Ilse Aigner: Merz lässt CSU-Parteitag bei P-Frage warten
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 11:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesversammlung entscheidet im Januar
- Markus Söder schlug Ilse Aigner beim CSU-Parteitag erneut für das Amt der Bundespräsidentin vor.
- Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
- Union und SPD verfügen dort gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Merz begrüßt Aigner beim CSU-Parteitag, bleibt aber bei der Präsidentenfrage stumm
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner beim CSU-Parteitag in München mit Wangenküsschen begrüßt und zu Beginn seiner Rede namentlich erwähnt. Eine Festlegung auf Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin vermied er jedoch auch nach 52 Minuten Redezeit.
Jubel für die Wunschkandidatin
Die Delegierten reagierten auf die Begrüßung mit langem Jubel und erhoben sich von ihren Plätzen. Aigner, die bei dem zweitägigen Parteitag in Schwarz, Rot und Gold auftrat, nahm den Applaus sichtbar auf.
CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner zuvor erneut offiziell für das höchste Staatsamt vorgeschlagen. Dabei sagte er, er würde es sich von Herzen gönnen, wenn Aigner nächste Bundespräsidentin werde, und korrigierte später, dass er eigentlich von seinem Wunsch und Aigners Verdienst habe sprechen wollen.
Söder erhöht den Druck
Söder bekräftigte nach dem Parteitag in der ARD seine Forderung. Die CSU habe in 75 Jahren weder den Bundeskanzler noch den Bundespräsidenten gestellt; deshalb könne man argumentieren, dass sie nun an der Reihe sei.
Aigner erhält neben der CSU auch Zustimmung aus SPD und Grünen. In der CDU gibt es jedoch Vorbehalte gegen eine Festlegung auf die CSU-Kandidatin, während Merz im Sommer erklärt hatte, Aigner sei eine respektable und denkbare Bundespräsidentin.
Mehrere Namen im Gespräch
Als mögliche CDU-Alternativen werden Bildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die frühere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein genannt.
Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Union und SPD verfügen dort gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen und müssen sich zunächst auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen, der anschließend in den Parteien abgestimmt werden muss.
Die Bundespräsidentenwahl steht im Zeichen eines offenen unionsinternen Auswahlprozesses. Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden. Für Union und SPD wird eine gemeinsame Kandidatur besonders wichtig, weil beide Parteien zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen verfügen.
Mit Ilse Aigner bringt die CSU eine erfahrene Landespolitikerin ins Gespräch, die als Präsidentin des Bayerischen Landtags über ein hohes institutionelles Ansehen verfügt. Ihre Unterstützung durch Markus Söder verleiht der Personalfrage zugleich eine bayerische und parteipolitische Dimension. Dass auch SPD und Grüne Zustimmung signalisieren, erhöht den Druck auf die CDU, ohne die Entscheidung vorwegzunehmen.
Entscheidung mit Koalitionswirkung
Friedrich Merz muss zwischen dem Anspruch der CDU auf das höchste Staatsamt und dem Wunsch des CSU-Verbands abwägen. Eine gemeinsame Nominierung könnte die Zusammenarbeit in der Koalition erleichtern; ein Festhalten an unterschiedlichen Favoriten würde die ohnehin angespannte Abstimmung zwischen den Unionsparteien zusätzlich belasten.
Für die politische Öffentlichkeit bleibt deshalb nicht nur der Name der Kandidatin entscheidend. Die Auswahl wird auch zeigen, wie CDU und CSU ihre Machtbalance organisieren und ob die Koalitionsparteien rechtzeitig einen gemeinsamen Vorschlag vereinbaren. Bis zur Wahl bleiben mehrere Personaloptionen im Gespräch.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag hebt die Reaktion der Delegierten auf Merz' Begrüßung hervor und ordnet Söders Unterstützung für Aigner als zentrales Thema des Parteitags ein. Im Mittelpunkt steht damit stärker die Stimmung in der CSU als Merz' ausbleibende Festlegung.
ntv: „Die P-Frage betrifft Union: Merz erwähnt Aigner – und der Raum tobt“ (24.10.2026)
Der Artikel bestätigt den stehenden Applaus nach der Erwähnung Aigners und betont den Konflikt zwischen dem CSU-Wunsch und der Zurückhaltung der CDU. Offen bleibt auch dort, ob Merz Aigner oder eine andere Person vorschlagen wird.
Beide Beiträge schilderten die starke Unterstützung für Aigner auf dem CSU-Parteitag. Der unterschiedliche Schwerpunkt liegt auf der Parteitagsstimmung beziehungsweise auf dem ungelösten unionsinternen Auswahlprozess.
