schwerer Brandanschlag, der ja ganz, ganz viele Tausende, vor allem Haushalte auch vom Strom abgehĂ€ngt hat", sagte die Ministerin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Sie verurteile den Anschlag auch deshalb sehr scharf, weil er dazu gefĂŒhrt habe, dass in Kliniken und Arztpraxen der Strom ausgefallen sei, was lebensbedrohlich sein könne.

"Es ist, ehrlich gesagt, fĂŒr uns ein PhĂ€nomen, was wir in den letzten Jahren schon sehen, dass der Linksradikalismus hĂ€rter wird, gewaltbereiter und vor solchen Aktionen nicht zurĂŒckschreckt", sagte Faeser in einem Videointerview. "Und da muss jetzt hart gehandelt werden." Die Staatsanwaltschaft mĂŒsse durchgreifen, "und man muss empfindliche Strafen auch spĂŒren". Vizekanzler Robert Habeck (GrĂŒne) hatte den Anschlag am Mittwoch verurteilt und von einem "Verbrechen" gesprochen.

Manche Supermarktkunden standen nach dem Anschlag vor teils leeren Regalen - doch das soll sich Ă€ndern: Ein großes Edeka-Logistikzentrum in Freienbrink bei GrĂŒnheide, das rund 500 MĂ€rkte in Berlin und Brandenburg beliefert, ist noch immer von Stromausfall betroffen. Mithilfe von zehn Notstromaggregaten rollte der Lieferverkehr fĂŒr gekĂŒhlte und tiefgekĂŒhlte Waren wieder an, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Die Stromversorgung sei aber noch unterbrochen: "Aktuelle Prognosen gehen von einer Wiederherstellung Ende nĂ€chster Woche aus." Die Belieferung mit frischer Ware war zuvor laut Edeka deutlich eingeschrĂ€nkt, die Handelskette lenkte Lieferströme ĂŒber Sachsen-Anhalt und Niedersachsen um.

Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU) sieht wichtige Netze und Anlagen in Deutschland nicht genug geschĂŒtzt. "Alarmiert mĂŒssen wir sein, weil dieser Anschlag vorgestern frĂŒh hat gezeigt, dass wir in Deutschland viele solcher neuralgischen Infrastrukturpunkte haben, die faktisch nicht geschĂŒtzt sind", sagte StĂŒbgen im Deutschlandfunk. Er will analysieren lassen, wo Punkte sind, an denen TĂ€ter mit einfachen Mitteln grĂ¶ĂŸten Schaden anrichten könnten. Am Strommast, der Ziel des Anschlags war, fĂŒhre das Stromkabel aus der Luft in die Erde. Notwendig seien etwa ZĂ€une und Kameras sowie weitere Stromleitungen.

Der Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer schĂ€tzt den bisher erwarteten Schaden des Produktionsstopps von Tesla in GrĂŒnheide geringer ein als das Unternehmen. "Der reine Produktionsausfall fĂŒr eine Woche ist nach meiner EinschĂ€tzung nach der derzeitigen Marktlage eher mit SchĂ€den von vielleicht 100 Millionen Euro vergleichbar", sagte der Direktor des Center for Automotive Research in Bochum der Deutschen Presse-Agentur. "Eine neunstellige Summe ist schon eine hohe Nummer, die nur nachvollziehbar ist, wenn sehr hohe SchĂ€den an Maschinen durch den Brand bei Tesla entstanden sind."

Dudenhöffer sieht bei dem Autobauer Möglichkeiten zum Auffangen des Ausfalls. "Derzeit können sie keine Autos bauen. Die Nachfrage fĂŒr Elektrofahrzeuge ist im Moment aber auch schlecht", sagte Dudenhöffer. "Im Februar hat Tesla in Deutschland mit rund 6000 Neuzulassungen 22 Prozent weniger Fahrzeuge in den Markt gebracht als im Vorjahresmonat." Die Tesla-Nachfrage leide auch in MĂ€rkten wie China. "Daher sind die Tesla-Werke in Shanghai und USA nach meiner EinschĂ€tzung aktuell nicht ausgelastet und können die GrĂŒnheide AusfĂ€lle "auffangen"."

FĂŒr Sonntag ruft das BĂŒndnis "Tesla den Hahn abdrehen" zum Protest gegen das Unternehmen auf. Eine Sprecherin sagte, die "Vulkangruppe" gehöre nicht zu dem BĂŒndnis. Tesla wies VorwĂŒrfe von mangelndem Umweltschutz zurĂŒck: "FĂŒr die Giga-Produktion pro Fahrzeug werden nur 2,28 Kubikmeter Wasser benötigt", schrieb Tesla-Manager Rohan Patel beim Portal X (frĂŒher Twitter). Das sei ein Drittel weniger als Branchendurchschnitt von 3,68 Kubikmeter Wasser.

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