Grüne: Brantner und Banaszak kandidieren erneut für Parteispitze
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 16:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Franziska Brantner und Felix Banaszak wollen die Grünen auch künftig gemeinsam führen und auf dem Parteitag Anfang Dezember für eine zweite Amtszeit kandidieren.
Gemeinsame Bewerbung für zweite Amtszeit
Beide Parteivorsitzenden teilten ihre Entscheidung getrennt voneinander, aber zeitgleich mit. Banaszak erklärte in einer Nachricht an die Parteibasis, er trete erneut an, um die Partei gemeinsam für die nächste Bundestagswahl aufzustellen.
Brantner schrieb, sie bewerbe sich erneut gemeinsam mit Banaszak um den Co-Vorsitz. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über die geplanten Kandidaturen berichtet.
Banaszak warnt vor AfD-Erfolg
Der 36-jährige Banaszak verwies in seiner Bewerbung auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Es reiche nicht mehr, die Demokratie zu verteidigen; sie müsse ihr Versprechen erneuern. Dafür müssten demokratische Kräfte besonders auf dem Land Räume zurückgewinnen, die sie anderen überlassen hätten.
Brantner wirbt für konkreten Klimaschutz
Die 47-jährige Brantner nannte als Ziel, die Grünen sollten die Partei werden, der die Menschen zutrauten, das Land voranzubringen. Der Staat müsse Türen öffnen, zugleich solle Klimaschutz zu einem Wohlstandsversprechen werden, das sich bei der Stromrechnung, im Bus oder am sicheren Arbeitsplatz bemerkbar mache.
Grüne mit Erfolgen im Südwesten
Brantner und Banaszak führen die Grünen seit November 2024. In diesem Jahr gewann die Partei die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU; Cem Özdemir wurde Ministerpräsident.
In Sachsen-Anhalt steigerten sich die Grünen von 5,9 auf 8,9 Prozent. Im jüngsten ZDF-Politbarometer kommen sie bundesweit auf 14 Prozent.
Rückenwind durch Wahlerfolge
Die erneute Kandidatur fällt in eine Phase, in der die Grünen im Südwesten und in Sachsen-Anhalt deutlich besser abgeschnitten haben als bei früheren Wahlen. Besonders das Ergebnis in Baden-Württemberg mit 30,2 Prozent und der Amtsantritt von Cem Özdemir als Ministerpräsident stärken den Anspruch der Partei, wieder stärker in der politischen Mitte um Regierungsverantwortung zu werben.
Gleichzeitig bleibt die bundespolitische Lage anspruchsvoll. Im ZDF-Politbarometer kommen die Grünen auf 14 Prozent und liegen damit deutlich hinter der AfD. Das zeigt: Regionale Erfolge haben den bundesweiten Abstand zur politischen Spitze noch nicht beseitigt. Für Brantner und Banaszak wird entscheidend sein, aus den Wahlergebnissen ein überregional tragfähiges Angebot zu entwickeln.
Demokratie und Alltag als zentrale Themen
Banaszak setzt mit dem Hinweis auf den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt auf die demokratische Auseinandersetzung, besonders außerhalb der großen Städte. Brantner verbindet Klimaschutz mit konkreten Entlastungen bei Stromkosten, Mobilität und Arbeit. Damit reagieren beide auf die zentrale Herausforderung der Grünen: Klimapolitik soll nicht nur als langfristiges Ziel, sondern als unmittelbarer Vorteil im Alltag wahrgenommen werden.
Der Parteitag Anfang Dezember wird deshalb mehr als eine Personalentscheidung. Die Delegierten bestätigen dort voraussichtlich nicht nur das Führungsduo, sondern müssen zugleich klären, wie die Partei bis zur nächsten Bundestagswahl gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen will. Dabei stehen Regierungsfähigkeit, der Umgang mit der AfD und die soziale Ausgestaltung des Klimaschutzes eng miteinander in Verbindung.
