Bischöfe, Reformschritt

Bischöfe gehen Reformschritt - «Waffenstillstand» mit Rom

26.04.2024 - 05:32:44

Im Februar fĂŒhrte ein Machtwort des Vatikans noch dazu, dass die deutschen Bischöfe einen wichtigen Reformschritt zunĂ€chst verschoben. Doch nun haben sie ihn doch vollzogen.

Erst hatte der Vatikan die deutschen Bischöfe zurĂŒckgepfiffen, doch nun haben sie doch noch einen wichtigen Reformschritt vollzogen. Bereits am Montag habe der StĂ€ndige Rat der Bischofskonferenz die Satzung des Reformgremiums Synodaler Ausschuss verabschiedet, teilte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, mit. «Die Dinge haben sich von der vergangenen Vollversammlung ĂŒber das GesprĂ€ch in Rom bis jetzt weiter entwickelt», erlĂ€uterte Kopp der dpa. 

Als Konsequenz aus dem Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche hatte die Deutsche Bischofskonferenz 2019 gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen Reformprozess angestoßen, den Synodalen Weg. Er soll die Strukturen verĂ€ndern, die innerhalb der Kirche Missbrauch begĂŒnstigen. Eines der zentralen Projekte dieses Erneuerungsversuchs ist die Planung eines Synodalen Rats, in dem Bischöfe und Laien kĂŒnftig gemeinsam beraten und entscheiden sollen. 

VerhÀltnis zu Rom hat sich entspannt

Um den Synodalen Rat vorzubereiten, haben die Bischofskonferenz und das ZdK einen Synodalen Ausschuss gegrĂŒndet. Eine im vergangenen Februar wĂ€hrend der FrĂŒhjahrsvollversammlung der Bischöfe geplante Ratifizierung der Satzung des Ausschusses wurde von Papst Franziskus jedoch faktisch blockiert: Drei hohe KurienkardinĂ€le aus dem Vatikan schrieben der Bischofskonferenz einen sehr deutlichen Brief, woraufhin der Vorsitzende Georg BĂ€tzing die Abstimmung von der Tagesordnung strich. Nun ist die Ratifizierung gleichwohl mit zweimonatiger Verzögerung doch noch erfolgt.

Diese Entwicklung wird von Beobachtern darauf zurĂŒckgefĂŒhrt, dass sich das stark abgekĂŒhlte VerhĂ€ltnis zwischen den deutschen Bischöfen und der Kirchenzentrale in Rom zuletzt wieder etwas entspannt hat. Im MĂ€rz war Bischof BĂ€tzing mit einer Delegation erstmals seit lĂ€ngerer Zeit wieder im Vatikan empfangen worden. Dabei hatten beide Seiten vereinbart, sich kĂŒnftig regelmĂ€ĂŸig zu sehen und in den Reformfragen eng abzustimmen. Aus Kirchenkreisen verlautete, die Bischöfe hĂ€tten dem Vatikan versichert, nichts Wesentliches zu beschließen, was vorher nicht von Rom gebilligt wurde.

Dem Niedergang der Kirche entgegenwirken

Der Vatikan hat wiederholt seine Position klargemacht: Ein Gremium, in dem Laien - Nicht-Kleriker - gleichberechtigt mit Bischöfen entscheiden, hĂ€lt er fĂŒr unvereinbar mit dem Kirchenrecht. Die deutschen Bischöfe wiederum haben versichert, nicht gegen das Kirchenrecht verstoßen zu wollen. Die große Mehrheit der Bischöfe hĂ€lt eine wesentlich stĂ€rkere Beteiligung von Laienvertretern an kirchlichen Entscheidungen fĂŒr zwingend notwendig, um dem Niedergang der Kirche entgegenzuwirken. Sie weisen darauf hin, dass die katholische Kirche in Deutschland jedes Jahr Hunderttausende Mitglieder verliert. 

Vier der deutschen Bischöfe wollen diesen Weg nicht mitgehen und auch weiterhin nicht im Synodalen Ausschuss mitarbeiten. Das bekrÀftigten sie in einer gemeinsamen ErklÀrung auf der Website des Erzbistums Köln. Es handelt sich um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie die Bischöfe Gregor Maria Hanke aus EichstÀtt, Stefan Oster aus Passau und Rudolf Voderholzer aus Regensburg. 

Der Kirchenrechtler Thomas SchĂŒller sagte der dpa, BĂ€tzings GesprĂ€che in Rom hĂ€tten einen «brĂŒchigen Waffenstillstand» zuwege gebracht: «Egal was im Synodalen Ausschuss beschlossen wird, es muss in Rom genehmigt werden», fasste SchĂŒller zusammen. «Rom hat also den Daumen drauf. Die Synodalen werden also wie unter BewĂ€hrung beraten, ohne zu wissen, ob sie auf römische Huld und Gnade hoffen dĂŒrfen.»

@ dpa.de