Grundsicherung: Bund muss 250 Millionen Euro nachzahlen
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 20:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGrundsicherung belastet Bundeshaushalt
- Das Arbeits- und Sozialministerium beantragte 250 Millionen Euro als ĂŒberplanmĂ€Ăige Ausgabe.
- FĂŒr RegelsĂ€tze waren 2026 gut 28 Milliarden Euro eingeplant.
- 2024 musste der Bund bereits 3,2 Milliarden Euro fĂŒr die Grundsicherung nachschieĂen.
Bund finanziert 250 Millionen Euro Mehrbedarf
Der Bund muss im laufenden Jahr 250 Millionen Euro zusĂ€tzlich fĂŒr die Grundsicherung ausgeben. Das Arbeits- und Sozialministerium hat die ĂŒberplanmĂ€Ăige Ausgabe beantragt, wie aus einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss hervorgeht.
Mehrbedarf bei RegelsÀtzen
FĂŒr 2026 waren im Bundeshaushalt gut 28 Milliarden Euro fĂŒr die monatlichen RegelsĂ€tze eingeplant. Weitere 13 Milliarden Euro sahen die Planungen fĂŒr die Beteiligung des Bundes an den Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung vor.
Hinzu kommen gut 5 Milliarden Euro Verwaltungskosten sowie knapp 5 Milliarden Euro fĂŒr die Eingliederung in Arbeit. Bei den RegelsĂ€tzen fallen die Ausgaben höher aus als veranschlagt, wĂ€hrend die Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung niedriger liegen als geplant.
KrankenkassenbeitrÀge erhöhen Bundesausgaben
Als Grund fĂŒr die Zusatzkosten nennt der parlamentarische StaatssekretĂ€r Dennis Rohde (SPD) unter anderem die höheren ZusatzbeitrĂ€ge der gesetzlichen Krankenkassen. Eine entsprechende Nachzahlung des Bundes sei deutlich höher ausgefallen als in den Vorjahren.
AuĂerdem verweist das Finanzministerium auf ausgabensteigernde Rahmenbedingungen bei der Bundesbeteiligung an den Wohn- und Heizkosten. Weil Grundsicherung bei erfĂŒllten Voraussetzungen ein Rechtsanspruch ist, muss der Bund die daraus entstehenden Zahlungen finanzieren.
Reform gerÀt politisch unter Druck
Im Sommer trat die Reform in Kraft, mit der das BĂŒrgergeld zur Grundsicherung umgebaut wurde. Die Union hatte ursprĂŒnglich Einsparungen in Milliardenhöhe angekĂŒndigt.
Das Arbeitsministerium verwies zuletzt darauf, dass seit dem Sommer monatlich rund 100 Millionen Euro gegenĂŒber dem jeweiligen Vorjahresmonat eingespart wĂŒrden. Der GrĂŒnen-Abgeordnete Timon Dzienus kritisierte dagegen, die Reform verursache schon im ersten Jahr zusĂ€tzliche Kosten von 250 Millionen Euro, und wandte sich gegen Sanktionen statt Qualifizierung.
FrĂŒhere NachschĂŒsse waren höher
Die nun beantragte Summe liegt unter frĂŒheren ĂŒberplanmĂ€Ăigen Ausgaben. Im Jahr 2024 musste der Bund 3,2 Milliarden Euro fĂŒr die Grundsicherung beziehungsweise das damalige BĂŒrgergeld nachschieĂen.
Die zusĂ€tzlichen 250 Millionen Euro erhöhen den Bundesbedarf bei der Grundsicherung, verĂ€ndern aber nicht die GröĂenordnung des gesamten Leistungssystems. FĂŒr 2026 waren laut Meldung rund 28 Milliarden Euro fĂŒr RegelsĂ€tze, 13 Milliarden Euro fĂŒr Unterkunft und Heizung, gut 5 Milliarden Euro fĂŒr Verwaltung und knapp 5 Milliarden Euro fĂŒr Eingliederung in Arbeit vorgesehen.
Die Mehrbelastung entsteht nicht allein durch eine höhere Zahl von Leistungsberechtigten. Entscheidend sind auch die ZusatzbeitrĂ€ge der gesetzlichen Krankenkassen, deren Nachzahlung an den Bund höher ausfiel als in den Vorjahren. Gleichzeitig entwickeln sich die Ausgaben fĂŒr Unterkunft und Heizung anders als geplant, sodass dortige Minderausgaben die höheren Regelsatzkosten teilweise ausgleichen.
Rechtsanspruch begrenzt Einsparungen
Der Fall zeigt die Grenzen politischer Einsparversprechen: Grundsicherungsleistungen sind bei erfĂŒllten Voraussetzungen gesetzlich geschuldet. Der Bund kann die Ausgaben daher nicht kurzfristig durch einen Haushaltsbeschluss streichen, sondern muss Mehrbedarfe finanzieren.
Die Reform vom Sommer soll das BĂŒrgergeld in eine neue Grundsicherung ĂŒberfĂŒhren. Das Arbeitsministerium hatte zuletzt monatliche Einsparungen von rund 100 Millionen Euro gegenĂŒber dem jeweiligen Vorjahresmonat genannt. Die nun bekannt gewordene Nachfinanzierung betrifft allerdings das Gesamtbudget und steht deshalb fĂŒr sich genommen nicht automatisch im Widerspruch zu möglichen Einsparungen einzelner ReformmaĂnahmen.
Politischer Streit ĂŒber die Reform
Die Opposition nutzt die Zusatzkosten als Argument gegen den Reformkurs der Union. Im Zentrum stehen dabei Sanktionen und die Frage, ob dauerhafte Einsparungen eher durch strengere Regeln oder durch Qualifizierung und Vermittlung in BeschĂ€ftigung erreicht werden. Die Entwicklung der Gesamtausgaben bleibt deshalb auch fĂŒr die Haushaltsberatungen der kommenden Jahre relevant.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âBund muss Arbeitsagenturen Milliarden zuschiebenâ (05.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die zusĂ€tzlichen 250 Millionen Euro fĂŒr die Grundsicherung und hebt als Grund vor allem höhere KrankenkassenzusatzbeitrĂ€ge hervor. Sein Schwerpunkt liegt auf der breiteren finanziellen Belastung der Arbeitsagentur und des Bundes.
Deutschlandfunk: âGrundsicherung statt BĂŒrgergeld - So lĂ€uft es im Jobcenter Darmstadtâ (04.11.2026)
Der Bericht ordnet den laufenden Umbau des BĂŒrgergelds zur Grundsicherung anhand der Arbeit eines Jobcenters ein. Damit ergĂ€nzt er die Haushaltsdimension um die praktische Umsetzung der Reform; die konkrete Nachfinanzierung von 250 Millionen Euro steht dort nicht im Mittelpunkt.
Beide BeitrÀge verbinden die Reform mit der finanziellen beziehungsweise praktischen Arbeit der Jobcenter. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei der Haushaltsbelastung und der Umsetzung vor Ort; offen bleibt, wie sich die Gesamtausgaben nach vollstÀndiger Anwendung der neuen Regeln entwickeln.
