Studie, Brandmauer

Studie: Brandmauer zu AfD in Kommunen hat Risse, steht aber

14.09.2024 - 12:17:32

Immer wieder ist von einer Brandmauer die Rede, wenn Parteien ihre Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD betonen. Forscher haben nun untersucht, wie fest die Mauer in den Ost-Kommunen steht.

Die viel zitierte Brandmauer der etablierten Parteien zur AfD hat laut einer Studie in den Kommunen zwar Risse bekommen, steht aber weitgehend. Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in der Untersuchung ĂŒber das Abstimmungsverhalten in Kommunalparlamenten ostdeutscher BundeslĂ€nder. Der Begriff Brandmauer meint die Absage etablierter Parteien an jede Zusammenarbeit mit der AfD. 

Die Studie wurde am Samstag publik gemacht. «Insgesamt ist die Brandmauer weitaus stabiler, als vielfach vermutet wird», sagte der Co-Autor der Studie, Wolfgang Schroeder, dazu der «SĂŒddeutschen Zeitung». «Die Normalisierungstaktik der AfD funktioniert nicht.»

Schroeder und seine Kollegen Daniel Ziblatt und Florian Borchert nahmen 2.452 Sitzungen der Parlamente in Landkreisen und kreisfreien StĂ€dten von Mitte 2019 bis Mitte 2024 in allen ostdeutschen BundeslĂ€ndern unter die Lupe. Dort stellte die AfD 2.348 AntrĂ€ge. Demnach erhielt sie in rund 80 Prozent der FĂ€lle keinerlei UnterstĂŒtzung. In rund 20 Prozent (484 FĂ€lle) wurde nachgewiesen, dass inhaltlich mit der AfD kooperiert wurde. In etwa 10 Prozent (244 FĂ€lle) kam es zu einer Kooperation, bei der mindestens fĂŒnf Nicht-AfD-Abgeordnete der AfD zustimmten. 

«Die Kommunalpolitik ist geprĂ€gt von der Suche nach Konsens. Da sind 20 Prozent Zustimmung nicht viel», erklĂ€rte Schroeder. Die Zustimmung zu AfD-Vorhaben sei im Laufe der Jahre nicht mehr geworden. Die Zahlen seien sogar etwas zurĂŒckgegangen.

Erhebliche regionale Unterschiede - ThĂŒringen Schlusslicht

Der Studie zufolge macht es auch einen großen Unterschied, ob die AfD ihren Antrag etwa zu Verkehrsfragen stellte (recht hohe Zustimmung der anderen) oder zu Asyl, Migration oder Sicherheit (niedrige Zustimmung). «Die Kommunalpolitiker in den Kreistagen und kreisfreien StĂ€dten können offenbar gut unterscheiden, an welchen Stellen sie ausnahmsweise mit der AfD stimmen und wo nicht», sagte Schroeder. 

Regional fanden die Forscher erhebliche Unterschiede. Die meiste Kooperation gebe es nicht unbedingt in Regionen mit der stĂ€rksten AfD-PrĂ€senz. Die höchste Kooperationsrate wurde laut Studie in Sachsen-Anhalt registriert, wo 27,0 Prozent der AfD-AntrĂ€ge UnterstĂŒtzung anderer Parteien fanden. In Sachsen wurde der zweithöchste Wert mit 22,4 Prozent gemessen. Es folgen Mecklenburg-Vorpommern mit 19,4 Prozent und Brandenburg mit 18,3 Prozent sowie ThĂŒringen mit 16,0 Prozent. Die Forscher konstatierten ferner in lĂ€ndlichen Regionen eine höhere Zustimmungsrate zu AfD-AntrĂ€gen als in StĂ€dten. 

In EinzelfÀllen gehörten zu den Kooperierenden auch Abgeordnete von Splitterparteien wie beispielsweise der rechtsextremen Die Heimat (Ex-NPD). In den meisten FÀllen konnte aber nicht bestimmt werden, welche Partei mit der AfD kooperierte, da Abstimmungsergebnisse auf Kreisebene nicht nach Fraktionen festgehalten werden.

@ dpa.de