Innenminister, Strafen

Innenminister fordern hÀrtere Strafen nach Angriffen

08.05.2024 - 03:26:45

Hass und Hetze nehmen im Wahljahr zu. Die Innenminister von Bund und LÀnder wollen gegensteuern und legen VorschlÀge vor.

Zum besseren Schutz von Politikern und ehrenamtlichen WahlkĂ€mpfern gegen Angriffe setzen die Innenminister von Bund und LĂ€ndern neben der Polizei auf die PrĂŒfung eines schĂ€rferen Strafrechts. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und die Innenministerkonferenz der LĂ€nder forderten bei einer Videokonferenz ein Ende von Gewalt und Hetze.

Die Schalte war nach einem brutalen Angriff auf den SPD-Politiker Matthias Ecke in Dresden anberaumt worden. Faeser bezeichnete den Übergriff auf Ecke in den ARD-«Tagesthemen» als ZĂ€sur. «Wir haben heute entschieden in der Innenministerkonferenz, dass es StrafverschĂ€rfungen geben soll», sagte die SPD-Politikerin. Sie werde sich dafĂŒr bei Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) einsetzen.

Zugleich sagte Faeser, dass die VerschĂ€rfung des Strafrechts nur eine Maßnahme sei. Es brauche unter anderem schnellere Verfahren der Justiz, um TĂ€tern schnell Grenzen aufzuzeigen. Wichtig sei auch, dass alle Straftaten angezeigt und konsequent verfolgt wĂŒrden. Sie verwies auf die nĂ€chste Sitzung der Innenministerkonferenz, bei der das Thema noch einmal vertieft werden mĂŒsse.

Übergriffe hĂ€ufen sich

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU), sagte, die erneuten Übergriffe stĂŒnden fĂŒr eine Entwicklung, in der Menschen mit Gewalt, Hass und Hetze politische Ziele durchsetzen wollten. «LĂŒge, Gewalt und Bedrohung drohen immer stĂ€rker Teil des politischen Diskurses zu werden. Das gefĂ€hrdet unsere Demokratie.»

Die Ressortchefs unterstĂŒtzten nach seinen Angaben zwei Bundesratsinitiativen aus Bayern und Sachsen. Die sĂ€chsische Initiative, die das Landeskabinett gestern beschloss, sieht eine StrafverschĂ€rfung bei Angriffen auf Politiker und Wahlhelfer vor.

Damit sollen EntscheidungstrĂ€ger gerade auf kommunaler Ebene vor Übergriffen auf ihr Privatleben geschĂŒtzt werden. Die Innenminister fordern zudem das Bundesinnenministerium auf, sich fĂŒr eine zĂŒgige Behandlung einer Initiative Bayerns zum strafrechtlichen Schutz gemeinnĂŒtziger TĂ€tigkeit einzusetzen. Damit sollen Übergriffe auf politisch engagierte Menschen stĂ€rker bestraft werden.

Im Beschluss fordern die Ministerinnen und Minister die Justizministerkonferenz zur PrĂŒfung auf, ob «die bewusste Verbreitung von Desinformation mit dem Ziel der Wahlbeeinflussung oder Gewalteskalation strafwĂŒrdiges Unrecht darstellen».

Auslöser war Attacke auf SPD-Kandidaten in Dresden

Die Ressortchefs verurteilten «jegliche Angriffe auf politisch engagierte Menschen, die sich fĂŒr eine gelebte Demokratie in Deutschland einsetzen und dafĂŒr höchste Anerkennung, Respekt und Schutz verdienen, auf das SchĂ€rfste», wie es im Beschluss heißt. Matthias Ecke, der SPD-Spitzenkandidat fĂŒr die Europawahl in Sachsen, war am Freitag von vier jungen MĂ€nnern im Alter von 17 und 18 Jahren zusammengeschlagen worden, als er Wahlplakate anbringen wollte.

Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen rechnet zumindest einen der Angreifer dem rechten Spektrum zu. Kurz vor der PrĂŒgel-Attacke auf Ecke hatte laut Polizei mutmaßlich dieselbe Gruppe in der NĂ€he einen GrĂŒnen-Wahlkampfhelfer verletzt.

GrĂŒnen-Politikerin in Dresden attackiert

Gestern meldete die Polizei einen weiteren Übergriff in Dresden: Zwei Personen attackierten eine GrĂŒnen-Politikerin, als diese Wahlplakate aufhing. Polizisten stellten kurz darauf eine 24-JĂ€hrige und einen 34-JĂ€hrigen als TatverdĂ€chtige, wie die Polizeidirektion Dresden am Dienstagabend mitteilte. Wer die Angegriffene ist, wollte ein Sprecher zunĂ€chst nicht sagen.

Der Mann habe die Politikerin beiseite gestoßen, sie beleidigt und bedroht, die Frau habe sie Politikerin angespuckt. Weil die beiden zuvor bei einer Gruppe gestanden haben sollen, aus der heraus der Hitlergruß gezeigt worden sein soll, werde außerdem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen sie ermittelt. Beide VerdĂ€chtige blieben auf freiem Fuß, wie der Polizeisprecher sagte.

Innenminister Schuster: «Da wird Angst verbreitet»

Sachsens Innenminister Armin Schuster sagte im ZDF-«Heute Journal», es gebe immer hÀufiger Bedrohungen gegen kommunale Amts- und MandatstrÀger. «Da wird Angst verbreitet und da wird auf diese Menschen Einfluss genommen.» Wenn bei dieser Verrohung nicht eingegriffen werde, könnten Angriffe wie in Dresden die Folge sein.

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach von einem starken und geschlossenen Signal gegen eine Verrohung, Hass und Hetze. «Ich halte es daher fĂŒr konsequent, Angriffe, die sich auch gegen unsere demokratischen Grundwerte richten, schĂ€rfer zu ahnden und die den Taten zugrunde liegende verwerfliche Gesinnung in das Strafmaß einzubeziehen», sagte Poseck.

Statistik zeigt mehr Straftaten gegen Abgeordnete

Im Jahr 2023 gab es laut Faeser 2710 Straftaten gegen MandatstrĂ€ger, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie betonte: «Auch Angriffe gegen AfD-Politiker sind nicht hinnehmbar.» Sie sprach von einer «Eskalation antidemokratischer Gewalt». Die Spirale von Hass und Gewalt mĂŒsse gestoppt werden.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) rief BĂŒrgerinnen und BĂŒrger auf, der Polizei Hinweise zu geben, auch auf die Zerstörung von Wahlplakaten. Die VerschĂ€rfung von Gesetzen habe zwar nicht den Schwerpunkt der Beratungen gebildet, es könne aber sein, «dass wir auch das gesetzliche Schutzniveau noch einmal betrachten».

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ermunterte Betroffene, sich frĂŒhzeitig an die Polizei zu wenden. Er sagte, niemand mĂŒsse sich Beleidigungen und Bedrohungen gefallen lassen. Laut Herrmann haben die Ressortchefs vereinbart, bei der Innenministerkonferenz im Juni darĂŒber zu sprechen, ob es zusĂ€tzlicher Anstrengungen bedarf, um den Schutz aller Beteiligten rund um die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, ThĂŒringen und Brandenburg im Herbst zu gewĂ€hrleisten.

@ dpa.de