Bayern, Deutschland

«Hab Mut, steht auf»: Katholikentag-Bilanz in fĂŒnf Teilen

17.05.2026 - 13:10:44 | dpa.de

Hat die katholische Kirche der Welt und der Gesellschaft noch etwas zu sagen - oder ist sie mit ihren eigenen Problemen und Reformen ausgelastet? Eine Bilanz des 104. Katholikentags.

  • Irme Stetter-Karp ist die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Irme Stetter-Karp ist die PrÀsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • ReformkrĂ€fte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    ReformkrÀfte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Zum Abschlussgottesdienst schien die Sonne. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Zum Abschlussgottesdienst schien die Sonne. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Das Motto des Katholikentags ist auf einer BĂŒhne zu sehen.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Das Motto des Katholikentags ist auf einer BĂŒhne zu sehen. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Zum Abschluss des Katholikentags gab es noch einen großen Gottesdienst.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Zum Abschluss des Katholikentags gab es noch einen großen Gottesdienst. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Der Gottesdienst wurde auf einer großen BĂŒhne gefeiert. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Der Gottesdienst wurde auf einer großen BĂŒhne gefeiert. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet.  - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet. - Foto: Sven Hoppe/dpa
Irme Stetter-Karp ist die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa ReformkrĂ€fte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Zum Abschlussgottesdienst schien die Sonne. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Das Motto des Katholikentags ist auf einer BĂŒhne zu sehen.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Zum Abschluss des Katholikentags gab es noch einen großen Gottesdienst.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Der Gottesdienst wurde auf einer großen BĂŒhne gefeiert. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet.  - Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Lieder sind verhallt, der Weihrauch hat sich verflĂŒchtigt, prominente GĂ€ste wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier sind lĂ€ngst abgereist. Was bleibt vom 104. Katholikentag in WĂŒrzburg nach fĂŒnf Tagen mit 74.000 GĂ€sten?

Wird die katholische Stimme noch gehört?

Wenn der Papst in Rom seine Stimme erhebt und die US-Kriegspolitik verurteilt, wird das weltweit wahrgenommen. Aber wie sieht es aus, wenn hiesige Kirchenvertreter Sozialabbau brandmarken und den Umgang mit GeflĂŒchteten kritisieren? BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner (CDU) und andere Unionspolitiker haben ihren Standpunkt rund um den Katholikentag deutlich gemacht: weniger Tagespolitik, mehr Spirituelles. 

Womöglich ist aber gerade der aktuelle Konflikt zwischen Papst Leo XIV. und US-PrĂ€sident Donald Trump ein Beispiel dafĂŒr, wie Kirche ihre Stimme erheben kann, ohne ins Kleinklein der Tagespolitik zu verfallen. Der Papst gehe immer wieder auf die Grundposition, also aufs Evangelium, zurĂŒck, sagte die Theologin Marianne Heimbach-Steins.

Der Papst sei «ein unerschrockener Anwalt des Friedens», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer. «Auch dann, wenn die MĂ€chtigen dieser Welt versuchen, ihn lĂ€cherlich zu machen.» Außerdem betonte Wilmer: «Das Evangelium ist Politik pur.»

Zugleich stellt sich die Frage: Wie will die Kirche bei hohen Austrittszahlen relevant bleiben? Vielerorts sind katholische und evangelische Christen inzwischen in der Minderheit. Der MĂŒnchner Kardinal Reinhard Marx sagte dazu: «Die Leute möchten eine klare Position hören. Es spielt keine Rolle, wie viele wir sind.»

Die Reformer brauchen Geduld

Mit einer Menschenkette haben ReformkrĂ€fte VerĂ€nderungen in der katholischen Kirche angemahnt - vor allem forderten sie den Zugang von Frauen zu WeiheĂ€mtern. Die Vorstellung einer katholischen Bischöfin ist fĂŒr reformorientierte GlĂ€ubige das Ziel der TrĂ€ume - fĂŒr konservative KrĂ€fte dagegen vermutlich ein Alptraum. 

Als Katrin Brockmöller, Direktorin des katholischen Bibelwerks, an die biblische Apostelin Junia erinnerte, brandete Applaus auf beim Schlussgottesdienst. 

Fakt ist: Geduld ist schon jetzt gefragt, wenn es «nur» um die deutsche Synodalkonferenz geht, in der Bischöfe und Laien kĂŒnftig gemeinsam beraten und entscheiden wollen. Nicht alle Bischöfe finden diese Idee gut - und noch ist ĂŒberhaupt nicht klar, wie sich Rom positioniert. Bischof Wilmer zeigte sich in WĂŒrzburg zuversichtlich, bittet aber um Geduld. Das Thema «Frauen in Diensten und Ämtern» sei weiter im GesprĂ€ch.

Die Chefin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, warnte schon mal: Ein Stoppschild aus dem Vatikan wÀre katastrophal. 

Wer gehofft hatte, auf dem Katholikentag wĂŒrde sich Kardinal Mario Grech, GeneralsekretĂ€r der Bischofssynode, etwas Konkretes entlocken lassen, wurde enttĂ€uscht. Seine Worte blieben allgemein.

Die große Wunde - der Missbrauchsskandal

Kurz vor dem Treffen hatte Stetter-Karp wachrĂŒtteln wollen: «Ich habe den Eindruck, dass wir nicht nur in der Kirche in eine Phase zunehmender Teilnahmslosigkeit eintreten», kritisierte sie. «In Gesellschaft, Medien und unseren Reihen breitet sich Ungeduld, ja sogar eine Art MĂŒdigkeit aus. Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt sei.» 

Auf dem Katholikentag war das Thema prÀsent - sei es in einer Kunstinstallation, sei es in Diskussionsveranstaltungen. Kritische Worte kamen von Bayerns MinisterprÀsident Markus Söder (CSU), der erklÀrte, die Kirche sei nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals nur schwer in die GÀnge gekommen.

Umgekehrt hatte der WĂŒrzburger Bischof Franz Jung auf einer Podiumsdiskussion betont, er wĂŒnsche sich mehr Engagement des Staates bei der AufklĂ€rung. Das hĂ€tte auch die Kirche entlastet.

Klimaschutz - war da was?

Klimaschutz war vor Jahren ein Trendthema, ein großes Ding. In den öffentlichen Debatten ist Klimaschutz inzwischen in den Hintergrund gerĂŒckt, wird von bestimmten KrĂ€ften sogar abgelehnt. Auf dem Katholikentag ging es aber sehr wohl um Klimapolitik. Kanzler Merz sei hier endlich einmal nach diesem Thema befragt worden, lobte Klimaaktivistin Luisa Neubauer: «Das war ĂŒberfĂ€llig.» 

ZdK-Chefin Stetter-Karp findet, Themen wie Nachhaltigkeit hĂ€tten in der aktuellen Regierung zu wenig Raum. Doch es sei wichtig, darĂŒber zu sprechen. In einem Fernsehinterview versicherte Wilmer: Die Kirche mĂŒsse AnwĂ€ltin der Erde sein. «Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, muss achtsam sein, wenn schĂ€big mit der Umwelt umgegangen wird.»

Extreme KrÀfte - nicht eingeladen, aber doch prÀsent

ReprÀsentanten und MandatstrÀger der AfD waren offiziell nicht eingeladen. PrÀsent war die Partei dann trotzdem. Angesichts nationalistischer Aussagen der AfD, die an die dunkelsten Zeiten der Geschichte erinnerten, könne die Kirche nicht schweigen, sagte Wilmer. 

Bodo Ramelow (Linke), VizeprĂ€sident des Bundestags, bezeichnete die AfD aufgrund ihres Programms fĂŒr die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als sehr kirchenfeindlich. Marc Frings, ZdK-GeneralsekretĂ€r, betonte: «Bei den Landtagswahlen im Herbst geht es um sehr viel.»

Die Sorge vor Spaltungen in der Gesellschaft, vor dem weiteren Erstarken extremistischer KrĂ€fte, war allgegenwĂ€rtig. Stetter-Karp betonte: In einer Zeit, in der Ressentiments salonfĂ€hig wĂŒrden, habe man in WĂŒrzburg gesagt: «Hab Mut! Steh auf! Erhebe deine Stimme gegen diese unheilvollen Entwicklungen.»

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