Feindseligkeit gegen Juden: 8.600 FĂ€lle gemeldet
04.06.2025 - 11:15:21Angriffe, Anfeindungen, Ausgrenzung gegen Juden in Deutschland: 2024 hat der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Rias fast 77 Prozent mehr antisemitische VorfĂ€lle dokumentiert als im Jahr davor. Dazu zĂ€hlen acht FĂ€lle extremer Gewalt, 186 Angriffe, 443 gezielte SachbeschĂ€digungen und 300 FĂ€lle von Bedrohung. Am hĂ€ufigsten wurde «verletzendes Verhalten» gemeldet: 7.514 von insgesamt 8.627 VorfĂ€llen fielen laut Rias diese Kategorie, darunter 1.802 Versammlungen.Â
«Judenhass in Deutschland weit verbreitet»
Der Anstieg zeigt sich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 in allen verfĂŒgbaren Statistiken. Das Besondere an den Rias-Zahlen: Sie erfassen VorfĂ€lle, die Betroffene oder Zeugen selbst bei den Meldestellen des Verbands vorbringen. Einfluss auf die Daten hat also, wie viele Menschen aktiv werden. Dabei bleibe eine groĂe Dunkelziffer, betont Rias. Klar ist fĂŒr den Verband: «Die Lage fĂŒr JĂŒdinnen (und) Juden in Deutschland hat sich weiter verschĂ€rft.»
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sprach von schockierenden Zahlen und schloss daraus: «Judenhass ist in Deutschland mittlerweile so stark verbreitet, wie wir es uns noch vor wenigen Jahren nicht vorstellen wollten.» Bundesbildungsministerin Karin Prien sagte dem «Tagesspiegel» zu den Zahlen: «Antisemitismus ist kein RandphĂ€nomen, sondern eine reale Bedrohung fĂŒr das jĂŒdische Leben in Deutschland.»Â
Auch Terrorakte erfasst
Als Beispiele extremer Gewalt erfasste Rias nicht nur den Angriff eines Berliner Studenten auf einen jĂŒdischen Kommilitonen vor einer Bar Anfang 2024. In die Kategorie fĂ€llt fĂŒr das Netzwerk auch der tödliche Angriff eines AnhĂ€ngers der Terrormiliz IS auf dem Stadtfest in Solingen, im Bekennervideo gab es einen Bezug auf den Gazakrieg und die angebliche UnterstĂŒtzung durch Zionisten. Ebenfalls einbezogen wurde der Angriff eines mutmaĂlichen Islamisten auf das israelische Generalkonsulat und ein NS-Dokumentationszentrum in MĂŒnchen.
Beschimpfung auf dem Schulweg
Unter den 186 registrierten Angriffen war zum Beispiel einer in Oldenburg: Zwei MĂ€nner hielten dem Rias-Bericht zufolge eine jĂŒdische SchĂŒlerin auf dem Schulweg fest und beschimpften sie als «dreckiger Jude». In einem Leipziger Park griffen 10 bis 15 Rechtsextremisten drei MĂ€nner an, die sich ĂŒber Antisemitismus unterhalten hatten. Einer der TĂ€ter habe «ScheiĂ Jude» gerufen, schreibt Rias. In der SĂ€chsischen Schweiz habe ein Mann eine Frau als «Nazi» beschimpft und geschubst, die einen Beutel mit der Aufschrift «Feminist Zionist» dabeihatte.
Hakenkreuze neben der HaustĂŒr
Unter den 443 SachbeschĂ€digung waren laut Rias 50 FĂ€lle im Wohnumfeld: Im MĂ€rz zum Beispiel schmierten Unbekannte in Hamburg zwei Hakenkreuze neben die HaustĂŒr eines jĂŒdischen Ehepaars, im April markierte in Leipzig ein Davidstern das Haus einer jĂŒdischen Person. Dies beinhalte fĂŒr Betroffene die bedrohliche Botschaft: Man wisse, wo sie wohnten.
Die allermeisten FÀlle - insgesamt 5.857 - wurden als «israelbezogener Antisemitismus» eingestuft. Das waren mehr als doppelt so viele FÀlle wie 2023. An Hochschulen registrierte Rias im vergangenen Jahr 450 antisemitische VorfÀlle. An Schulen waren es 284, darunter 19 Angriffe.


