Sorgerecht, Ifo-Institut

Ifo-Studie: Gemeinsames Sorgerecht stÀrkt VÀter und Kinder

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 09:53 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine Ifo-Studie sieht beim gemeinsamen Sorgerecht nach Trennungen Vorteile fĂŒr VĂ€ter und Kinder, aber keine messbaren Nachteile fĂŒr MĂŒtter. Grundlage sind schwedische Gerichts- und Registerdaten aus drei Jahrzehnten.

Studie: Gemeinsames Sorgerecht stÀrkt Familien nach Trennungen
Strand (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Gemeinsames Sorgerecht stĂ€rkt nach einer Trennung laut einer neuen Studie des Ifo-Instituts Familien wirtschaftlich und gesundheitlich. Bei strittigen FĂ€llen profitieren VĂ€ter demnach spĂŒrbar, wĂ€hrend fĂŒr MĂŒtter keine messbaren Nachteile festgestellt wurden.

Studie mit schwedischen Gerichts- und Registerdaten

Die Forscher werteten 56.188 Gerichtsurteile aus 45 schwedischen Bezirksgerichten zwischen 1992 und 2021 aus. Die Entscheidungen wurden mit Registerdaten zu Einkommen, Bildung, Gesundheit und KriminalitĂ€t verknĂŒpft.

Nach Angaben des Instituts steigen bei VĂ€tern mit gemeinsamem Sorgerecht die Einkommen, besonders bei MĂ€nnern mit niedrigem Einkommensniveau. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Antidepressiva-Einnahme um 17 Prozentpunkte.

Vorteile fĂŒr Kinder, keine messbaren Nachteile fĂŒr MĂŒtter

Auch die Kinder schneiden den Ergebnissen zufolge besser ab: Ihre Testergebnisse verbessern sich, außerdem besuchen sie hĂ€ufiger bessere Schulen. FĂŒr MĂŒtter zeigen sich weder positive noch negative Effekte.

Auch BefĂŒrchtungen, gemeinsames Sorgerecht erhöhe das Risiko hĂ€uslicher Gewalt, bestĂ€tigten die Daten nach Angaben der Studie nicht. Damit richtet sich die Untersuchung gegen die verbreitete Annahme, bei Sorgerechtsfragen mĂŒsse der Vorteil eines Elternteils automatisch auf Kosten des anderen gehen.

Einordnung fĂŒr die Debatte

Die Studie versteht sich als Beitrag zu familienpolitischen Diskussionen ĂŒber Sorgerechtsregelungen, die in vielen LĂ€ndern gefĂŒhrt werden. Sie liefert dafĂŒr einen breiten empirischen Datensatz, der den Blick von EinzelfĂ€llen auf langfristige Muster lenkt.

Die neue Ifo-Studie ordnet eine seit Jahren kontrovers gefĂŒhrte familienpolitische Debatte neu ein: Statt eines Nullsummenspiels zeigt sie Vorteile eines gemeinsamen Sorgerechts fĂŒr VĂ€ter und Kinder, ohne messbare Nachteile fĂŒr MĂŒtter. FĂŒr die politische Diskussion ist das relevant, weil Sorgerechtsentscheidungen nach Trennungen hĂ€ufig unter dem Verdacht stehen, ein Elternteil werde automatisch auf Kosten des anderen gestĂ€rkt.

Besonders wichtig ist der methodische Zugriff der Forscher: Sie stĂŒtzen sich auf umfangreiche schwedische Gerichts- und Registerdaten ĂŒber einen langen Zeitraum. Das macht die Ergebnisse fĂŒr die Debatte belastbar, weil nicht nur EinzelfĂ€lle, sondern zehntausende Entscheidungen ausgewertet wurden. Zugleich bleibt der Befund auf den untersuchten Kontext bezogen; Familienrecht, Gerichte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen LĂ€ndern deutlich.

Bedeutung fĂŒr die Familienpolitik

Wenn gemeinsames Sorgerecht nach einer Trennung wirtschaftliche StabilitĂ€t fördert und die Bildungswege von Kindern verbessert, spricht das gegen pauschale Annahmen, wonach solche Regelungen vor allem Konflikte verschĂ€rfen. FĂŒr Deutschland ist das vor allem als Argument in der rechtspolitischen AbwĂ€gung interessant, etwa wenn es um die Balance zwischen Kindeswohl, Elternrechten und Schutz vor GewaltvorwĂŒrfen geht.

Was die Zahlen nahelegen

Die gemeldeten Effekte bei Einkommen, Gesundheit und Schulleistungen weisen darauf hin, dass Verantwortung und Kontakt zu beiden Elternteilen mehr StabilitĂ€t schaffen können. Dass bei MĂŒttern keine messbaren Vor- oder Nachteile sichtbar sind, schwĂ€cht zugleich das verbreitete Argument, gemeinsames Sorgerecht mĂŒsse zwangslĂ€ufig zulasten eines Elternteils gehen. FĂŒr kĂŒnftige Debatten dĂŒrfte daher weniger die Grundfrage „gemeinsam oder allein“ im Mittelpunkt stehen als die Frage, unter welchen Bedingungen gemeinsame Lösungen gut funktionieren.

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