Brantner fordert nach neuer Pisa-Studie bundesweite Bildungsreform
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der neuen Pisa-Studie stellt GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner das Bildungssystem infrage und fordert eine grundlegende bundesweite Bildungsreform. Sie verlangt, dass Bund und LĂ€nder enger zusammenarbeiten, um Bildungschancen unabhĂ€ngig vom Wohnort und der einzelnen Schule zu gewĂ€hrleisten.
Brantner kritisiert föderales "Klein-Klein"
Brantner sagte der "Rheinischen Post": "Wir mĂŒssen endlich raus aus dem föderalen Klein-Klein." Die LĂ€nder blieben zwar fĂŒr Bildung verantwortlich, doch sie und der Bund mĂŒssten aus ihrer Sicht viel stĂ€rker zusammenarbeiten, voneinander lernen und erfolgreiche Konzepte verbindlich ĂŒbernehmen. Gute Bildung dĂŒrfe nicht davon abhĂ€ngen, in welchem Bundesland ein Kind geboren werde, an welche Schule es komme oder welche Lehrkraft es zufĂ€lligerweise unterrichte.
Forderung nach bundesweiter Bildungsreform
"Wir brauchen keinen weiteren Bildungsgipfel und keine nĂ€chste Kommission", erklĂ€rte die GrĂŒnen-Vorsitzende weiter. Stattdessen plĂ€diert sie fĂŒr eine grundlegende bundesweite Bildungsreform. Deutschland leiste sich nach ihren Worten seit Jahrzehnten ein bildungspolitisches Desaster, das man lĂ€ngst nicht mehr schönreden könne.
Freiheitsversprechen und Chancen
Ein zentraler Punkt fĂŒr Brantner ist das mit Bildung verknĂŒpfte Freiheitsversprechen. "Ein wichtiger Teil unseres Freiheitsversprechens ist, dass du Chancen bekommst und es sich lohnt, sich anzustrengen", sagte sie. Dieses Versprechen werde mit der neuen Pisa-Studie ihrer Ansicht nach erneut gebrochen. Deshalb mĂŒsse man es durch eine umfassende Reform erneuern.
Die Kritik von GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner knĂŒpft an eine lange Reihe schwacher internationaler Vergleichsstudien fĂŒr das deutsche Bildungssystem an. Schon seit den ersten Pisa-Ergebnissen zu Beginn der 2000er-Jahre wird immer wieder bemĂ€ngelt, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft und vom Wohnort abhĂ€ngt. Der Verweis darauf, dass gute Bildung nicht vom Bundesland oder der einzelnen Lehrkraft abhĂ€ngen dĂŒrfe, greift diese Sorge unmittelbar auf.
Brantner stellt mit ihrer Forderung nach einer "grundlegenden bundesweiten Bildungsreform" das bisherige VerstĂ€ndnis der föderalen ZustĂ€ndigkeiten in der Bildungspolitik zur Diskussion. Dass die LĂ€nder formal verantwortlich bleiben sollen, sie aber zugleich deutlich enger mit dem Bund kooperieren und erfolgreiche Konzepte verbindlich ĂŒbernehmen sollen, zielt auf eine stĂ€rkere Vereinheitlichung von Standards und Strukturen, ohne das Grundgesetz offen infrage zu stellen. Damit bewegt sich die Forderung im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach bundesweit vergleichbaren Chancen und der gewachsenen Tradition starker LĂ€nderkompetenzen in Schulfragen.
Hintergrund der Pisa-Debatte
Die neuerliche Pisa-Studie, auf die sich Brantner bezieht, reiht sich in einen Trend ein, wonach deutsche SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sowohl bei Kompetenzen in KernfĂ€chern als auch bei Chancengerechtigkeit im internationalen Vergleich hinter vielen anderen Industrienationen zurĂŒckliegen. In der öffentlichen Debatte wird dabei hĂ€ufig kritisiert, dass Reformen meist kleinteilig und auf einzelne BundeslĂ€nder beschrĂ€nkt bleiben, statt bundesweit abgestimmte VerĂ€nderungen anzustoĂen. Brantners Hinweis auf ein seit Jahrzehnten bestehendes "bildungspolitisches Desaster" nimmt diese Kritik auf und verdichtet sie politisch.
Bedeutung und mögliche Folgen
FĂŒr Eltern, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sowie LehrkrĂ€fte ist die Forderung nach einer grundlegenden Reform vor allem mit der Hoffnung verbunden, dass der Bildungserfolg weniger vom Zufall des Wohnorts und der individuellen Schulbiografie abhĂ€ngen könnte. Konkrete Schritte wĂ€ren etwa bundesweit enger abgestimmte LehrplĂ€ne, gemeinsame QualitĂ€tsstandards und bessere Vergleichbarkeit von AbschlĂŒssen. Gleichzeitig dĂŒrfte die Diskussion ĂŒber eine stĂ€rkere Rolle des Bundes in der Bildungspolitik erneut die Frage nach VerfassungsĂ€nderungen oder neuen Kooperationsmodellen aufwerfen. Ob und wie sich diese Forderungen politisch durchsetzen, hĂ€ngt maĂgeblich von der Bereitschaft der LĂ€nder ab, Teile ihrer GestaltungsspielrĂ€ume gemeinsam zu koordinieren.
