Deutschland, Hamburg

Worum es beim Nordsee-Gipfel geht

26.01.2026 - 04:30:09

Im Wahlkampf hatte Merz WindrÀder noch als «hÀsslich» bezeichnet. Als Kanzler will er den Ausbau solcher Anlagen nun vorantreiben. Dazu hat er zu einem Gipfeltreffen nach Hamburg eingeladen.

  • Die Nordsee soll zum «grĂŒnen Kraftwerk» Europas werden. - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • Davos, BrĂŒssel, Rom - und nun Hamburg: Kanzler Merz ist der Gastgeber des Nordsee-Gipfels. - Foto: Christian Charisius/dpa

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  • Windparks auf See sollen besser miteinander vernetzt werden. - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • Der Kanzler hat sich WindrĂ€der schon aus der NĂ€he angeschaut, kann Ă€sthetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. - Foto: Friso Gentsch/dpa

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  • DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Frederiksen zĂ€hlt zu den interessantesten GĂ€sten de Kanzlers. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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  • So fing alles an: In Esbjerg, DĂ€nemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. - Foto: Sem Van Der Wal/ANP/dpa

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Die Nordsee soll zum «grĂŒnen Kraftwerk» Europas werden. - Foto: Sina Schuldt/dpaDavos, BrĂŒssel, Rom - und nun Hamburg: Kanzler Merz ist der Gastgeber des Nordsee-Gipfels. - Foto: Christian Charisius/dpaWindparks auf See sollen besser miteinander vernetzt werden. - Foto: Sina Schuldt/dpaDer Kanzler hat sich WindrĂ€der schon aus der NĂ€he angeschaut, kann Ă€sthetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. - Foto: Friso Gentsch/dpaDĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Frederiksen zĂ€hlt zu den interessantesten GĂ€sten de Kanzlers. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaSo fing alles an: In Esbjerg, DĂ€nemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. - Foto: Sem Van Der Wal/ANP/dpa

Bei einem Nordsee-Gipfel in Hamburg wollen Deutschland und andere Anrainerstaaten am Montag den Ausbau von Windkraftanlagen vor den KĂŒsten weiter vorantreiben. Die Nordsee solle zum «grĂ¶ĂŸten Reservoir fĂŒr saubere Energie weltweit» werden, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Gastgeber des dritten Treffens dieser Art als Ziel ausgegeben. Kleiner DĂ€mpfer: Mit Frankreich und Großbritannien sind zwei wichtige Anrainer nicht auf Spitzenebene dabei. 

Warum es die Nordsee-Gipfel ĂŒberhaupt gibt

Als Reaktion auf den Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fand 2022 in Esbjerg in DĂ€nemark der erste Nordsee-Gipfel mit zunĂ€chst nur vier Staats- und Regierungschefs statt. Es ging vor allem darum, Gas- und Öl-Lieferungen aus Russland so schnell wie möglich mit Hilfe erneuerbarer Energien zu ersetzen. «Jetzt ist der Zeitpunkt fĂŒr den Aufbruch, und jetzt brechen wir auf», sagte Bundeskanzler Olaf Scholz damals. 

Wer diesmal alles dabei ist

Zum zweiten Nordsee-Gipfel im belgischen Ostende kamen acht Staats- und Regierungschefs, in Hamburg werden es jetzt neben Merz nur noch fĂŒnf weitere sein: Mette Frederiksen (DĂ€nemark), Bart De Wever (Belgien), Dick Schoof (Niederlande), Jonas Gahr StĂžre (Norwegen) und Luc Frieden aus Luxemburg, das zwar keine KĂŒste hat, aber trotzdem dabei sein darf. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hat nach Angaben aus dem ÉlysĂ©e-Palast aus TermingrĂŒnden abgesagt und auch der britische Premierminister Keir Starmer steht nicht auf der Teilnehmerliste. 

Was auf dem Programm steht

Die Energieminister haben ihre Beratungen schon am Sonntagabend begonnen, am Montagmittag empfÀngt Merz die Regierungschefs dann auf dem Mehrzweckschiff «Neuwerk» im Hamburger Hafen, bevor es zu den eigentlichen Beratungen ins Rathaus geht. Das Forschungsschiff «Atair», das Merz mit seinen GÀsten eigentlich besichtigen wollte, konnte witterungsbedingt nicht in den Hamburger Hafen einlaufen. 

Wie der Gastgeber zur Windenergie steht

Als Kanzler preist Merz nun zwar Windkraftanlagen in der Nordsee an. Im Wahlkampf hatte er sich aber noch abschĂ€tzig zu dieser Art der Energiegewinnung geĂ€ußert. «Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die WindkraftrĂ€der wieder abbauen können, weil sie hĂ€sslich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen», sagte er im November 2024 im ZDF. Im Koalitionsvertrag mit der SPD wurde der Ausbau der Windkraft und auch die Kooperation mit den anderen Nordseeanrainern dann aber fest verankert.

Was das Ziel beim Ausbau der Winderenergie ist

Beim Nordsee-Gipfel 2023 wurde beschlossen, die Nordsee zum «grĂŒnen Kraftwerk fĂŒr Europa» auszubauen. Ziel ist, bis 2050 gemeinsam bis zu 300 Gigawatt (GW) Leistung in der Nordsee zu installieren. Davon ist man aber noch weit entfernt. Stand Oktober 2025 haben die Staaten ungefĂ€hr 35 GW Leistung installiert, wie das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie mitteilte. Das entspricht rund einem Zehntel des Ausbauziels. Die grĂ¶ĂŸte KapazitĂ€t hat Großbritannien mit rund 15 GW Leistung. Auf Deutschland entfallen 7,3 GW und auf die Niederlande 4,5 GW. 

Was in Hamburg konkret erreicht werden soll

Die Kooperation der Teilnehmerstaaten im Energiebereich soll durch insgesamt sechs Abkommen ausgebaut werden. Vor allem sollen bessere Investitionsbedingungen fĂŒr die Offshore-Windenergie geschaffen werden. Zum anderen soll es um eine grenzĂŒberschreitende Planung und Finanzierung von Windparks auf See und den dazugehörigen Stromnetzen gehen. 

Entstehen sollen sogenannte «hybride Interkonnektoren»: Sie verbinden nicht nur zwei LĂ€nder direkt miteinander, sondern vernetzen zusĂ€tzlich auch nationale Offshore-Windparks. Windenergie soll so besser in das europĂ€ische Stromsystem integriert werden und die KapazitĂ€ten fĂŒr den internationalen Stromtransport erhöht werden. 

Welche Bedenken es gibt

Die UmweltverbĂ€nde fordern, dass der Ausbau der Windkraft nicht zulasten der Natur gehen darf. «Einige Akteure haben beim Ausbau der Windenergie auf See das Maß verloren», sagt der Meeresexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Kim Detloff. «Ökologische Auswirkungen von massiven Lebensraumverlusten vieler Seevögel bis zu irreversiblen VerĂ€nderungen des Ökosystems Nordsee drohen unbeherrschbar zu werden.» Das Narrativ des «Kraftwerks Nordsee» sei fatal.

Warum es auch um Sicherheitspolitik geht 

Die Energieinfrastruktur in der Nordsee muss auch geschĂŒtzt werden. Mögliche hybride Angriffe darauf wĂŒrden vermutlich nicht einzelne WindrĂ€der zum Ziel haben, «sondern die Kabelverbindungen zwischen einem gesamten Windpark und dem Land, die Konverterstationen oder Trafos oder die Anlandestationen an der KĂŒste», warnt Henrik Schilling vom Institut fĂŒr Sicherheitspolitik an der UniversitĂ€t Kiel (ISPK). Er fordert eine gemeinsame und umfassende Strategie der Anrainerstaaten zur Abschreckung und Abwehr möglicher Angriffe. Auch sollten die ReparaturkapazitĂ€ten ausgebaut und private Akteure besser mit den staatlichen Stellen vernetzt werden. 

Was sonst noch Thema sein könnte

Der Gipfel bietet auch Gelegenheit, ĂŒber Themen zu sprechen, die nicht direkt mit der Nordsee zu tun haben. Mit der dĂ€nischen MinisterprĂ€sidentin Frederiksen könnte zum Beispiel noch einmal die Grönland-Krise thematisiert werden. Allerdings ist die Krise in der vergangenen Woche von den USA entschĂ€rft worden und mit den Konsequenzen hat sich am Freitag bereits ein EU-Gipfel befasst. Frederiksen und der belgische MinisterprĂ€sident De Wever werden jedenfalls an der Pressekonferenz von Gastgeber Merz teilnehmen, weil in ihren LĂ€ndern die vergangenen beiden Gipfel stattgefunden haben.

@ dpa.de

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