Deutschland, Finanzen

Klingbeil: LĂ€nder-Entlastungen stehen nicht zur Debatte

23.10.2025 - 15:58:36 | dpa.de

Gastrosteuer runter, Pendlerpauschale hoch - doch wer zahlt am Ende? Der Finanzminister bleibt bei seiner Absage an Kompensationen. In den LĂ€ndern gehen die Meinungen auseinander.

Klingbeil Ă€ußerte sich bei Vorstellung der SteuerschĂ€tzung. - Foto: Christoph Soeder/dpa

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sieht nach der SteuerschÀtzung erst recht keinen Grund mehr, EinnahmeausfÀlle der LÀnder durch den Bund auszugleichen. «Ich glaube, dass spÀtestens mit diesen Zahlen diese politische Debatte beendet sein wird», sagte der Vizekanzler mit Blick auf ein bis morgen (Freitag) geplantes Treffen der LÀnder-MinisterprÀsidenten. Klingbeil zog damit die Kritik mehrerer LÀnder auf sich.

In Mainz wollen die LĂ€nder darĂŒber sprechen, wie die Finanzbeziehungen mit dem Bund grundsĂ€tzlich neu geregelt werden können. Es mĂŒsse kĂŒnftig sichergestellt werden, dass der Bund Mehrkosten, die durch in Berlin entstandene Gesetze entstehen, trĂ€gt, betonte der MinisterprĂ€sident des Gastgeberlandes Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD). Aus Sicht der LĂ€nder soll das KonnexitĂ€tsprinzip gelten: Wer bestellt, bezahlt.

Gastrosteuer und Pendlerpauschale

Konkret steht das zur Debatte bei der von der schwarz-roten Koalition geplanten Mehrwertsteuersenkung fĂŒr Speisen in der Gastronomie und bei der geplanten Erhöhung der Pendlerpauschale. Beides sind Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag - aktuell beraten darĂŒber Bundestag und Bundesrat. Wegen der dadurch befĂŒrchteten Milliardeneinbußen kam von den LĂ€ndern teils deutliche Kritik und die Forderung nach Kompensation. 

Klingbeil sieht dafĂŒr nach der SteuerschĂ€tzung keinen Spielraum: WĂ€hrend der Bund bis 2029 nicht mit zusĂ€tzlichen Steuereinnahmen rechnen kann, kommen bei LĂ€ndern und Kommunen voraussichtlich 39,1 Milliarden Euro mehr rein. Weder bei der Gastrosteuersenkung noch bei der Pendlerpauschale sieht Klingbeil damit noch Redebedarf bezĂŒglich potenzieller Kompensationen.

Der SPD-Chef betonte, nicht alle Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag seien fĂŒr ihn «mit großer Leidenschaft» verbunden, er stehe aber zu den Vereinbarungen. Auch LĂ€nderchefs hĂ€tten bei den Verhandlungen mit am Tisch gesessen. Im Nachhinein nun die Spielregeln zu verĂ€ndern und eine Kompensation durch den Bund zu fordern, gehe nicht.

Unterschiedliche Meinungen in den LĂ€ndern

Schweitzer sieht darin die typische Haltung eines Finanzministers: «Die Berufsauffassung eines guten Finanzministers muss sein, die Taschen zuzunĂ€hen», sagte er zum Auftakt des LĂ€nder-Treffens. ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt (CDU) forderte: «Wer BeschlĂŒsse fasst, muss auch Verantwortung fĂŒr die Finanzierung ĂŒbernehmen.» Entlastungen fĂŒr Pendler und die Gastronomie seien richtig, aber dĂŒrften nicht auf Kosten der LĂ€nderhaushalte gehen.

Deutlichen Gegenwind bekommt Klingbeil auch aus Hessen. MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) warf dem Vizekanzler eine unkluge Kommunikation vor. «Ich glaube, der Bundesfinanzminister sollte seine Energie lieber darauf verwenden, eine Lösung dafĂŒr zu finden, anstatt so etwas herbeizufĂŒhren wie ein Drohpotenzial», kritisierte Rhein. Das Motto: «Wenn ihr nicht mitmacht, bekommen die BĂŒrger diese Entlastungen nicht», sei der falsche Weg.

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) betonte, es seien Bundesgesetze gewesen, die viele Milliarden Euro an zusÀtzlichen Kosten auf die Kommunen abgewÀlzt hÀtten. Der Bund stehe in der Verantwortung. «Er muss da helfen», sagte Kretschmer in Mainz.

Söder springt Klingbeil zur Seite

Beistand dagegen bekommt Klingbeil von Bayerns MinisterprĂ€sidenten Markus Söder, der als CSU-Chef den Koalitionsvertrag mit ausgehandelt hat. Der Bund habe von Anfang an gesagt, bei Steuern könne er nicht ausgleichen, sagte Söder. «Deswegen ist es fĂŒr mich eindeutig, da kann es keine Kompensation geben.» Er appellierte an seine LĂ€nder-Kollegen, den Reformen zuzustimmen: «Wer nicht will, dass InnenstĂ€dte veröden ohne Gastronomie, wer nicht will, dass die Dorfwirtschaft verschwindet, und wer auch nicht will, dass die Pendler benachteiligt werden, gerade im Vergleich zum Deutschlandticket, der muss am Ende zustimmen, und da werde ich sehr dafĂŒr werben», sagte er.

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