Brandanschlag Saarlouis: Zweiter VerdÀchtiger festgenommen
06.06.2023 - 19:53:27Nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine FlĂŒchtlingsunterkunft in Saarlouis vor mehr als 30 Jahren hat die Bundesanwaltschaft einen zweiten VerdĂ€chtigen festnehmen lassen. Der 54 Jahre alte Deutsche stehe in dringendem Verdacht der Beihilfe zum Mord und Beihilfe zu versuchtem Mord zum Nachteil von 20 Menschen, teilte die oberste deutsche Anklagebehörde weiter mit. Der VerdĂ€chtige war zuvor im Saarland festgenommen worden, erlĂ€uterte eine Sprecherin.
Der von nationalsozialistischen und rassistischen Ăberzeugungen geprĂ€gte 54-JĂ€hrige habe damals eine hohe Stellung in der regionalen Skinhead-Szene gehabt. Dazu gehört habe auch ein derzeit wegen des Anschlags in Koblenz vor Gericht stehender 51 Jahre alten Mann. Kurz vor der Tat in der Nacht zum 19. September 1991 habe der nun Festgenommene gemeinsam mit ihm und anderen rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen eine GaststĂ€tte in Saarlouis besucht. Dort habe er unter anderem gesagt: «Hier mĂŒsste auch mal sowas brennen oder passieren.»
Ein 27-JĂ€hriger starb
Durch diese Aussage sei der 51-JĂ€hrige beeinflusst und bestĂ€rkt worden, die Tat zu begehen: «Er betrat das GebĂ€ude, goss im Treppenhaus des Erdgeschosses aus einem Kunststoffkanister Benzin aus und entzĂŒndete es», so die Bundesanwaltschaft. Damals war der 27-jĂ€hrige Asylbewerber Samuel Yeboah aus dem westafrikanischen Ghana verbrannt. AuĂerdem brachen sich zwei Hausbewohner Knochen beim Sprung aus einem Fenster. 18 weitere Bewohner konnten sich damals unverletzt ins Freie retten.
Seit November vergangenen Jahres lÀuft vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz ein Prozess gegen den 51-JÀhrigen wegen des Anschlags. Er hatte zwar eingerÀumt, dabei gewesen zu sein. Die Idee dazu sei aber von einem Bekannten aus der damaligen rechten Szene gekommen. Dieser habe den Brand gelegt.
Im Zusammenhang mit dem Fall war nach Worten der Sprecherin der Bundesanwaltschaft in der vergangenen Woche auch die Wohnung eines dritten VerdÀchtigen durchsucht worden. Weitere Details dazu nannte sie nicht. Ein Richter entschied am Abend, dass der 54-JÀhrige in Untersuchungshaft muss.


