Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – 12.000 Jobs und 83 Filialen in Gefahr
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 18:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.
Filialen sollen zunächst geöffnet bleiben
Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Galeria erklärte, der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Zu den Hintergründen machte der Warenhausbetreiber zunächst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag informiert und müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen.
Insolvenzgeld für Beschäftigte unklar
Unklar ist auch, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach der bislang letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit kann in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden; entscheidend sei jedoch die konkrete Prüfung des Einzelfalls.
Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang des Insolvenzantrags und machte zunächst keine weiteren Angaben. Der Gesamtbetriebsrat forderte das Management in einem Flugblatt zur Aufklärung auf und kündigte an, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den Fortbestand von Galeria und den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen.
Vierter Insolvenzantrag seit 2020
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Infolge der zurückliegenden Verfahren wurden bereits zahlreiche Filialen geschlossen; die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.
Der bislang letzte Antrag erfolgte vor gut zweieinhalb Jahren, nachdem der damalige Mutterkonzern Signa in Schieflage geraten war. Damals schlossen neun der 92 Warenhäuser. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz; der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Neue Finanzierung reichte nicht aus
Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Galeria verwies auf Liquiditätsschwankungen und bat Vermieter um Stundungen. Im Juni erhielt die Kette eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers, die unter anderem der Ablösung eines laufenden Kredits und der Begleichung offener Mieten dienen sollte.
Die Kreditlinie war durch Waren von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan mit weiteren Schließungen geknüpft. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser zu überprüfen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung einzelner Filialen gefährdet.
Warenhäuser verlieren an Bedeutung
Handelsexperten halten einen Fortbestand von 40 bis 50 Standorten unter einem passenden Eigentümer und mit einer stärker lokal ausgerichteten Positionierung grundsätzlich für möglich. Ein strategischer Investor müsse das Geschäftsmodell jedoch grundlegend weiterentwickeln; andernfalls drohe eine geordnete Abwicklung.
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI erzielte Galeria Karstadt Kaufhof 2019 mit 174 Filialen einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria mit weniger als der Hälfte der Standorte noch rund 2 Milliarden Euro um. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent.
Einzelhandel unter Druck
Die schwache Konsumstimmung und der wachsende Onlinehandel belasten den deutschen Einzelhandel. Nach Angaben von Allianz Trade meldeten zwischen Juni 2025 und Mai 2026 gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Auch Kodi, Mäc Geiz, Depot und Hellweg gerieten zuletzt in Schwierigkeiten.
Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. Ein Aus für Galeria würde nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zugleich das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.
Wiederholte Sanierung unter Druck
Der erneute Insolvenzantrag folgt auf mehrere Sanierungsrunden, Standortschließungen und einen Eigentümerwechsel. Seit dem Verfahren von 2024 wurde das Filialnetz bereits verkleinert; zugleich blieb das Geschäftsmodell wegen hoher Mieten, schwacher Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck.
Besonders relevant ist die Finanzierungslage. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, die unter anderem offene Mietzahlungen und die Ablösung eines bestehenden Kredits ermöglichen sollte. Der daran geknüpfte Sanierungsplan sah bereits weitere Anpassungen des Filialnetzes vor. Dass im Juli 33 Warenhäuser auf den Prüfstand gestellt wurden, zeigt die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Standorte für die Fortführung.
Folgen für Beschäftigte und Innenstädte
Für die rund 12.000 Beschäftigten geht es kurzfristig um die Fortführung des Betriebs, die Zukunft einzelner Häuser und die Frage eines möglichen Insolvenzgeldes. Wegen der noch laufenden Planüberwachung nach dem vorherigen Verfahren ist diese Frage rechtlich besonders komplex und muss im Einzelfall bewertet werden.
Über Galeria hinaus steht der Vorgang für den Strukturwandel im stationären Handel. Nach EHI-Angaben sank der Marktanteil von Warenhäusern seit 2020 deutlich; zugleich ging Galerias Umsatz mit dem kleineren Filialnetz zurück. Für Innenstädte bedeutet jede Schließung zudem das Risiko großer leer stehender Verkaufsflächen. Eine nachhaltige Perspektive hängt daher nicht nur von Finanzierung ab, sondern auch von kleineren, lokal passenden Sortimenten, tragfähigen Mietverträgen und einem Konzept, das den Besuch im Warenhaus gegenüber spezialisierten Händlern und dem Onlinehandel begründet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: Filialen soll vorerst geöffnet bleiben“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den Insolvenzantrag, die vorläufige Öffnung der 83 Filialen und die Unsicherheit für rund 12.000 Beschäftigte. Er setze einen Schwerpunkt auf mögliche Ursachen, nenne ausbleibende Mietzahlungen und den Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro und lasse die konkrete Zukunft der Standorte offen.
n-tv: „Betrieb in Filialen läuft weiter: Galeria stellt erneut Insolvenzantrag“ (02.10.2026)
Der Artikel bestätige die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren sowie die offenen Fragen zu Insolvenzgeld und möglichen Schließungen. Anders als der WDR-Bericht ordne er die Entwicklung stärker anhand von Umsatzrückgang, sinkendem Warenhaus-Marktanteil und der allgemeinen Krise des Einzelhandels ein.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den Insolvenzantrag, den zunächst weiterlaufenden Betrieb und die unsichere Lage der Beschäftigten; offen blieben vor allem die Ursachen im Detail, der Anspruch auf Insolvenzgeld und die Zahl der langfristig tragfähigen Filialen.
