Grüne Jugend streitet in Leipzig mit Banaszak über CDU-Kurs
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 15:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGrüne Jugend setzt Zeichen in Leipzig
- Henriette Held und Luis Bobga führen die Grüne Jugend weiter als Bundessprecher.
- Held erhielt 86,29 Prozent, Bobga 73,20 Prozent der abgegebenen Stimmen.
- Die Mitgliedschaft ist künftig bis zum Alter von 30 Jahren möglich.
Grüne Jugend diskutiert in Leipzig über CDU-Kurs
Beim Bundeskongress der Grünen Jugend in Leipzig prallen unterschiedliche Vorstellungen über den Umgang mit der CDU aufeinander. Während viele Delegierte schwarz-grüne Bündnisse ablehnen, wirbt Grünen-Chef Felix Banaszak für Offenheit gegenüber der Union.
Jugendverband grenzt sich scharf ab
Die wiedergewählten Vorsitzenden Henriette Held und Luis Bobga griffen Bundeskanzler Friedrich Merz und die Politik der schwarz-roten Bundesregierung scharf an. Held bezeichnete Merz als „fucking Bundeskanzler“, Bobga nannte die Politik unsozial und warnte vor ihren Folgen.
Mehrere Teilnehmer lehnten eine Zusammenarbeit mit der CDU grundsätzlich ab. Constantin Heinold warnte vor einer menschenfeindlichen Politik mit der Union; Christian Geiger sagte, linke Politik bedeute nicht, sich an die CDU „ranzuwanzen“.
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Banaszak will Spielraum für die Grünen erhalten
Banaszak sagte, es sei keine kluge Option, jede Zusammenarbeit mit der CDU auszuschließen. Er habe kein Bedürfnis nach engerem Kontakt zu Friedrich Merz und habe ihn nie gewählt und werde dies auch künftig nicht tun.
Gleichzeitig verwies der Grünen-Chef auf einen Richtungsstreit in der Union. Kräfte wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther wollten die Abgrenzung zur AfD aufrechterhalten. Eine pauschale Absage von Grünen und SPD könne diesen Kräften nach seiner Einschätzung den politischen Rückhalt innerhalb der Union erschweren.
Berlin soll als Testlauf dienen
Die geplante rot-grün-rote Koalition in Berlin müsse nach Banaszaks Worten klare Absprachen treffen. Er warnte, das Projekt werde nicht fünf Jahre stabil bleiben, wenn Teile der Koalition regelmäßig Personen einlüden, die zur Intifada aufriefen.
Banaszak sieht das Berliner Bündnis auch im Zusammenhang mit einer möglichen Zusammenarbeit von Grünen, SPD und Linken im Bund nach der nächsten Bundestagswahl. Es dürfe deshalb nicht unter falschen Voraussetzungen starten und später scheitern.
Wiederwahl mit niedrigeren Ergebnissen
Held erhielt 86,29 Prozent der abgegebenen Stimmen, Bobga 73,20 Prozent. Für beide waren das schlechtere Ergebnisse als bei ihrer Wahl vor einem Jahr; beide Vorsitzenden sind 24 Jahre alt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschlossen außerdem, die Altersgrenze für eine Mitgliedschaft in der Grünen Jugend von 28 auf 30 Jahre anzuheben. Der Jugendverband vertritt innerhalb der Grünen besonders linke Positionen.
Der Streit beim Bundeskongress zeigt einen grundsätzlichen Konflikt innerhalb der Grünen: Die Grüne Jugend drängt auf klare Abgrenzung von der Union, während die Parteiführung politische Optionen breiter halten will. Dabei geht es nicht um eine unmittelbar anstehende Regierungsbildung im Bund, sondern um die strategische Positionierung für künftige Mehrheiten.
Felix Banaszak verbindet seine Offenheit zur CDU mit dem Ziel, Kräfte innerhalb der Union zu stärken, die eine Abgrenzung zur AfD beibehalten wollen. Seine Argumentation folgt damit einer machtpolitischen Logik: Wer jede Zusammenarbeit grundsätzlich ausschließt, könnte nach seiner Einschätzung moderaten Unionspositionen den politischen Spielraum nehmen.
Berlin als politischer Praxistest
Besonders konkret wird der Konflikt in Berlin. Dort planen Grüne, SPD und Linke eine gemeinsame Landesregierung. Banaszak verlangt dafür belastbare Absprachen, unter anderem beim Umgang mit antisemitischen Positionen und Aufrufen zur Intifada. Das Bündnis wird damit auch daran gemessen werden, ob es gemeinsame Linien bei außenpolitisch und innenpolitisch umstrittenen Themen durchsetzen kann.
Für die Grünen hat die Debatte zudem eine organisatorische Dimension. Die Wiederwahl von Henriette Held und Luis Bobga trotz niedrigerer Ergebnisse als im Vorjahr bestätigt ihre Stellung, macht aber zugleich sichtbar, dass der linke Jugendverband nicht automatisch der Linie der Parteiführung folgt. Die Anhebung der Altersgrenze auf 30 Jahre erweitert den Kreis der Mitglieder und kann die politische Bedeutung des Verbands innerhalb der Partei weiter erhöhen.
