WHO, Impfskepsis

WHO 'extrem besorgt' ĂŒber wachsende Impfskepsis

15.07.2025 - 06:21:12

Impfskepsis und einbrechende Entwicklungshilfe etwa fĂŒr Impfkampagnen sind nach EinschĂ€tzung der Weltgesundheitsorganisation WHO eine große Gefahr fĂŒr die Gesundheit der Weltbevölkerung.

"Wir sind extrem besorgt ĂŒber Fehl- und Desinformation zu Impfungen", sagt Kate O'Brien, Direktorin der WHO-Impfabteilung. Auch die schrumpfenden Hilfsgelder seien "extrem problematisch", sagte O'Brien bei der Vorlage des jĂ€hrlichen Berichts ĂŒber die Impfraten weltweit von WHO und dem UN-Kinderhilfswerk Unicef.

Das weitaus grĂ¶ĂŸte Hindernis fĂŒr umfassenden Impfschutz bei Kindern seien Konflikte sowie die Schwierigkeit, Kinder in sehr abgelegenen Regionen zu erreichen. Im vergangenen Jahr hĂ€tten 14,3 Millionen Kinder im ersten Lebensjahr keine einzige Impfung erhalten, heißt es in dem Bericht. Im Jahr davor waren es 14,4 Millionen.

Schon im vergangenen Jahr hĂ€tten Mittel gefehlt, um arme LĂ€nder mit Impfkampagnen zu unterstĂŒtzen. Die teils drastischen KĂŒrzungen von Entwicklungshilfe in diesem Jahr - durch die USA und viele andere LĂ€nder - dĂŒrfte verheerende Auswirkungen haben, fĂŒrchten WHO und Unicef.

Impfskepsis bringt Kinder in Gefahr

Auf die Haltung des als Impfskeptiker angesehenen US-Gesundheitsministers Robert Kennedy wollen Expertinnen und Experten nicht direkt eingehen. Sie verweisen aber auf die wichtige Rolle von Politikern sowie religiösen oder anderen Leitfiguren, um das Vertrauen in seit Jahrzehnten ĂŒberwachte und geprĂŒfte Impfstoffe zu stĂ€rken, nicht zu schwĂ€chen. "In gut 50 Jahren sind 150 Millionen Menschenleben durch Impfstoffe gerettet worden", sagt Ephrem Lemango von Unicef. Er rief alle Minister auf, deutlich zu machen, dass "Killerkrankheiten" wie Masern durch Impfungen verhindert werden können.

Das WHO-RegionalbĂŒro Europa und Unicef warnen, dass NachlĂ€ssigkeiten beim Impfen die kindliche Gesundheit gefĂ€hrdeten und eine weitere Ausbreitung etwa von Masern und Keuchhusten begĂŒnstigten. Die Impfraten gegen solche Krankheiten seien in der Region mit 53 LĂ€ndern bis nach Zentralasien 2024 leicht rĂŒcklĂ€ufig gewesen und unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit geblieben. Es gebe deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen LĂ€ndern.

Deutlich mehr Masern-AusbrĂŒche

Weltweit stieg die Abdeckung mit einer zweiten Masern-Impfdosis dagegen sehr leicht auf 76 Prozent. 30 Millionen Kinder weltweit seien allerdings nicht ausreichend gegen die gefĂ€hrliche Krankheit geschĂŒtzt. Die Impfrate mĂŒsste in jeder Region und jedem Land bei mindestens 95 Prozent liegen, um AusbrĂŒche zu verhindern, so die WHO. 2024 erlebten 60 LĂ€nder starke AusbrĂŒche. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2022. In manchen LĂ€ndern seien AusbrĂŒche auf verbreitete Impfskepsis zurĂŒckzufĂŒhren, sagte O'Bien. Wie viele TodesfĂ€lle das verursache, sei schwer zu schĂ€tzen. 2023 habe es weltweit nach SchĂ€tzungen mehr als 107.000 TodesfĂ€lle durch Masern gegeben.

"Impfungen retten Leben, und wenn die Abdeckung sinkt, breiten sich Krankheiten aus", erklĂ€rte Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor Europa. Allein im vergangenen Jahr seien fast 300.000 Menschen in der Europa-Region an Keuchhusten erkrankt sowie mehr als 125.000 an Masern, was einer Verdreifachung beziehungsweise Verdopplung der Werte des Vorjahres entspreche. Er rief die LĂ€nder auf, ihre lokalen Gesundheitssysteme zu stĂ€rken, die VerfĂŒgbarkeit von Impfstoffen ĂŒberall sicherzustellen sowie Fehlinformationen zu bekĂ€mpfen.

Erfolgsgeschichte HPV-Impfung

Weltweit sind die Impfraten nach dem Bericht 2024 leicht gestiegen, so die WHO. Rund 85 Prozent der SĂ€uglinge hĂ€tten drei Dosen der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP - P fĂŒr Pertussis, also Keuchhusten) bekommen. Das waren insgesamt 109.000 SĂ€uglinge. Im Jahr davor sei es marginal weniger gewesen. Die DTP-Impfung gilt als wichtiger Indikator fĂŒr die weltweite Durchimpfung. In Deutschland empfiehlt die StĂ€ndige Impfkommission (Stiko) fĂŒr Kinder unter anderem auch Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Tetanus, Windpocken, und humane Papillomaviren (HPV).

Die HPV-Impfung, die GebĂ€rmutterhalskrebs vorbeugt, sei weltweit eine Erfolgsgeschichte, sagte O'Brien. Der Anteil junger MĂ€dchen, die die Impfung erhielten, sei weltweit um vier Prozentpunkte auf 31 Prozent gestiegen. Der Erfolg gehe vor allem darauf zurĂŒck, dass Nigeria und Bangladesch den Schutz vor HPV in ihre Routine-Impfungen aufgenommen haben. 2019 hatten erst 17 Prozent der Teenager die Impfung bekommen. Ziel bis 2030 ist es, 90 Prozent zu erreichen.

@ dpa.de