Produktion/Absatz, Zusammenfassung

RĂŒckenwind fĂŒr Deutsche Post nach Bundesratsvotum

02.02.2024 - 15:14:17 | dpa.de

Im Streit um eine Steuererleichterung fĂŒr die Deutsche Post DE0005552004 hat der Bonner Konzern RĂŒckenwind aus dem Bundesrat bekommen.

Die LĂ€nderkammer bezog am Freitag Position zur Reform des Postgesetzes, die bis April abgeschlossen sein soll. Ein strittiger Punkt ist die Frage, ob die Post bei einem großen Teil ihres BriefgeschĂ€fts mit Firmenkunden von der Mehrwertsteuer befreit wird. Dadurch kĂ€men kleine Briefkonkurrenten des Gelben Riesen unter Druck. Aus den BundeslĂ€ndern war Kritik lautgeworden. Doch ein Vorschlag, besagte Steuererleichterung aus dem Gesetzestext zu streichen, fand am Freitag in der LĂ€nderkammer keine Mehrheit. Daher kann sich die Bundesregierung in diesem Punkt bestĂ€tigt sehen. Bald ist der Bundestag bei der Reform am Zug.

Die Steuererleichterung kĂ€me nur der Post zugute, da sie ein sogenannter Universaldienstleister ist. Im BriefgeschĂ€ft, das angesichts verĂ€nderter Kommunikationsgewohnheiten im Digitalzeitalter schrumpft, hat der Bonner Konzern einen Marktanteil von circa 85 Prozent. Die kleinen Konkurrenten, zu denen Citipost aus Hannover, PostModern aus Dresden und die Pin AG aus Berlin gehören, mĂŒssten laut Reformvorschlag der Bundesregierung hingegen weiter Mehrwertsteuer berechnen. Unternehmen aus bestimmten Branchen können diese Umsatzsteuer zwar spĂ€ter steuerlich geltend machen und bekommen sie gewissermaßen zurĂŒck. Finanzdienstleister, Behörden und gemeinnĂŒtzige Organisationen sind hingegen nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

Das Bundesfinanzministerium hatte 2010 geschĂ€tzt, dass es in dem Briefbereich, um den es hier in Bezug auf die Post geht, pro Jahr um Steuereinnahmen von 300 Millionen Euro ging. Neuere Ministeriumsangaben lagen nicht vor. Nach aktuellen Angaben der Post ist der Betrag hingegen deutlich niedriger, zumal die Behörden, die ihre Briefe mit der Post verschicken, dann keine Mehrwertsteuer zahlen mĂŒssten. Der Staat bekĂ€me auf der einen Seite also weniger Einnahmen, wĂŒrde auf der anderen Seite aber entlastet.

Der Streit um die Frage, ob die sogenannten Teilleistungen von der Mehrwertsteuer befreit sind oder nicht, ist schon vor Gericht gelandet. Das Kölner Finanzgericht entschied 2021, dass dieser GeschĂ€ftsbereich mehrwertsteuerbefreit sein solle. RechtskrĂ€ftig ist diese Entscheidung aber noch nicht. Der Bonner Konzern weist zudem darauf hin, dass EU-Regeln eine entsprechende Steuerbefreiung vorsĂ€hen und der nationale Gesetzgeber daher ohnehin keinen Handlungsspielraum habe. "Im enorm schrumpfenden Briefmarkt ist ein zuverlĂ€ssiger, erschwinglicher und sozial-ökologischer Universaldienst auf entlastende Rahmenbedingungen angewiesen", heißt es von dem Bonner Logistiker.

Unmut ĂŒber die Postgesetz-Reform gibt es auch bei Zeitschriftenverlegern. Diese befĂŒrchten, dass sich die ZustellqualitĂ€t als Folge der Reform vermindert und viele Abonnenten ihre gedruckten Zeitschriften nicht mehr am Erscheinungstag, sondern verspĂ€tet bekommen. Dem Reformvorschlag zufolge soll die Post kĂŒnftig weniger Zeitdruck haben als bisher - dadurch werden die Sendungen durchschnittlich lĂ€nger unterwegs sein als bisher.

Wegen schlechter ZustellqualitĂ€t verliere man schon jetzt Abonnenten, sagt der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Medienverbands der freien Presse (MVFP), Stephan Scherzer. Die Zahl der Beschwerden nehme dann massiv zu. Diese besonders treuen Kunden seien hochsensibel, wenn ihre Lieblingszeitschrift einen Tag oder zwei Tage spĂ€ter kommt als erwartet. Scherzer moniert, dass der Wettbewerbsvorteil der Post gegenĂŒber den privaten Anbietern im BriefgeschĂ€ft noch ausgebaut werde. "Das ist nicht nachvollziehbar."

Die Post betont hingegen, dass es weiterhin eine Zustellung an jedem Werktag geben werde. Zudem sollen Kunden die Möglichkeit bekommen, dass ihre Sendungen schon am nĂ€chsten Tag zugestellt werden - dies gewissermaßen als teureres Premiumprodukt, das nach Darstellung der Post einen "erschwinglichen Preis" haben soll. "Dass eine solche schnellere Zustellung mehr kosten wird als eine langsamere, liegt auf der Hand und wird mittlerweile in den meisten EU-Staaten so praktiziert", sagt ein Postsprecher.

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