Russische, Sabotage

Russische Sabotage - Zufall verhinderte Flugzeugabsturz

14.10.2024 - 13:29:09

Im Bundestag berichten die Chefs der Nachrichtendienste von AktivitÀten russischer Geheimdienste. Ein besonders gefÀhrlicher Sabotagefall war demnach der Sprengsatz in einem Paket.

  • Die Ausbildung ukrainischer Soldaten steht besonders im Fokus russischer Geheimdienste. (Archivfoto) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

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  • Konstantin von Notz (GrĂŒne) ist aktuell Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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Die Ausbildung ukrainischer Soldaten steht besonders im Fokus russischer Geheimdienste. (Archivfoto) - Foto: Jens BĂŒttner/dpaKonstantin von Notz (GrĂŒne) ist aktuell Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Bei einem mutmaßlich von Russland initiierten Brand eines Luftfrachtpakets ist Deutschland im Juli nach EinschĂ€tzung des Verfassungsschutzes nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Es sei nur einem glĂŒcklichen Zufall zu verdanken, dass das Paket damals noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht wĂ€hrend des Fluges in Brand geraten sei, sagte Verfassungsschutz-PrĂ€sident Thomas Haldenwang bei einer öffentlichen Befragung der deutschen Geheimdienste im Bundestag. Sonst wĂ€re es zu einem Absturz gekommen. In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass der Vorfall im Zusammenhang mit russischer Sabotage steht.

Nach dpa-Informationen bestand der glĂŒckliche Zufall darin, dass der Weiterflug des aus dem Baltikum stammenden Frachtpakets sich in Leipzig verzögerte. Das Paket hatte einen Brandsatz enthalten, der dort zĂŒndete und einen Frachtcontainer in Brand setzte.

Das Spitzenpersonal der Geheimdienste warnte bei der Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestags die Bevölkerung vor NaivitĂ€t. Putin habe Deutschland lĂ€ngst zum Feind erklĂ€rt, betonten die PrĂ€sidenten der drei Nachrichtendienste. Ein Absturz des Flugzeugs ĂŒber bewohntem Gebiet hĂ€tte nach Haldenwangs Worten womöglich auch Menschen getroffen, die «mit (Russlands PrĂ€sident Wladimir) Putin und seinen Zielen sympathisieren».

«Wir beobachten ein aggressives Agieren der russischen Nachrichtendienste», erklÀrte Haldenwang. Besonders Spionage und Sabotage durch russische Akteure hÀtten in Deutschland zugenommen - und zwar «sowohl quantitativ als auch qualitativ».

BND-Chef: Russland spÀtestens 2030 fÀhig zu Angriff auf den Westen 

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, erklÀrte: «Der Kreml sieht den Westen und damit auch Deutschland als Gegner.» Russland werde spÀtestens ab Ende des Jahrzehnts personell und materiell in der Lage sein zu einem Angriff auf den Westen. «Putin wird rote Linien des Westens austesten», sagt der BND-Chef. Daher seien Geschlossenheit und VerteidigungsfÀhigkeit wichtig. Es sei zu erwarten, dass Moskau vor einer offenen militÀrischen Auseinandersetzung noch versuchen werde, die Nato zu spalten.

Die PrĂ€sidentin des MilitĂ€rischen Abschirmdienstes (MAD), Martina Rosenberg, berichtete von besorgniserregenden AusspĂ€hversuchen fremder Nachrichtendienste gegen die Bundeswehr: «Sei es, um deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine, Ausbildungsvorhaben oder RĂŒstungsprojekte aufzuklĂ€ren oder um durch Sabotagehandlungen das GefĂŒhl der Unsicherheit zu vermitteln.» 

Der MAD brauche mehr Befugnisse, auch um die Stationierung einer gefechtsbereiten Brigade in Litauen effektiv zu begleiten, verlangt Rosenberg. Schließlich mĂŒsse der Dienst auch in der Lage sein, die Familien der Bundeswehr-Angehörigen wĂ€hrend ihres Aufenthalts in dem Nato-Staat zu schĂŒtzen.

BND-Chef wĂŒnscht sich mehr «Beinfreiheit» fĂŒr Auslandsnachrichtendienst

Kahl sagt, er mache sich ernsthafte Sorgen angesichts der starken EinschrĂ€nkung der Befugnisse der deutschen Nachrichtendienste. Der BND brauche «deutlich mehr operative Beinfreiheit», um seinen Auftrag effektiv erfĂŒllen zu können. Positiv hob er die infolge des Falls von Carsten L. erweiterten Befugnisse bei der Eigensicherung hervor. 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem zur Geheimhaltung verpflichteten BND-Mitarbeiter und einem GeschĂ€ftsmann Landesverrat in besonders schwerem Fall vor. Sie sollen 2022 geheime Dokumente und Informationen aus dem deutschen Auslandsnachrichtendienst an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB gegeben haben. DafĂŒr sollen sie laut Anklage Geld erhalten haben. 

Der Gesetzgeber habe seither geholfen eine «LĂŒcke in der Eigensicherung zu schließen», sagt Kahl. Dazu zĂ€hlten ein besserer Schutz von Verschlusssachen, sowie etwa auch die Möglichkeit Taschen, DienstrĂ€ume und Fahrzeuge von Mitarbeitern zu kontrollieren. Dass der BND wichtige Partner im Ausland sehr transparent ĂŒber den Fall informiert habe, sei wichtig gewesen, um dort kein Vertrauen zu verspielen. 

Das Bundestagsgremium, das die Arbeit der drei Dienste kontrollieren soll, tagt normalerweise hinter verschlossenen TĂŒren. Der Inhalt seiner Sitzungen ist grundsĂ€tzlich geheim. Lediglich einmal pro Jahr stellen sich die Amtsleitungen öffentlich den Fragen der Abgeordneten.

Druck auf auslÀndische Oppositionelle in Deutschland

Nicht nur russische Dissidenten fĂŒhlten sich in Deutschland unter Druck, sagt Haldenwang. Auch Oppositionelle und Menschen, die von den Geheimdiensten Chinas, der TĂŒrkei oder des Iran als vermeintliche Gegner identifiziert wĂŒrden, stĂŒnden teilweise enorm unter Druck. Der Druck sei gewachsen, betont Kahl. Im Falle Russlands und Chinas reiche es schon «sich abweichende Meinungen zu leisten und damit aufzufallen».

Hohe islamistische Bedrohung

Der Rechtsextremismus sei zwar aktuell die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr die deutsche Demokratie, sagt Haldenwang. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die Innere Sicherheit gehe aber derzeit vom islamistischen Terrorismus aus. FĂŒr die Radikalisierung jugendlicher EinzeltĂ€ter hierzulande sei vor allem die Propaganda der Gruppierung Islamischer Staat Provinz Khorasan relevant - in erster Linie bei TikTok und Telegram. Der Krieg in Nahost wirke sich hier wie ein «Brandbeschleuniger» aus.

@ dpa.de