EU stÀrkt Ukraine im Gastransit-Streit mit der Slowakei
31.12.2024 - 14:41:42Eine Sprecherin der Kommission in BrĂŒssel machte klar, die EU sei auf den Stopp des Transits russischen Gases durch das kriegsgeplagte Land vorbereitet; die europĂ€ische Gasinfrastruktur sei flexibel genug, um Gas nicht-russischen Ursprungs ĂŒber alternative Routen nach Mittel- und Osteuropa zu liefern. Derweil sicherte Bundeskanzler Olaf Scholz der Ukraine weitere UnterstĂŒtzung in ihrem Abwehrkampf gegen Russland zu.
Die Ukraine, die sich seit fast drei Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg wehrt, stellt mit Jahresbeginn den Transit von russischem Gas ein. Ein entsprechender Transitvertrag lĂ€uft ab, Kiew hatte lange im Voraus angekĂŒndigt, ihn nicht zu verlĂ€ngern. Der Stopp der Durchleitung stellt in der EU die Slowakei vor Probleme, ebenso das Nichtmitglied Moldau. Der slowakische Regierungschef Robert Fico hatte der Ukraine am Freitag gedroht, sein Land könne im Gegenzug die Lieferung von Strom stoppen.
Am Sonntag schrieb Fico in einem Brief an die EU-Kommission, die "stillschweigende Akzeptanz der einseitigen Entscheidung" des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyjs, den Transit von russischem Gas zu unterbinden, sei falsch und irrational und werde zu "verstĂ€rkten Spannungen und gegenseitigen MaĂnahmen" fĂŒhren. Seiner EinschĂ€tzung nach wĂŒrde die Unterbrechung des Gas-Transports der EU mehr schaden als Russland.
Die Sprecherin der EU-Kommission sagte dazu: "Die Auswirkungen des Endes des Transits ĂŒber die Ukraine auf die Versorgungssicherheit der EU sind begrenzt." Die Behörde arbeite in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten seit mehr als einem Jahr an der Vorbereitung auf ein Szenario ohne den Transit russischen Gases durch die Ukraine und an der Sicherstellung alternativer Lieferungen fĂŒr die betroffenen Mitgliedstaaten. Europas Gasinfrastruktur sei unter anderem durch erhebliche ImportkapazitĂ€ten von FlĂŒssiggas (LNG) verstĂ€rkt worden.
Scholz versichert BĂŒrgern, Ukraine weiter zu unterstĂŒtzen
Bundeskanzler Scholz sagte in seiner Neujahrsansprache nach dem vorab verbreiteten Redetext, viele in Deutschland blickten mit einem GefĂŒhl wachsender Beklemmung auf Russlands brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. "Ich versichere Ihnen, dass wir die Ukraine nicht alleine lassen und weiter unterstĂŒtzen wie niemand sonst in Europa - und dass wir weiter kĂŒhlen Kopf bewahren, damit der Krieg sich nicht ausweitet."
Selenskyj: US-Hilfen stÀrken Front
Derweil bedankte sich der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj fĂŒr die jĂŒngsten milliardenschweren US-Hilfen. "Dies wird in naher Zukunft die Front stĂ€rken, uns helfen, russische Angriffe abzuwehren, und die Ukraine bei der Rettung von Menschenleben unterstĂŒtzen", sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Diese UnterstĂŒtzung komme zu einem kritischen Zeitpunkt, da Russland seine Angriffe intensiviere, sogar nordkoreanische Soldaten einbeziehe und weiterhin Waffen aus Nordkorea und dem Iran erhalte.
Kurz vor Jahresschluss hatte die scheidende US-Regierung von PrĂ€sident Joe Biden der Ukraine noch einmal milliardenschwere Hilfen zugesagt. Der PrĂ€sident selbst kĂŒndigte MilitĂ€rhilfen im Wert von knapp 2,5 Milliarden US-Dollar (2,36 Mrd. Euro) an. Sie umfassen zum einen Waffen und Munition im Wert von 1,25 Milliarden US-Dollar fĂŒr das ukrainische MilitĂ€r sowie weitere 1,22 Milliarden US-Dollar Sicherheitshilfe.
Zudem kĂŒndigte US-Finanzministerin Janet Yellen an, der Ukraine 3,4 Milliarden US-Dollar (3,27 Milliarden Euro) als Haushaltshilfe auszuzahlen. Bei den von Biden und Yellen angekĂŒndigten Summen handelt sich um Mittel, die bereits vom US-Kongress freigegeben wurden.
ZusĂ€tzlich begann die Auszahlung eines US-Kredits an die Ukraine ĂŒber 15 Milliarden US-Dollar als Teil eines groĂen Hilfspakets der Gruppe von sieben groĂen demokratischen Industriestaaten (G7). Das sei zwischen der Weltbank als Verwalterin des Geldes und dem Finanzministerium in Kiew vereinbart worden, teilte der ukrainische MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal mit. Das Geld solle fĂŒr soziale und humanitĂ€re Zwecke verwendet werden. Abgesichert ist die Summe zum Ărger Moskaus durch ZinseinkĂŒnfte auf russisches Staatsvermögen, das im Westen eingefroren ist.
Die USA sind der gröĂte UnterstĂŒtzer der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland. Ungewiss ist, welchen Kurs Bidens Amtsnachfolger Donald Trump einschlagen wird, der am 20. Januar als 47. US-PrĂ€sident vereidigt wird.
Im Jahr 2024 bekam die kriegsgeplagte Ukraine knapp 40 Milliarden Euro auslĂ€ndischer Finanzhilfe zur StĂŒtzung ihres Haushalts. Diese Zahl teilte das Finanzministerium in Kiew am vorletzten Tag des Jahres mit. Etwa 30 Prozent der Hilfen seien als Zuschuss gewĂ€hrt worden, der Rest als Kredite zu gĂŒnstigen Bedingungen. "Im Jahr 2024 konnten wir damit alle vorrangigen sozialen und humanitĂ€ren Ausgaben abdecken", sagte Finanzminister Serhij Martschenko.
Gefangenenaustausch und Angriffe
Kurz vor dem Neujahrsfest tauschten Russland und die Ukraine noch einmal Kriegsgefangene aus. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ging es dabei um jeweils 150 Gefangene. Selenskyj teilte dagegen mit, dass es gelungen sei, 189 Ukrainer nach Hause zu holen. Beide Seiten dankten den Vereinigten Arabischen Emiraten fĂŒr deren Vermittlung.
Die russische Kleinstadt Lgow im Grenzgebiet Kursk wurde nach Behördenangaben zum zweiten Mal binnen weniger Tage von der ukrainischen Armee mit Raketen beschossen. Dabei dementierte die regionale Verwaltung gröĂere SchĂ€den. Videos aus der Stadt zeigten aber BrĂ€nde und legten nahe, dass es durchaus Treffer gab. Nach inoffiziellen ukrainischen Angaben dient Lgow russischen Truppen als Aufmarschgebiet, um ukrainische Soldaten aus ihrem BrĂŒckenkopf im Gebiet Kursk zu vertreiben.
Die Nacht auf Dienstag begann fĂŒr die Ukraine mit Luftalarm in mehreren Gebieten, weil am Himmel russische Kampfdrohnen geortet wurden. "Bleiben Sie in SchutzrĂ€umen!", warnte der BĂŒrgermeister der Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, auf seinem Telegramkanal. Zugleich berichteten proukrainische TelegramkanĂ€le von Explosionen nahe dem Marinehafen Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Die Besatzungsverwaltung bestĂ€tigte, dass die Flugabwehr ukrainische Drohnen bekĂ€mpfe.
In der westlich von Moskau gelegenen Region Smolensk brannte es nach Angaben des dortigen Gouverneurs, Wassili Anochin, auf dem GelĂ€nde eines Ăldepots. Nach vorlĂ€ufigen Information seien Wrackteile einer Drohne auf das GelĂ€nde gefallen, schrieb Anochin auf seinem Telegram-Kanal. Dadurch sei Treibstoff ausgelaufen und Brenn- und Schmiermittel hĂ€tten sich entzĂŒndet. FĂŒr WohngebĂ€ude bestehe keine Gefahr.

