EuropÀischer Haftbefehl wegen Nord-Stream-Anschlag
14.08.2024 - 12:04:28Dies sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft in Warschau der Deutschen Presse-Agentur.
Bei dem VerdĂ€chtigen handelt es sich demnach um Wolodymyr Z., einen ukrainischen StaatsbĂŒrger, der sich zuletzt in Polen aufhielt. Die Ermittler hĂ€tten ihn jedoch an seinem Wohnort nicht angetroffen, sagte die Sprecherin der polnischen Generalstaatsanwaltschaft weiter. "Der Mann hat Anfang Juli die Grenze zwischen Polen und der Ukraine ĂŒberquert."
Kein Eintrag in Schengen-Liste der Gesuchten
Möglich sei dies gewesen, weil von deutscher Seite kein Eintrag in das Schengen-Register erfolgt sei, in dem die mit EuropĂ€ischem Haftbefehl Gesuchten gefĂŒhrt werden. "Wolodymyr Z. hat die polnisch-ukrainische Grenze ĂŒberquert, bevor es zur Festnahme kam, und der polnische Grenzschutz hatte weder die Informationen noch die Grundlage, um ihn festzunehmen, da er nicht als Gesuchter aufgelistet war", sagte die Sprecherin.
Zuvor hatten "Die Zeit", ARD und die "SĂŒddeutsche Zeitung" berichtet, dass der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in dem Sabotagefall einen Haftbefehl erwirkt hatte. "Wir kommentieren die Medienberichte nicht", sagte dazu eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums in Berlin. Die Bundesanwaltschaft war zunĂ€chst nicht fĂŒr eine Stellungnahme zu erreichen.
Die beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wurden am 26. September 2022 durch mehrere Sprengungen beschÀdigt und unterbrochen. Die Explosionen wurden in der NÀhe der dÀnischen Ostsee-Insel Bornholm registriert und wenig spÀter vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen der Nord-Stream-Pipelines entdeckt. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland. Nord Stream 2 war wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der folgenden politischen Streitigkeiten noch nicht in Betrieb. Die Behörden mehrerer LÀnder nahmen Ermittlungen in dem Fall auf. Mittlerweile stellten DÀnemark und Schweden die Verfahren allerdings ein. Zu den TÀtern kursierten lange mehrere Spekulationen.
Weitere VerdÀchtige
Nach Recherchen der drei Medien stehen auch zwei weitere ukrainische Staatsangehörige unter Tatverdacht - darunter eine Frau. Den Berichten zufolge sollen sie an den AnschlĂ€gen beteiligt gewesen sein. Sie könnten als Taucher die SprengsĂ€tze an den Pipelines angebrachten haben, hieĂ es weiter. Die nun veröffentlichten Informationen stĂŒtzen sich demnach auch auf "Hinweise eines auslĂ€ndischen Nachrichtendienstes".
Bisherige Ermittlungen hatten eine Segeljacht im Visier gehabt, auf der im Juli 2023 Sprengstoffspuren entdeckt wurden. Es wurde vermutet, dass die "Andromeda" möglicherweise zum Transport des Sprengstoffs fĂŒr die Sabotage zum Einsatz kam.

