Bauern beklagen schwere wirtschaftliche SchÀden durch Seuche
15.01.2025 - 15:01:49(Im 2. Absatz, 1. Satz wurde ein Tippfehler korrigiert. Im vorletzten Absatz wurden zudem Aussagen von LandesbauernprÀsident Wendorff ergÀnzt.)
BERLIN (dpa-AFX) - Die wirtschaftlichen Folgen nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) dĂŒrften die Agrarbranche aus Sicht von BauernprĂ€sident Joachim Rukwied noch Monate lang schwer belasten. Oberste PrioritĂ€t mĂŒsse sein, die Seuche schnellstens einzudĂ€mmen und letztlich auszumerzen, sagte er vor dem Beginn der GrĂŒne Woche in Berlin.
Rukwied kĂŒndigte an, die Agrarmesse auch dazu zu nutzen, mit politisch Verantwortlichen ĂŒber einen möglichen Krisenfonds oder Ăhnliches fĂŒr betroffene Betriebe zu reden. Brandenburgs LandesbauernprĂ€sident Henrik Wendorff forderte schnellen und unbĂŒrokratischen Schadenersatz fĂŒr die Landwirte in den Restriktionszonen.
Mehrmonatige Einfuhrsperren befĂŒrchtet
Mit Blick auf die von LĂ€ndern wie GroĂbritannien und SĂŒdkorea verhĂ€ngten HandelsbeschrĂ€nkungen betonte Rukwied: "Im Best Case, wenn das gelingen wĂŒrde, wĂ€ren die Restriktionen in drei Monaten weg. Im realistischen Szenario eher sechs Monate."
Rukwied zufolge ist schon jetzt "ein gewaltiger Schaden fĂŒr die Landwirtschaft, fĂŒr die ErnĂ€hrungswirtschaft" entstanden. Ăber die GröĂenordnung könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Diese hĂ€nge davon ab, wie sich das Seuchengeschehen entwickele.
Ăzdemir: strikte EindĂ€mmung
Auch Bundesagrarminister Cem Ăzdemir setzt auf eine strikte EindĂ€mmung. "Wichtig ist, dass wir jetzt alles mit voller Kraft darauf setzen, dass es zu keinen weiteren AusbrĂŒchen kommt", sagte der GrĂŒnen-Politiker in Berlin. Die Folgen fĂŒr die Landwirtschaft will er möglichst gering halten.
Allein nach GroĂbritannien belĂ€uft sich das Exportvolumen tierischer Produkte nach Rukwieds Angaben auf mehr als 850 Millionen Euro jĂ€hrlich. Jeder könne sich ausrechnen, was eine sechsmonatige Exportsperre wirtschaftlich bedeuten wĂŒrde. Der Importstopp aus London betrifft jedoch nicht alle tierischen Produkte, sondern WiederkĂ€uer und Schweine sowie frisches Fleisch von Huftieren.
Zugang zum europÀischen Binnenmarkt bleibt
Sowohl Rukwied als auch Ăzdemir zeigten sich erleichtert darĂŒber, dass der Handel mit Fleisch aus Deutschland zumindest innerhalb der EU grundsĂ€tzlich möglich bleibt. Die EU-Kommission hat laut Bundeslandwirtschaftsministerium inzwischen die in Brandenburg eingerichteten Sperrzonen rund um die Ausbruchsstelle bestĂ€tigt. Damit können Tierprodukte aus Deutschland, die nicht von dort stammen, weiter innerhalb der EU gehandelt werden. Der Zugang zum europĂ€ischen Binnenmarkt sei essenziell fĂŒr die tierhaltenden Betriebe, sagte Rukwied. Ăzdemir sprach von einem Lichtblick.
Die Maul- und Klauenseuche war Ende vergangener Woche in einem BĂŒffelbetrieb im brandenburgischen Hönow festgestellt worden. Seither gab es keine weiteren bestĂ€tigten FĂ€lle. Das Bundesland hat ein Tiertransportverbot erlassen und Sperrzonen rund um den Fundort eingerichtet.
Transportverbot erneut um 48 Stunden verlÀngert
Die Landesregierung verlĂ€ngerte das Transportverbot am Mittwoch um weitere 48 Stunden bis zum 17. Januar. "Grund ist, dass die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse noch nicht ausreichen, um die Lage abschlieĂend zu bewerten. Hier geht Sicherheit vor Schnelligkeit", teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Verboten sei damit weiterhin der Transport von Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Kameliden wie etwa Alpakas.
Durch das Transportverbot kann der Platz in den StĂ€llen knapp werden, wenn etwa Ferkel nicht in die Mastbetriebe transportiert werden. LandesbauernprĂ€sident Henrik Wendorff sagte der dpa: "Kein Transport bedeutet faktisch keine Produktion und kein Handel." Das sei eine wahnsinnige EinschrĂ€nkung fĂŒr Tierhalter. Er könne sich vorstellen, dass die LaborkapazitĂ€ten zur Auswertung der Tests zu knapp seien. Dabei sei es eine "viehschwache Region", die hier beprobt werde. Wendorff sagte: "Damit wĂ€ren wir schlecht vorbereitet auf einen deutschlandweiten Ausbruch."
Das Thema dĂŒrfte die Agrarmesse GrĂŒne Woche prĂ€gen. Erwartet werden rund 1.500 Aussteller aus 60 LĂ€ndern sowie rund 300.000 Besucherinnen und Besucher. Paarhufer wie Rinder, Ziegen oder Schafe sind in diesem Jahr wegen des Seuchenausbruchs nicht zu sehen.

