Verfassungsschutz fĂŒrchtet Sabotageakte in Deutschland
22.05.2023 - 12:23:39Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) sieht ein «erhöhtes Risiko» fĂŒr russische Sabotageakte auch in Deutschland. «Diese FĂ€higkeiten sind faktisch vorhanden und können im Bedarfsfall auch gegen deutsche Ziele und vor allen Dingen kritische Infrastrukturen eingesetzt werden», sagte BfV-PrĂ€sident Thomas Haldenwang bei einem Symposium seiner Behörde in Berlin.
Es gebe bereits «Vorbereitungshandlungen» wie das AusspÀhen der IT von Versorgungsunternehmen. «Entsprechende AusspÀh-Unternehmungen sehen wir bereits, aber noch nicht den massiven Cyberangriff gegen deutsche kritische Infrastruktur.»
«Wir sind gut aufgestellt»
In Russland seien sehr starke KrĂ€fte fĂŒr Cyberangriffe aufgestellt worden, sagte Haldenwang. Diese kĂ€men derzeit vor allem gegen die Infrastruktur in der Ukraine zum Einsatz. WĂŒrden diese gegen die USA, Westeuropa oder Deutschland eingesetzt, «dann mĂŒssen wir tatsĂ€chlich mit komplexen Angriffen rechnen». Haldenwang betonte zugleich: «Wir sind gut aufgestellt. Wir werden dem gut begegnen können.»
Der PrĂ€sident des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz berichtete auch von einer «hohen IntensitĂ€t» bei den AufklĂ€rungsaktivitĂ€ten der chinesischen Nachrichtendienste. Hier stehe nach wie vor der Transfer von Know-how im Zentrum. «Aber fĂŒr das erklĂ€rte Ziel der globalen, politischen, militĂ€rischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen FĂŒhrungsrolle setzt Peking auch fĂŒr Spionageoperationen unverĂ€ndert enorme menschliche und finanzielle Ressourcen ein.»
Peking handelt diskreter als Moskau
Zu beobachten seien auch im Fall China komplexe Cyberangriffe - aber auch «ein gesteigertes Interesse an der AusspÀhung der deutschen Politik auf allen Feldern», sagte Haldenwang. «WÀhrend sich Moskaus Revanchismus als aggressiv und militaristisch demaskiert hat, handelt Peking weitaus diskreter, strategischer und mit langfristiger Zielsetzung.»
Bei den russischen Nachrichtendiensten hĂ€tten die IntensitĂ€t, der Umfang und die KomplexitĂ€t der TĂ€tigkeit seit Beginn des Krieges in der Ukraine spĂŒrbar zugenommen, sagte Haldenwang. Die konventionellen ZugĂ€nge zu Informationen hĂ€tten sich fĂŒr Russland auch wegen der europaweiten Ausweisung mehrerer hundert Mitarbeiter ihrer Nachrichtendienste drastisch reduziert. «Jetzt sind sie gezwungen, ihr hohes AufklĂ€rungsinteresse durch alternative Methoden zu stillen.»
Agenten,Cyperangriffe und falsche IdentitÀten
Dies geschehe zum Beispiel durch Cyberangriffe, klassische Agenten oder sogenannte eingeschleuste Illegale mit falscher IdentitĂ€t. «FĂŒr Deutschland sind damit die Risiken gestiegen. Hier verbietet sich jede NaivitĂ€t», warnte Haldenwang.
Er wies darauf hin, dass Russland Desinformation in Deutschland direkt an VerschwörungsglĂ€ubige und extremistische Spektren an den politischen RĂ€ndern der Gesellschaft adressiere. Dort werde sie aufgegriffen, weiterverbreitet und in ihrer Wirkung verstĂ€rkt. Die wirkmĂ€chtigen Umtriebe auswĂ€rtiger autoritĂ€rer Regime interagierten mit dem Aufstieg autoritĂ€rer Ideen im Inland. «Sowohl externe Einflussakteure als auch inlĂ€ndische Extremisten haben dank digitaler Kommunikationsmittel nicht nur einen gut gefĂŒllten Werkzeugkasten, sondern finden auch einen reich gedeckten Tisch an Themen vor.»
Die vor uns liegenden Aufgaben zur Behauptung der Demokratie seien anspruchsvoll, sagte Haldenwang. «Wir mĂŒssen uns potenten MĂ€chten sowie extremistischen Bestrebungen entgegenstellen.» Allerdings hĂ€tten die liberalen Demokratien es selber in der Hand. Man mĂŒsse sich nicht vor dem Vergleich der Systeme sorgen. «Unsere Gegner verteidigen die Freiheit eines Regimes vor seinen Untertanen. Wir verteidigen die Demokratie und die WĂŒrde freier BĂŒrger.»


