Warnstreik im NRW-Nahverkehr hÀlt an
06.03.2024 - 06:35:03Bereits zum Auftakt am Dienstag waren infolge von Arbeitsniederlegungen in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben die StraĂenbahnen und U-Bahnen in den Depots geblieben. Nur ein kleiner Teil der Linienbusse fĂ€hrt erfahrungsgemÀà in den Streikregionen, die ohnehin von privaten Subunternehmen betrieben werden.
Der Warnstreik sei am Mittwoch planmĂ€Ăig fortgesetzt worden, sagte Frank-Michael Munkler vom Verdi-Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen der Deutschen Presse-Agentur am Morgen. Die Streikbeteiligung ist nach den Angaben des Gewerkschaftsvertreters weiter hoch. Seit Streikbeginn fand keine Arbeitsaufnahme statt, sagte Munkler. Verdi-Vertrauensmann Lars GrĂŒning bei den Dortmunder Stadtwerken DSW21 Ă€uĂerte sich Ă€hnlich. "Die Beteiligung ist sehr hoch", sagte er. "Viele sind willig zu kĂ€mpfen fĂŒr das, was sie haben wollen."
Die Gewerkschaft erwartet zu einer Kundgebung in Dortmund am Mittwochvormittag (11 Uhr) auf dem Friedensplatz etwa 3500 Teilnehmer aus den Streikregionen, sagte Verdi NRW-Nahverkehrsexperte Peter BĂŒddicker der dpa. Der zweitĂ€gige Warnstreik ende am Mittwochabend oder in der Nacht zum Donnerstag mit dem jeweiligen Schichtende.
Hintergrund des weiteren zweitĂ€gigen Warnstreiks in NRW sind die Tarifverhandlungen ĂŒber die Arbeitsbedingungen der landesweit etwa 30 000 BeschĂ€ftigten in den kommunalen Verkehrsbetrieben. Zwei Verhandlungsrunden waren ergebnislos geblieben. Verdi NRW fordert unter anderem zusĂ€tzliche freie Tage, um die BeschĂ€ftigten zu entlasten und die Berufe attraktiver zu gestalten. Es herrsche ein dramatischer ArbeitskrĂ€ftemangel. TĂ€glich fielen in allen Tarifbereichen Busse und Bahnen aus, weil es nicht genug Personal gebe
Der Arbeitgeberverband KAV NRW hat in dem Tarifkonflikt auf Landesebene auf einen engen Finanzspielraum und darauf verwiesen, dass die GehĂ€lter zum 1. MĂ€rz wie vor lĂ€ngerer Zeit vereinbart deutlich stiegen. ZusĂ€tzliche freie Tage wĂŒrden bei dem Fahrermangel dazu fĂŒhren, dass die dann noch vorhandenen Fahrer mehr belastet wĂŒrden. Der Verband zeigte sich optimistisch, in der dritten Verhandlungsrunde ein "Gesamtpaket" vereinbaren zu können. Die Tarifverhandlungen sollen am 11. und 12. MĂ€rz fortgesetzt werden.
In den vergangenen Wochen hatte Verdi NRW bereits zu zwei eintĂ€gigen Warnstreiks Anfang und Mitte Februar sowie zu einem zweitĂ€gigen Warnstreik Ende Februar/Anfang MĂ€rz im kommunalen NRW-Nahverkehr aufgerufen. UnabhĂ€ngig von diesem Tarifkonflikt beginnt die LokfĂŒhrergewerkschaft GDL am Donnerstag um 2 Uhr im Personenverkehr der Deutschen Bahn bundesweit einen 35-Stunden-Streik, der bis Freitag 13 Uhr reichen soll.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, Jochen Ott, hat angesichts der andauernden Streiks im Nahverkehr, bei der Bahn und an FlughĂ€fen vor einer schwindenden UnterstĂŒtzung der Ăffentlichkeit gewarnt. Jeder GewerkschaftsfĂŒhrer mĂŒsse sich gut ĂŒberlegen, wann der Punkt komme, wo er die breite UnterstĂŒtzung der Ăffentlichkeit verliere, sagte er am Dienstag. Der SPD-Politiker vermutete bei der GDL und der Bahn mangelnden Einigungswillen. Das sei bei Verdi anders. Er sei ĂŒberzeugt, dass in den Tarifkonflikten im Nahverkehr und an den FlughĂ€fen die Einigungsbereitschaft deutlich höher ausgeprĂ€gt sei.
Der Wirtschaftswissenschaftler Jens SĂŒdekum sieht in den Streiks "Vorboten am Arbeitsmarkt". Angesichts des ArbeitskrĂ€ftemangels und des demografischen Wandels sei klar: "Der Faktor Arbeit wird knapper, wird dadurch wertvoller, hat dadurch auch höhere Macht in Tarifverhandlungen." Die MachtverhĂ€ltnisse auf dem Arbeitsmarkt drehten sich inzwischen ein StĂŒck weit, sagte der Professor fĂŒr Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf. SĂŒdekum war am Dienstag Gast bei der SPD-Landtagsfraktion.

