Polizei durchsucht Wohnungen von gewaltbereiten FuĂballfans
11.03.2025 - 12:14:20Schwer bewaffnete EinsatzkrĂ€fte in Wohngebieten, gewaltbereite FuĂballfans und mit Jacken und Decken vor Blicken geschĂŒtzte abgefĂŒhrte VerdĂ€chtige: Die Bundespolizei hat in mehreren BundeslĂ€ndern Wohnungen von 31 mutmaĂlichen GewalttĂ€tern durchsucht. Hintergrund fĂŒr die Aktion war eine Auseinandersetzung im vergangenen Herbst, als ein Sonderzug in Brandenburg durch eine Notbremse gestoppt wurde und AnhĂ€nger der FuĂball-Drittligisten Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen brutal aufeinandergetroffen waren.Â
Die Ermittlungen richteten sich gleichermaĂen gegen beide Fangruppen, sagte Bundespolizei-Sprecherin Alina MĂŒller. Die Razzia begann am frĂŒhen Morgen in mehreren Objekten in Nordrhein-Westfalen - darunter Essen und Oberhausen - sowie Mecklenburg-Vorpommern. Auch die RĂ€umlichkeiten eines Fanprojekts in Essen wurden von Polizisten durchsucht, ebenso jeweils ein Objekt in Berlin und Brandenburg.Â
470 Bundespolizisten waren im Einsatz. In fĂŒnf FĂ€llen hĂ€tten die TatverdĂ€chtigen Widerstand gegen die Durchsuchung geleistet. Bilder zeigen, wie Polizeibeamte vereinzelt VerdĂ€chtige aus durchsuchten HĂ€usern abfĂŒhren. Alle 31 VerdĂ€chtigen seien laut der Polizei bereits wegen Gewalt und Straftaten in der Fanszene bekannt gewesen.Â
Nachdem infolge des Vorfalls im Herbst 2024 zunĂ€chst eher die Fans des Ostsee-Clubs im Fokus der öffentlichen Kritik standen und fĂŒnf Hansa-AufsichtsrĂ€te ihren RĂŒcktritt erklĂ€rt hatten, konzentrierten sich die Ermittler auch auf Essener AnhĂ€nger. «Es ist ein laufendes Verfahren der Ermittlungsbehörden. Daher können wir dazu derzeit keine Stellungnahme abgeben», sagte Alexander Rang, Vorstand von Rot-Weiss Essen.
Die bisherigen Erkenntnisse hatten ergeben, dass die Fans aus Rostock und Essen sich gezielt zu dieser Auseinandersetzung verabredet haben, wie die Sprecherin weiter sagte.Â
Kugelbomben, Schreckschusspistole und Butterfly-Messer
Die Polizisten brachen drei Wohnungen auf, weil dort jeweils niemand geöffnet hĂ€tte. «Wir haben in Essen zwei Kugelbomben gefunden und in Rostock eine Handgranate», sagte die Sprecherin. Bei der Handgranate handele es sich allerdings um eine «Ăbungsgranate», von der keine Gefahr ausgeht, weil sie nicht scharf gemacht werden kann. Zudem wurden in Essen eine Schreckschusspistole, ein Butterfly-Messer sowie eine Luftdruckwaffe mit PrĂŒfzeichen gefunden. Die EinsatzkrĂ€fte stieĂen teils auch auf Pyrotechnik.Â
Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall, gefĂ€hrlicher Körperverletzung sowie SachbeschĂ€digung und wegen des gefĂ€hrlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Haftbefehle hatte die Bundespolizei zunĂ€chst nicht, es gehe um die Sicherstellung von Beweisen, wie es hieĂ. Die MaĂnahmen sind der Auftakt fĂŒr weitere Ermittlungen. Es sollen auch beschlagnahmte Handys, Computer und Unterlagen ausgewertet werden.
«Dieser offenbar geplante Gewaltexzess muss deutliche strafrechtliche Konsequenzen haben», wurde Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in einer Mitteilung zitiert. «Derartige Gewaltexzesse können lebensgefĂ€hrlich sein - im Bahnverkehr erst recht. Solche GewalttĂ€ter machen den FuĂball kaputt. Sie schaden unbeteiligten Fans, den Vereinen und der Allgemeinheit», fĂŒgte sie hinzu.
Bundespolizei spricht bei Angriff auf Zug von organisierten TĂ€tern
Der volle Zug mit Hunderten Fans aus Essen war am 26. Oktober 2024 zwischen Berlin und Rostock nahe dem Ort Gransee in Brandenburg durch eine Notbremsung gestoppt worden. Vermummte und aggressive TĂ€ter griffen daraufhin den stehenden Zug an. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch, auch auĂerhalb der Waggons soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein.
In dem extra fĂŒr das Spiel organisierten Sonderzug hĂ€tten 780 Menschen gesessen, darunter auch Familien. Kurz nach der Tat hatte die Polizei, einen 20 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg als VerdĂ€chtigen identifiziert. Am Zug ist nach Angaben der Sprecherin der Bundespolizei ein Schaden in Höhe von 118.000 Euro entstanden.Â
Fans von Hansa Rostock schon mehrfach negativ in den Schlagzeilen
Vor allem die Rostocker Fans waren in der jĂŒngeren Vergangenheit mehrfach durch Ausschreitungen negativ in die Schlagzeilen geraten. Der Verein hatte sich immer wieder von verschiedenen gewalttĂ€tigen VorfĂ€llen seiner Fans nach Heim- und AuswĂ€rtsspielen distanziert.Â
Auch die Politik hatte immer wieder mit Entsetzen auf die Ausschreitungen reagiert. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) erwartete von Hansa Rostock nach dem ZusammenstoĂ der Fans deutliche Konsequenzen fĂŒr die TĂ€ter und betonte: «Erneut hat eine kleine Gruppe von Kriminellen, die den Volkssport FuĂball fĂŒr ihre Lust auf Gewalt missbraucht, einen groĂen Schaden fĂŒr den Verein, die Stadt und unser Land angerichtet.»





