Hamas-Mitglieder, Untersuchungshaft

Drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder in Untersuchungshaft

15.12.2023 - 15:28:49

Haben mutmaßliche Hamas-Mitglieder AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa geplant? Die Bundesanwaltschaft hĂ€lt dies fĂŒr möglich. Drei VerdĂ€chtige sind bereits in U-Haft.

Nach den Festnahmen mutmaßlicher Hamas-Mitglieder in Berlin und den Niederlanden sind drei VerdĂ€chtige in Untersuchungshaft. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft ihnen vor, nach Waffen gesucht zu haben, die fĂŒr mögliche AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten werden sollten.

Am Donnerstag waren insgesamt vier mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Hamas in Berlin und im niederlĂ€ndischen Rotterdam festgenommen worden. Die drei VerdĂ€chtigen aus Berlin - der Ägypter Mohamed B. sowie die im Libanon geborenen Abdelhamid Al A. und Ibrahim El-R. - waren dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe vorgefĂŒhrt worden. Er setzte die Haftbefehle in Vollzug.

Der vierte Mann, der NiederlĂ€nder Nazih R., kommt erst spĂ€ter im Rahmen eines Auslieferungsverfahrens nach Deutschland. Er wurde laut Staatsanwaltschaft Amsterdam dem Haftrichter vorgefĂŒhrt und bleibt hinter Gittern, bis seine Auslieferung nach Deutschland verhandelt wird. Allen vier Beschuldigten wird die Mitgliedschaft in einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen eng an FĂŒhrungskrĂ€fte des militĂ€rischen FlĂŒgels der islamistischen Hamas angebunden gewesen sein.

Erste Hinweise bereits vergangenen Sommer

Die AktivitĂ€ten der MĂ€nner stehen nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht in direktem Zusammenhang mit dem Überfall der Hamas in Israel am 7. Oktober. Vielmehr soll der erste Hinweis auf die vier MĂ€nner bereits aus dem vergangenen Sommer stammen.

Konkrete Anschlagsziele gab es - nach bisherigem Kenntnisstand der Behörden - nicht. Im Oktober hĂ€tten sich die drei in Berlin wohnhaften MĂ€nner mehrfach von Berlin aus auf die Suche nach den Waffen gemacht. Dabei seien sie von dem in Rotterdam festgenommenen Mann unterstĂŒtzt worden. Die Sicherheitsbehörden hatten die VerdĂ€chtigen nach dpa-Informationen schon auf dem Radar, bevor der Hinweis auf ihre Suche nach Waffen aus dem Ausland kam.

Weitere Festnahmen in DĂ€nemark

Nahezu zeitgleich - ebenfalls am Donnerstag - waren in DĂ€nemark drei TerrorverdĂ€chtige festgenommen worden. Zwei kamen nach einem HaftprĂŒfungstermin in Gewahrsam, eine Person zunĂ€chst auf freien Fuß. FĂŒr vier weitere - noch nicht festgenommene - Personen wurde Untersuchungshaft in Abwesenheit angeordnet. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, einen Terrorangriff vorbereitet zu haben. Einzelheiten zu den vermuteten TerrorplĂ€nen wurden bisher nicht genannt.

Bei den drei in DĂ€nemark Festgenommenen handelte es sich ĂŒbereinstimmenden Medienberichten zufolge um zwei MĂ€nner und eine 19-jĂ€hrige Frau. Auf freien Fuß kam demnach einer der beiden MĂ€nner, ein 29-JĂ€hriger.

Kein Zusammenhang zwischen den Festnahmen

Der dĂ€nische Geheimdienst teilte der Nachrichtenagentur Ritzau mit, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen den Festnahmen in Deutschland und denjenigen in DĂ€nemark gebe. Von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hieß es dazu: «Wir Ă€ußern uns nicht zu Ermittlungen in DĂ€nemark.»

AnschlĂ€ge außerhalb von Israel und den PalĂ€stinensergebieten zu verĂŒben, wĂ€re ein Strategiewechsel der Hamas. Dieser könnte seinen Ursprung womöglich in dem gewachsenen iranischen Einfluss auf den militĂ€rischen Arm der Hamas haben.

Bislang war Deutschland fĂŒr die im Bundesgebiet ansĂ€ssigen rund 450 Hamas-Mitglieder nach EinschĂ€tzung des Verfassungsschutzes ein RĂŒckzugsort, an dem höchstens versucht wurde, Propaganda zu betreiben und Spenden zu sammeln. Um auch dies zu unterbinden, waren in den Jahren 2002 und 2005 zwei der Hamas nahestehende Vereine verboten worden. Anfang November hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein BetĂ€tigungsverbot fĂŒr die Hamas erlassen, was zum Beispiel polizeiliche Maßnahmen bei Kundgebungen erleichtern soll.

@ dpa.de