Castor-Transport soll nach Bayern rollen
01.04.2025 - 15:06:52In der MorgendĂ€mmerung erreichte die «Pacific Grebe» den Hafen Nordenham. An Bord: hoch radioaktive AtomabfĂ€lle in sieben Castor-BehĂ€ltern. Es sind Ăberbleibsel des deutschen Atomzeitalters. SĂ€mtliche Kernkraftwerke hierzulande sind inzwischen abgeschaltet, der Abfall aber ist noch da. Die Castor-BehĂ€lter sind auf dem Weg von GroĂbritannien nach Bayern, wo sie zwischengelagert werden.Â
Lange war der Transport unter strenger Geheimhaltung geplant worden. Vergangenen Mittwoch verlieĂ das Spezialschiff den Hafen in Barrow-in-Furness. Am Dienstag legte es um 06.00 Uhr planmĂ€Ăig in Niedersachsen an, wie ein Sprecher der Gesellschaft fĂŒr Nuklear-Service (GNS) der Deutschen Presse-Agentur sagte. ZwischenfĂ€lle gab es laut Polizei nicht. Das HafengelĂ€nde wurde von schwer bewaffneten EinsatzkrĂ€ften abgesichert.
Am Nachmittag sollte es eine Kundgebung von Atomkraft-Gegnern in Nordenham geben, bereits in den Tagen zuvor fanden in mehreren StĂ€dten Demonstrationen und Mahnwachen statt. Weitere sind einem BĂŒndnis an Anti-Atom-Initiativen zufolge geplant.
Mit dem Zug nach Bayern
Die BehĂ€lter kommen aus der englischen Aufarbeitungsanlage Sellafield und werden in Nordenham vom Schiff auf einen Zug umgeladen, der sie in das Zwischenlager am Standort des stillgelegten Kernkraftwerkes Isar in Niederaichbach (Landkreis Landshut) transportiert. Ein Standort fĂŒr ein kĂŒnftiges AtommĂŒll-Endlager ist noch nicht gefunden.
Details zur Route des Transportes sowie zum Zeitplan werden laut GNS aus SicherheitsgrĂŒnden nicht veröffentlicht.
Noch am Morgen wurde der erste Castor-BehĂ€lter mittels Kran auf einen Waggon umgeladen. Dabei wĂŒrden von SachverstĂ€ndigen Messungen durchgefĂŒhrt, teilte die GNS mit. Es mĂŒsse nachgewiesen werden, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Strahlungsgrenzwerte - fachsprachlich: Grenzwerte der Ortsdosisleistung (ODL) - zuverlĂ€ssig eingehalten werden. Entsprechende Messungen hatte es bereits vor dem Start des Transportes in Sellafield gegeben.
Der Verein Ausgestrahlt kritisierte, die deutschen Zwischenlager böten keinen ausreichenden Schutz fĂŒr hoch radioaktive AbfĂ€lle. Sprecher Helge Bauer sagte, es sei klar, dass der AtommĂŒll nicht in Niederaichbach bleiben könne. «Jeder Castor-Transport birgt enorme Risiken. AtommĂŒll sollte deshalb nur ein einziges Mal transportiert werden, und zwar in ein sogenanntes Endlager.» Das gelte auch fĂŒr deutschen AtommĂŒll aus der Wiederaufarbeitung im Ausland, «zu dessen RĂŒcknahme die Bundesrepublik selbstverstĂ€ndlich verpflichtet ist».
Deutscher AtommĂŒll
Bis zum Jahr 2005 war es gĂ€ngige Praxis, dass ein Teil der in Deutschland verbrauchten Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield sowie La Hague in Frankreich gebracht wurden, wie die GNS erlĂ€uterte. Die Bundesrepublik hat sich völkerrechtlich verpflichtet, die dabei entstandenen AtomabfĂ€lle zurĂŒckzunehmen.Â
Das Zwischenlager befindet sich am Standort des ehemaligen Kernkraftwerkes Isar im Landkreis Landshut. Block I ist 2011 abgeschaltet worden, Block II wurde 2023 vom Netz genommen. Beide Anlagen befinden sich im RĂŒckbau.
Aus Sellafield mĂŒssen noch sieben weitere BehĂ€lter zurĂŒckgenommen werden, die in Brokdorf (Schleswig-Holstein) zwischengelagert werden. Sechs BehĂ€lter aus Sellafield waren bereits 2020 nach Biblis (Hessen) gebracht worden.
Die RĂŒckfĂŒhrung von AtommĂŒll aus La Hague wurde den Angaben nach mit dem Transport von vier Castor-BehĂ€ltern 2024 nach Philippsburg (Baden-WĂŒrttemberg) abgeschlossen. Mehr als 100 BehĂ€lter waren zwischen 1995 und 2011 ins Zwischenlager in Gorleben (Niedersachsen) gebracht worden.





