LehrkrÀftemangel, Grundschulen

LehrkrÀftemangel an Grundschulen bald vom Tisch

25.01.2024 - 11:09:36

Gibt es bald einen LehrkrĂ€fte-Überschuss? Eine aktuelle Berechnung legt das nahe. Bildungsforscher sehen das als Chance.

Der Mangel an Grundschullehrerinnen und -lehrern ist einer SchĂ€tzung von Bildungsexperten zufolge schon ab dem kommenden Schuljahr vielerorts ĂŒberwunden.

Weil zuletzt wieder weniger Kinder geboren wurden als bis 2021, geht eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung von einem zunehmenden Überschuss an Lehrerinnen und Lehrern im Primarbereich in den kommenden Jahren aus. Bis 2035 stehen demnach zusammengenommen sogar rund 45.800 fertig ausgebildete LehrkrĂ€fte im Primarbereich mehr zur VerfĂŒgung als gebraucht werden, um den Unterricht abzudecken.

Droht Arbeitslosigkeit fĂŒr PĂ€dagogen?

Ein rechnerisches Überangebot an Absolventen bedeute jedoch nicht notwendigerweise Arbeitslosigkeit fĂŒr die PĂ€dagogen, betonen die Studienautoren Klaus Klemm und Dirk Zorn. Vielmehr bekomme die Politik den Spielraum fĂŒr QualitĂ€tsverbesserungen, der heute fehle.

So könnten die LehrkrĂ€fte fĂŒr den Ausbau der Ganztagsangebote genutzt werden oder um mehr Personal an Schulen in sozial schwierigen Lagen einzustellen, empfehlen die Experten. Außerdem schlagen sie vor, Grundschullehrer auch fĂŒr den Einsatz in den fĂŒnften und sechsten Klassen weiterzubilden.

Mit ihrer SchĂ€tzung weicht die Bertelsmann-Stiftung deutlich von der Ende 2023 vorgelegten Prognose der Kulturministerkonferenz (KMK) ab, die fĂŒr das Jahr 2035 einen Überschuss von nur 6300 Absolventen im Primarbereich ermittelt hatte. Hintergrund sei vor allem eine Trendwende bei der demografischen Entwicklung, die sich in den KMK-Berechnungen noch nicht niederschlage:

So sei der RĂŒckgang der Geburten 2022 und 2023 um mehr als 100.000 deutlicher ausgefallen als in den statistischen Angaben der LĂ€nder vorausberechnet. Auch fĂŒr die Folgejahre schreiben die Studienautoren der Bertelsmann-Stiftung die nach unten korrigierten SchĂŒlerzahlen entsprechend fort.

LehrkrÀftemangel teils dennoch nicht ausgeschlossen

GrundsĂ€tzlich unterliegen Prognosen wie diese einer Reihe von UnschĂ€rfen. So sind nach Angaben des Bildungsexperten Zorn erwartbare Wanderungsbewegungen einbezogen, nicht jedoch «exogene Schocks, die große Fluchtbewegungen auslösen, wie ein neuer Krieg und Katastrophen». «Ein Grund mehr, zusĂ€tzliches Personal fĂŒr ein resilientes Schulsystem zu nutzen», sagte Zorn.

Außerdem beziehe sich die Betrachtung auf ganz Deutschland, so dass es fĂŒr passgenaue Planung nach BundeslĂ€ndern und Regionen differenziertere Berechnungen brauche: «Eine Überversorgung in der Großstadt schließt nicht aus, dass im lĂ€ndlichen Raum hĂ€nderingend nach Grundschullehrerinnen oder -lehrern gesucht wird», so Zorn.

Auch bleibe die Lage in anderen Schulformen und bestimmten FĂ€chern angespannt. Vor allem in den nicht-gymnasialen weiterfĂŒhrenden Schulen sowie den MINT-FĂ€chern herrsche noch auf absehbare Zeit ein großer Mangel an LehrkrĂ€ften.

@ dpa.de