Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Warnstreik
07.12.2023 - 12:51:56 | dpa.deSchon wieder Warnstreik, schon wieder Tausende ZugausfĂ€lle: Der Arbeitskampf der LokfĂŒhrergewerkschaft GDL wird den Bahnverkehr am Freitag heftig treffen. Die Deutsche Bahn rĂ€t ihren Kunden, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten oder diese zu verschieben. FĂŒr den Fernverkehr hat der Konzern einen Notfahrplan erstellt, im Regionalverkehr dĂŒrften die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein.
Die wichtigsten Informationen zum inzwischen vierten Warnstreik bei der Bahn im laufenden Jahr im Ăberblick:
Bis wann wird gestreikt?
Der Freitag steht in Sachen Bahnverkehr komplett im Zeichen des Warnstreiks. Bis 22.00 hat die GDL zum Arbeitskampf aufgerufen - kurzum: Damit ist der gesamte Tag auf der Schiene quasi gelaufen. DafĂŒr sollte der Bahnverkehr am Samstag dann recht schnell wieder geordnet anlaufen. Die Bahn hat bereits am Donnerstagabend einige Verbindungen aus dem Fahrplan genommen, damit die ZĂŒge fĂŒr die Zeit nach dem Warnstreik am richtigen Ort stehen und der Neustart leichter vonstatten geht.
Welche Verkehre sind betroffen?
Zur Arbeitsniederlegung aufgerufen sind die BeschĂ€ftigten der Deutschen Bahn, einschlieĂlich der S-Bahn-Betriebe in Berlin und Hamburg, sowie der Eisenbahnunternehmen Transdev, AKN und City-Bahn Chemnitz sowie weiterer Unternehmen.
Sowohl im Fern-, im Regional- als auch im GĂŒterverkehr ist daher bundesweit mit erheblichen BeeintrĂ€chtigungen zu rechnen. Die Deutsche Bahn will wie beim ersten GDL-Warnstreik des laufenden Jahres wieder rund 20 Prozent des Fernverkehrs aufrechterhalten. In Bayern wird das nach Angaben des Konzerns jedoch nicht möglich sein, weil dort weiterhin die Folgen des starken Schneefalls fĂŒr Probleme sorgen.
Welche Auswirkungen sind in den weiteren Regionen zu erwarten?
ErfahrungsgemÀà sind insbesondere in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern sowie im SĂŒdwesten viele BeschĂ€ftigte bei der GDL organisiert. Dort dĂŒrfte daher im Regionalverkehr vielerorts so gut wie nichts mehr gehen. «Im Regionalverkehr ist es das Ziel, ein stark reduziertes Angebot zu fahren. In welchem Umfang dies möglich ist, unterscheidet sich regional stark», teilte die Bahn mit.
Wo kann ich mich ĂŒber meinen Zug informieren?
Ob ein Fern- oder Regionalzug fĂ€hrt oder nicht, lĂ€sst sich ĂŒber die Bahn-App oder die Internetseite der Bahn einsehen. Der Notfahrplan wurde am Donnerstag in den Systemen hinterlegt. FĂŒr individuelle AuskĂŒnfte wurde eine Streikhotline eingerichtet (08000 99 66 33).
Was passiert mit meinem Ticket?
Alle FahrgĂ€ste, die ihre fĂŒr den 7. oder 8. Dezember geplante Reise aufgrund des Streiks verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nutzen. «Die Zugbindung ist aufgehoben. Die Fahrkarte gilt dabei fĂŒr die Fahrt zum ursprĂŒnglichen Zielort auch mit einer geĂ€nderten StreckenfĂŒhrung», hieĂ es.
Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Zudem haben FahrgÀste im Rahmen einer Sonderkulanz auch die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits am Donnerstag vor Streikbeginn zu fahren. FÀllt der gebuchte Zug aus, ist auch eine komplette Ticketerstattung möglich.
Sind auch weitere Bahnunternehmen vom Warnstreik betroffen?
AuĂer den genannten Unternehmen, die direkt bestreikt werden, können theoretisch alle anderen Bahnunternehmen ihre Fahrten anbieten. Die GDL vertritt bei der Bahn hauptsĂ€chlich LokfĂŒhrer und das Zugpersonal. Fahrdienstleiter, die den Zugverkehr bundesweit koordinieren, sind zwar ebenfalls zum Warnstreik aufgerufen, bei der GDL aber nicht stark vertreten. Das Schienen-Netz dĂŒrfte also in weiten Teilen des Landes grundsĂ€tzlich befahrbar sein. Anbieter wie FlixTrain verzeichneten am Donnerstag eigenen Angaben zufolge eine höhere Nachfrage nach Tickets.
Wieso streikt die GDL?
Die Gewerkschaft will in der aktuellen Tarifrunde vor allem eine Absenkung der Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden erkĂ€mpfen. Die Bahn lehnt das rigoros ab. GDL-Chef Claus Weselsky erklĂ€rte die Verhandlungen daher fĂŒr gescheitert und kritisierte, dass mit dem bundeseigenen Konzern keine Kompromisse zu finden seien.
ZusÀtzlich zur Arbeitszeitabsenkung fordert die Gewerkschaft 555 Euro mehr pro Monat sowie eine InflationsausgleichsprÀmie. Die Bahn hatte elf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 32 Monaten angeboten sowie ebenfalls die InflationsausgleichsprÀmie.
Drohen Warnstreiks auch vor und nach Weihnachten?
Nein. Die GDL hat inzwischen klar gesagt, dass der Arbeitskampf in dieser Woche der letzte bis einschlieĂlich 7. Januar 2024 sein werde.
FĂŒr die Zeit danach ist aber völlig offen, wie der Tarifkonflikt weitergeht. Die Gewerkschaft will am 19. Dezember das Ergebnis einer Urabstimmung unter den Mitgliedern verkĂŒnden. Wenn mehr als 75 Prozent der Abstimmungsteilnehmer fĂŒr unbefristete Streiks stimmen, dĂŒrfte die Gewerkschaft zu deutlich lĂ€ngeren ArbeitskĂ€mpfen aufrufen.
Am Verhandlungstisch sind keine Fortschritte in Sicht. Die Fronten zwischen der GDL und der Bahn sind verhÀrtet, ein Ausweg bisher nicht zu erkennen. Im Januar könnte es also auf der Schiene unruhig sein.
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