Ilse Aigner: Sieben CDU-Landeschefs unterstützen ihre Kandidatur
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesversammlung entscheidet im Januar
- Sieben von 17 CDU-Landesvorsitzenden unterstützen bis Donnerstagnachmittag Aigner.
- Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- CDU-Präsidium und Parteivorstand beraten voraussichtlich am Montag über die Kandidatur.
CDU-Landeschefs unterstützen Aigner
In der CDU wächst die Unterstützung für eine Kandidatur von Ilse Aigner als Bundespräsidentin: Bis Donnerstagnachmittag sprachen sich sieben von 17 Landesvorsitzenden für die bayerische Landtagspräsidentin aus. Darunter sind Baden-Württembergs Landeschef Manuel Hagel, der Hamburger CDU-Chef Dennis Thering und die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten.
Merz und Wüst halten sich zurück
Bundeskanzler Friedrich Merz und Nordrhein-Westfalens CDU-Landesvorsitzender Hendrik Wüst legten sich weiterhin nicht auf Aigner fest. Wüst sagte der Deutschen Presse-Agentur, es gebe viele ausgesprochen geeignete Persönlichkeiten für das Amt.
Die Entscheidung soll voraussichtlich am Montag fallen, wenn Präsidium und Vorstand der CDU im Berliner Konrad-Adenauer-Haus zusammenkommen. Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Union und SPD suchen gemeinsame Kandidatin
Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen und wollen sich auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen. Die CSU stellte sich auf ihrem Parteitag vor zwei Wochen klar hinter die 61-jährige Aigner, auch aus der SPD kam Zustimmung.
Ostdeutsche Regierungschefs gaben den Anstoß
Merz hat sich bislang nur darauf festgelegt, dass das Staatsoberhaupt eine Frau werden soll, und von einer Kandidatin der Mitte gesprochen. Das kann darauf zielen, auch die Grünen für den Vorschlag zu gewinnen.
Am Mittwoch unterstützten Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze Aigner. Auch die CDU-Landeschefs von Berlin und Brandenburg sprachen sich für die CSU-Politikerin aus.
Weitere Landeschefs bleiben offen
Die Landesvorsitzenden haben bei der Kandidatensuche besonderes Gewicht, weil die Hälfte der Wahlleute in der Bundesversammlung aus den Ländern kommt. Zurückhaltend äußerten sich unter anderem Wüst, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Niedersachsens Landeschef Sebastian Lechner, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder und Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei nannte Aigner eine „ganz hervorragende Personalie“, verwies aber zugleich auf weitere geeignete Frauen. Als mögliche CDU-Kandidatinnen werden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und die hessische Fraktionschefin Ines Claus genannt.
Auch Özdemir wirbt für Aigner
Mehrere SPD-Ministerpräsidenten und Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir von den Grünen unterstützen ebenfalls Aigner. Özdemir begründete dies mit ihrer Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen und die Sorgen der Bevölkerung anzusprechen.
Die Unterstützung für Ilse Aigner bündelt sich wenige Tage vor der erwarteten Entscheidung in den Führungsgremien der CDU. Sie kommt aus unterschiedlichen Teilen der Union: Aus den ostdeutschen Landesverbänden hatten sich zunächst mehrere Ministerpräsidenten positioniert, anschließend folgten mit Baden-Württemberg und Hamburg auch westdeutsche Landesverbände. Für Aigner spricht damit nicht nur ihre Verankerung in der CSU, sondern auch die Möglichkeit, Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg zu organisieren.
Die Bundespräsidentenwahl unterscheidet sich von einer normalen Parlamentsabstimmung. In der Bundesversammlung sitzen Abgeordnete des Bundestags und Delegierte der Länder; deshalb haben die Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten erheblichen Einfluss auf die Aufstellung der Wahlleute und auf die politische Signalwirkung einer Kandidatur. Die Union und die SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit, wollen aber einen gemeinsamen Vorschlag finden.
Entscheidung mit Signalwirkung
Für Friedrich Merz geht es deshalb um mehr als die Benennung einer geeigneten Persönlichkeit. Eine Kandidatin aus der CSU könnte die Schwesterpartei einbinden und zugleich die von Merz angestrebte politische Mitte ansprechen. Ob sich die bislang zurückhaltenden CDU-Landeschefs anschließen, dürfte für die Geschlossenheit der Union entscheidend sein.
Die geplante Beratung von Präsidium und Vorstand am Montag markiert den nächsten konkreten Schritt. Bis dahin bleibt offen, ob sich die Unterstützung für Aigner zu einer formellen CDU-Position verdichtet oder ob weitere Namen im Rennen bleiben. Für die Wählbarkeit im Januar wird zudem entscheidend sein, ob Union und SPD ihre gemeinsame Mehrheit politisch nutzen und weitere Parteien für die Kandidatin gewinnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Baden-Württemberg: CDU in BW will Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin“ (05.11.2026)
Der Beitrag berichtet über die Unterstützung aus Baden-Württemberg und hebt damit den westdeutschen Rückhalt für Aigner hervor. Er bestätigt den Kern der Meldung, setzt den Schwerpunkt aber auf die CDU-Landespartei und den politischen Druck auf Friedrich Merz.
Der Bericht stellt die positive Bewertung durch Unionsfraktionschef Thorsten Frei heraus, ohne eine endgültige Unionsentscheidung zu melden. Damit ergänzt er die Unterstützung aus den Ländern um die Perspektive eines führenden Bundestagspolitikers.
Die Beiträge stimmen darin überein, dass Aigner parteiübergreifend und in mehreren Landesverbänden Unterstützung erhält. Offen bleibt, ob die CDU-Führung am Montag eine gemeinsame Kandidatur beschließt und welche bislang zurückhaltenden Landeschefs sich positionieren.
