Grüne öffnen sich für Gespräche mit der Linken im Bund
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 07:23 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBritta Haßelmann, Co-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, zeigt sich offen für Gespräche mit der Linkspartei nach der nächsten Bundestagswahl. Zugleich betont sie die tiefen politischen Differenzen zwischen beiden Parteien und warnt vor Neuwahlen, einer Minderheitsregierung sowie einem Kanzlertausch in der laufenden schwarz-roten Koalition.
Gespräche mit allen demokratischen Kräften
„Wenn irgendwann der Tag kommt, an dem im Bund wieder gewählt wird, werden wir als starke eigenständige Kraft mit allen demokratischen Kräften reden“, sagte Haßelmann dem „Tagesspiegel“. Auf die Nachfrage, ob damit auch die Linkspartei gemeint sei, antwortete sie mit „Ja.“
Gleichzeitig verwies die Grünen-Politikerin auf zahlreiche Differenzen. Besonders deutlich seien diese in der Außenpolitik. Sie frage sich, warum die Linke nicht in der Lage sei, ihre außenpolitischen Positionen an die Sicherheitslage anzupassen.
Debatte über Grün-Rot-Rot
Zuletzt hatte auch Katharina Dröge, Co-Vorsitzende der Grünen-Fraktion, über mögliche Koalitionen nach der nächsten Bundestagswahl gesprochen. Sie hatte erklärt, Grün-Rot-Rot könne sich bei vielen sozialen Fragen und hoffentlich auch beim Klimaschutz einig sein und gemeinsam viel erreichen.
Warnung vor vorgezogenen Neuwahlen
Haßelmann appellierte zugleich an die Mitglieder der schwarz-roten Regierungskoalition, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Gedankenspiele über Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung seien „hochgradig fahrlässig“, sagte sie.
Auch von Überlegungen zu einem Kanzlertausch riet sie dringend ab. Die Koalitionspartner müssten über ihre Schatten springen, alte Gewissheiten hinterfragen und gemeinsam eine Vision für die nächste Zeit entwickeln.
Die Äußerungen von Britta Haßelmann markieren eine Öffnung der Grünen für Gespräche mit der Linkspartei auf Bundesebene, ohne bereits eine Koalitionsentscheidung vorwegzunehmen. Voraussetzung für einen möglichen politischen Schulterschluss wäre, die erheblichen Differenzen zwischen beiden Parteien in zentralen Politikfeldern zu überbrücken.
Besonders schwer wiegt die Außen- und Sicherheitspolitik. Haßelmann verbindet ihre Gesprächsbereitschaft ausdrücklich mit Kritik an den Positionen der Linken und macht damit deutlich, dass ein rechnerisches Bündnis allein keine tragfähige Grundlage bilden würde. Auch bei Wirtschafts-, Europa- und Gesellschaftspolitik könnten sich in konkreten Verhandlungen weitere Konfliktlinien ergeben.
Bundespolitischer Kontext
Die Debatte fällt in eine Phase, in der zugleich die Stabilität der schwarz-roten Bundesregierung diskutiert wird. Haßelmanns Warnung vor Neuwahlen, einer Minderheitsregierung und einem Kanzlertausch richtet sich deshalb nicht nur auf die nächste Wahl, sondern auch auf die Handlungsfähigkeit der amtierenden Koalition. Für die Grünen bedeutet die Positionierung, mehrere Bündnisoptionen offen zu halten und zugleich eigene inhaltliche Bedingungen zu betonen.
Eine mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei wäre zudem von den Mehrheitsverhältnissen nach der nächsten Bundestagswahl abhängig. Gespräche könnten zunächst der politischen Klärung dienen; über eine tatsächliche Koalition würden erst Wahlergebnis, Programmatik und Verhandlungen entscheiden.

