Argentinien: Soziale Gruppen sollen Geld fĂŒr Arme unterschlagen haben
15.05.2024 - 19:46:52Bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmte die Polizei Zehntausende US-Dollar in bar, Dutzende Bankkarten und zahlreiche Mobiltelefone, wie lokale Medien am Mittwoch berichteten. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen 28 VerdÀchtige ein.
Die sozialen Bewegungen sind eine wichtige politische Kraft in Argentinien und bringen bei Demonstrationen regelmĂ€Ăig Hunderttausende Menschen auf die StraĂe. Allerdings sind sie auch in die Sozialpolitik eingebunden: Sie verwalten etwa die öffentlichen Mittel fĂŒr SuppenkĂŒchen in armen Vierteln und verteilen staatliche ZuschĂŒsse an Tagelöhner und Arbeitslose.
Die VerdĂ€chtigen sollen die Mitglieder der sozialen Bewegungen Polo Obrero, Barrios de Pie und Frente de Organizaciones en Lucha dazu gezwungen haben, einen Teil ihrer staatlichen UnterstĂŒtzung an sie abzugeben. Zudem nötigten sie die Mitglieder nach EinschĂ€tzung der Ermittler, an Protesten und Demonstrationen teilzunehmen.
Die Regierung des ultraliberalen PrĂ€sidenten Javier Milei geht davon aus, dass es sich dabei um ein weitverbreitetes System innerhalb der sozialen Organisationen handelt. Die FĂŒhrungsriege der Gruppen hingegen spricht von EinzelfĂ€llen und wirft der Regierung vor, die sozialen Bewegungen diskreditieren zu wollen.
Wegen der hohen Inflation und des harten Sparkurses von PrĂ€sident Milei sind viele Argentinier auf UnterstĂŒtzung angewiesen. Die Regierung strich zuletzt Tausende Stellen im öffentlichen Dienst und wickelte zahlreiche Sozialprogramme ab. Nach Angaben der Katholischen UniversitĂ€t Argentiniens leben fast 60 Prozent der Menschen in dem einst reichen Land unter der Armutsgrenze.

