Hybridauto-Exporte: China akzeptiert Drosselung für EU-Markt
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 16:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die EU und China haben sich nach Angaben von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic auf eine Drosselung chinesischer Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybridautos in die Europäische Union verständigt.
Lieferungen sollen deutlich sinken
Nach den Verhandlungen in Peking könnten die Lieferungen dadurch um mehr als die Hälfte zurückgehen. Sefcovic sagte, China habe erstmals akzeptiert, seine Exporte zu mäßigen, ohne dass zuvor eine Phase von Handelsspannungen durchlaufen worden sei.
Über die kommenden vier Jahre werde sich die Zahl der aus China nach Europa exportierten Hybrid- und Plug-in-Hybridautos um „einige Millionen Fahrzeuge“ reduzieren. China hatte zuvor lediglich von einer Einigung gesprochen und keine Einzelheiten genannt.
EU muss noch endgültig zustimmen
Die Ergebnisse sollen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und anschließend den EU-Mitgliedstaaten vorgelegt werden. Dort steht die finale Entscheidung über die Vereinbarung noch aus.
Sefcovic hatte in Peking seinen chinesischen Amtskollegen Wang Wentao getroffen. Außerdem sprach er mit Vize-Ministerpräsident He Lifeng, der in China für Handelsfragen zuständig ist und Peking unter anderem bei den Zollstreit-Verhandlungen mit den USA vertritt.
Gespräche über seltene Erden
Ein weiteres Thema waren Chinas Exportkontrollen für seltene Erden. China betonte die Notwendigkeit eines intensiveren Austauschs und eines schnelleren Verfahrens zur Erteilung von Ausfuhrlizenzen.
Sefcovic erklärte, die Gespräche mit Wang liefen bereits seit Längerem. Geprüft werde, wie der Prozess für europäische Unternehmen reibungsloser und nutzerfreundlicher gestaltet werden könne.
Rohstoffe für Industrie und Hightech
China zählt zu den wichtigsten Produzenten seltener Erden weltweit. Die Rohstoffe und daraus hergestellten Magnete werden in der Industrie sowie in der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt.
Seltene Erden kommen zwar nicht zwingend selten vor. Die wirtschaftliche Herausforderung liegt jedoch darin, sie in ausreichender Konzentration zu finden und kostengünstig zu fördern. Chinas Exportkontrollen hatten in Europa Sorgen vor Engpässen und Produktionsstillständen ausgelöst.
Handelspolitischer Kurswechsel
Die Verständigung fällt in eine Phase angespannter Wirtschaftsbeziehungen. Die EU wirft China staatliche Unterstützung und Überkapazitäten vor, die europäische Hersteller unter Druck setzen. Zugleich weist die EU ein erhebliches Handelsdefizit mit China auf. Für Brüssel geht es daher nicht nur um einzelne Fahrzeugsegmente, sondern um ausgewogenere Wettbewerbsbedingungen.
Hybride und Plug-in-Hybride waren bislang weniger stark von den EU-Maßnahmen gegen chinesische Elektroautos erfasst. Eine Begrenzung der Lieferungen würde den europäischen Herstellern kurzfristig Zeit verschaffen, ersetzt aber keine langfristige Strategie bei Kosten, Innovation und Lieferketten. Unklar bleibt nach der vorliegenden Vereinbarung, wie die Reduzierung technisch umgesetzt und kontrolliert werden soll.
Seltene Erden als Gegenpol
Die Gespräche über Exportlizenzen für seltene Erden zeigen die gegenseitige Abhängigkeit. China verfügt über eine dominante Stellung bei Förderung und Verarbeitung; die Rohstoffe und daraus gefertigte Magnete werden unter anderem für Fahrzeuge, Maschinen, Elektronik und Rüstung benötigt. Verzögerungen bei Genehmigungen können deshalb weit über die Autoindustrie hinausreichen.
Für Verbraucher könnte der Deal mittelfristig die Auswahl und Preisbildung bei Hybridfahrzeugen beeinflussen. Für Unternehmen ist entscheidend, ob die vereinbarte Drosselung verlässlich planbar ist und ob China den Zugang zu kritischen Rohstoffen tatsächlich erleichtert. Die endgültige Entscheidung der EU-Kommissionspräsidentin und der Mitgliedstaaten steht noch aus.

