Geburtenrate im Osten seit 2015 um ein Drittel gesunken
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 11:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDemografischer RĂŒckgang in Ostdeutschland
- Das Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte die Studie am Samstag.
- Bei MĂŒttern mit deutschem Pass sank die Geburtenzahl um mehr als 40 Prozent.
- Die Zahl der 25- bis 39-jÀhrigen Frauen nahm in Ostdeutschland um 16 Prozent ab.
Geburtenrate sinkt in Ostdeutschland deutlich
Die Geburtenrate in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern ist seit 2015 um ein Drittel gesunken. Besonders stark ging die Geburtenzahl bei MĂŒttern mit deutschem Pass zurĂŒck.
Deutlich stĂ€rkerer RĂŒckgang als im Westen
Das geht aus einer am Samstag veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. In Westdeutschland fiel die Geburtenrate im selben Zeitraum um sechs bis acht Prozent.
Besonders betroffen sind demnach MĂŒtter mit deutschem Pass: Bei ihnen sank die Geburtenzahl um mehr als 40 Prozent. Bundesweit ging die Geburtenrate um elf Prozent zurĂŒck.
Weniger Frauen im gebÀrfÀhigen Alter
Als einen Grund nennen die Forscher die sinkende Zahl der Frauen im Alter von 25 bis 39 Jahren. In den ostdeutschen FlÀchenlÀndern nahm diese Gruppe seit 2015 um 16 Prozent ab.
Bundesweit stieg die Zahl der Frauen in dieser Altersgruppe dagegen leicht um ein Prozent. Im Westen betrug der Zuwachs drei bis fĂŒnf Prozent und wurde den Angaben zufolge durch Zuwanderung aus dem Ausland begĂŒnstigt.
IW warnt vor Folgen fĂŒr Arbeitsmarkt
IW-Forscher Wido Geis-Thöne warnte, niedrige Geburtenzahlen könnten langfristig das ArbeitskrĂ€fteangebot verkleinern und die Finanzierung des Sozialversicherungssystems gefĂ€hrden. Er forderte, die Entscheidung fĂŒr Kinder zu erleichtern.
Geis-Thöne sprach sich gegen KĂŒrzungen bei der UnterstĂŒtzung fĂŒr Familien, etwa beim Elterngeld, aus. Familien brĂ€uchten verlĂ€ssliche Betreuung und Planungssicherheit; die meisten Familienleistungen seien Investitionen, die sich langfristig auch fĂŒr die öffentliche Hand rechneten.
Der RĂŒckgang der Geburtenrate in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern verbindet zwei Entwicklungen: Es gibt dort deutlich weniger Frauen im typischen Alter fĂŒr eine FamiliengrĂŒndung, zugleich bekommen auch vorhandene AltersjahrgĂ€nge weniger Kinder. Die Zahl der 25- bis 39-jĂ€hrigen Frauen sank seit 2015 um 16 Prozent. Damit wirkt die demografische Entwicklung im Osten unmittelbar auf die Zahl der Geburten.
Der Unterschied zum Westen ist erheblich. Dort stieg die Zahl der Frauen in dieser Altersgruppe infolge von Zuwanderung, dennoch ging die Geburtenrate ebenfalls zurĂŒck. Der bundesweite RĂŒckgang um elf Prozent deutet deshalb neben demografischen Verschiebungen auf verĂ€nderte Entscheidungen und Rahmenbedingungen von Paaren hin.
Folgen fĂŒr Regionen und Sozialsysteme
FĂŒr ostdeutsche LĂ€nder verstĂ€rkt die Entwicklung den bereits bestehenden Alterungs- und Bevölkerungsschwund. Weniger junge Familien bedeuten langfristig eine geringere Nachfrage nach Kitas und Schulen, wĂ€hrend Kommunen zugleich mit FachkrĂ€ftemangel und steigenden Anforderungen an Pflege und medizinische Versorgung umgehen mĂŒssen.
Auf dem Arbeitsmarkt werden die Folgen zeitversetzt sichtbar, wenn kleinere JahrgĂ€nge ins Erwerbsalter eintreten. Das belastet die Finanzierung der Sozialversicherungen, weil weniger Beitragszahler mehr Ă€ltere Menschen mitfinanzieren mĂŒssen. Familienpolitik kann diese Entwicklung nicht kurzfristig umkehren, aber verlĂ€ssliche Betreuung, planbare Erwerbsbedingungen und stabile Leistungen können die Entscheidung fĂŒr Kinder erleichtern.
