Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden – Merz schlägt sie vor
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 17:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahltermin und politische Stationen
- Ilse Aigner wurde 1994 erstmals in den bayerischen Landtag gewählt und wechselte 1998 in den Bundestag.
- Von 2008 bis 2013 war sie Bundesagrarministerin unter Bundeskanzlerin Angela Merkel.
- Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
Ilse Aigner vor dem höchsten Staatsamt
Ilse Aigner steht kurz vor dem Ziel, Deutschlands nächste Bundespräsidentin zu werden, obwohl sie nach eigener Darstellung nie gezielt auf ein solches Amt hingearbeitet hat. Nach dpa-Informationen will Kanzler Friedrich Merz sie am Sonntag und Montag den CDU-Gremien offiziell als Kandidatin vorschlagen.
Überparteiliche Anerkennung
Die 61-jährige bayerische Landtagspräsidentin wird über Parteigrenzen hinweg als nahbar, uneitel und ausgleichend beschrieben. Als Landtagspräsidentin habe sie überparteilich agiert und zugleich klare Haltung gegenüber der AfD gezeigt.
Aigner ist seit Jahrzehnten in der Politik aktiv. Sie war Gemeinderätin in Feldkirchen-Westerham, Mitglied des Kreistags von Rosenheim, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie Ministerin in Berlin und Bayern.
Keine Karriere im Machtkampf
Innerhalb der CSU gilt Aigner seit Jahren als mögliche Nachfolgerin von Ministerpräsident Markus Söder. Als Horst Seehofer abgelöst wurde, verzichtete sie jedoch darauf, gegen Söder um das Ministerpräsidentenamt zu kämpfen.
Ihre politische Laufbahn begann nicht mit einem klassischen Studium. Nach einer Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin und einer Weiterbildung zur staatlich geprüften Elektrotechnikerin arbeitete Aigner in der Hubschrauberentwicklung.
Erfahrungen mit schwerer Krankheit
Aigner musste sich bereits vor ihrem 18. Geburtstag wegen eines Tumors im Rücken operieren lassen. Viele Jahre später wurde während ihrer Zeit als Bundesministerin ein bösartiger Schilddrüsentumor festgestellt; Operation und Strahlentherapie folgten.
Diese Einschnitte hätten ihren Blick auf das Leben und auf das Wesentliche verändert. Über ihr Privatleben spricht Aigner nur selten; sie bezeichnet sich als Single und lebt nach eigenen Angaben in einem Dreigenerationenhaus.
Kritik an fehlender Regierungserfahrung
Zu den möglichen Einwänden gegen Aigner zählen eine geringere außenpolitische Erfahrung und eine weniger dominante öffentliche Präsenz als bei Politikern wie Friedrich Merz oder Markus Söder. Als Bundesagrarministerin führte sie allerdings Verhandlungen auf europäischer Ebene und reiste später unter anderem in die Ukraine, die USA, nach Indien sowie nach Sarajevo und Srebrenica.
Entscheidung in der Bundesversammlung
SPD- und Grünen-Politiker haben bereits Unterstützung signalisiert, die CSU steht ebenfalls hinter Aigner. Bei der Bundesversammlung am 30. Januar könnte sie daher auf eine breite Mehrheit setzen.
Merz hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, eine Frau für das höchste Staatsamt vorzuschlagen. Die offizielle Entscheidung der CDU-Gremien soll nun den nächsten Schritt im Verfahren markieren.
Die mögliche Nominierung Ilse Aigners fällt in eine ungewöhnlich früh öffentlich geführte Suche nach der Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Die Bundesversammlung soll das neue Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027 wählen. Für die Union geht es dabei nicht nur um die eigene Personalentscheidung, sondern auch um eine Kandidatin, die in der geheimen Wahl über parteipolitische Grenzen hinweg Zustimmung erhalten kann.
Aigner bringt dafür Erfahrungen aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik mit. Als Präsidentin des bayerischen Landtags steht sie zugleich für ein Amt, das stärker auf Vermittlung und Repräsentation als auf Regierungssteuerung angelegt ist. Ihre lange politische Laufbahn in unterschiedlichen Funktionen könnte ihr helfen, verschiedene politische Lager und gesellschaftliche Gruppen anzusprechen.
Breiter Rückhalt als entscheidender Faktor
Die Unterstützung aus Teilen von CDU, CSU, SPD und Grünen deutet auf das zentrale Kriterium der anstehenden Wahl: Eine Mehrheit in der Bundesversammlung entsteht nicht allein aus der geschlossenen Zustimmung der Union. Auch wenn Union und SPD dort über eine Mehrheit verfügen, kann eine parteiübergreifende Verständigung die Legitimation der Kandidatin stärken.
Für Friedrich Merz verbindet sich die Personalfrage deshalb mit einem politischen Balanceakt. Er muss das Vorschlagsrecht der CDU behaupten und zugleich eine Lösung ermöglichen, die über die Unionsparteien hinaus trägt. Aigner könnte dabei von ihrem als ausgleichend beschriebenen politischen Stil profitieren. Offen bleibt bis zur offiziellen Bekanntgabe, wie die CDU-Gremien den Vorschlag beschließen und welche Rolle weitere mögliche Kandidatinnen in den Beratungen spielen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Ilse Aigner soll laut ARD-Informationen Bundespräsidentin werden“ (06.11.2026)
Der Beitrag berichtet, CDU und CSU wollten Aigner als Kandidatin vorschlagen; die Nominierung solle am Montag bekannt gegeben werden. Er hebt außerdem hervor, dass Aigner die erste Frau an der Staatsspitze der Bundesrepublik wäre und bereits Zustimmung aus SPD und Grünen erhalten habe.
SWR Aktuell: „Sowohl Ministerpräsident Özdemir als auch CDU in BW wollen Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin“ (05.11.2026)
Der SWR-Beitrag beschreibt den wachsenden Rückhalt für Aigner in Baden-Württemberg und bei den Grünen. Anders als der aktuelle Bericht zur geplanten Unionsentscheidung liegt der Schwerpunkt auf regionalen Unterstützern sowie auf Merz’ Anspruch, das Vorschlagsrecht der CDU zu sichern.
Übereinstimmend wird Aigner als aussichtsreiche Kandidatin mit parteiübergreifender Unterstützung dargestellt. Als offene Punkte bleiben die formelle Entscheidung der CDU-Gremien und die genaue Ausgestaltung der weiteren Gespräche.
