Wohnungsbau, Wohnungen

«AbwĂ€rts-Sog»: Immer weniger Baugenehmigungen fĂŒr Wohnungen

18.08.2023 - 12:48:07

In Deutschland fehlen geschĂ€tzt Hunderttausende Wohnungen - das treibt die Mieten hoch. Doch wegen des Zinsanstiegs halten sich Bauherren zurĂŒck und der AbwĂ€rtstrend geht weiter.

Die Krise im Wohnungsbau in Deutschland droht sich zu verschĂ€rfen. Die Zahl der Baugenehmigungen fĂŒr Wohnungen ist im ersten Halbjahr um rund ein Viertel eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Die Zahlen bedeuten schlechte Vorzeichen im Kampf gegen den Wohnungsmangel und steigende Mieten gerade in StĂ€dten. Bau- und ImmobilienverbĂ€nde forderten einen Neustart in der Wohnbaupolitik. Bauministerin Klara Geyitz (SPD) sprach sich derweil fĂŒr weniger Vorschriften und serielles Bauen aus.

Baugenehmigungen brechen ein

Von Januar bis Juni wurde laut Statistischem Bu-ndesamt der Bau von 135.200 Wohnungen bewilligt - 27,2 Prozent oder 50.600 weniger als ein Jahr zuvor. Allein im Juni sank die Zahl der Baugenehmigungen um 28,5 Prozent auf 21.800. Darin sind sowohl die Bewilligungen fĂŒr Wohnungen in neuen GebĂ€uden als auch Umbauten enthalten.

Mit den neuen Zahlen setzte sich der starke AbwĂ€rtstrend der vergangenen Monate fort. «Zum RĂŒckgang der Bauvorhaben dĂŒrften weiterhin vor allem steigende Baukosten und zunehmend schlechtere Finanzierungsbedingungen beigetragen haben», erklĂ€rten die Statistiker in Wiesbaden.

Schrumpfende Zahlen in allen Bereichen

RĂŒckgĂ€nge bei den Baugenehmigungen gab es bei allen GebĂ€udearten. In neu zu errichtenden WohngebĂ€uden wurden demnach im ersten Halbjahr 111.500 Wohnungen genehmigt - fast 31 Prozent oder 49.600 weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei ging die Zahl der Baugenehmigungen fĂŒr EinfamilienhĂ€user um gut ein Drittel (minus 35,4 Prozent) zurĂŒck. Bei den ZweifamilienhĂ€usern sank die Zahl genehmigter Wohnungen gar um ĂŒber die HĂ€lfte (minus 53,4 Prozent). Auch bei der GebĂ€udeart mit den meisten Wohnungen, den MehrfamilienhĂ€usern, schrumpfte die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich - hier um gut ein Viertel.

Der jahrelang boomende Wohnungsbau ist wegen des starken Zinsanstiegs und teurerer Materialien abrupt ins Stocken geraten. Geywitz hat eingerÀumt, dass die Ampel-Koalition ihr Ziel von jÀhrlich 400.000 neuen Wohnungen verfehlen wird. Immobilien- und BauverbÀnde rechnen dieses Jahr nur mit rund 245.000 neuen Wohnungen.

Geywitz versucht gegenzusteuern

Um den Wohnungsbau anzukurbeln, hatte Geywitz kĂŒrzlich deutlich erweiterte Steueranreize im Wohnungsbau vorgeschlagen. Doch die Finanzierung ist noch ungeklĂ€rt. Geywitz sieht die VorschlĂ€ge als Teil des geplanten Wachstumschancengesetzes von Finanzminister Christian Lindner (FDP). Die Verabschiedung im Bundeskabinett hat sich aber wegen einer Blockade in der Ampel-Koalition verschoben.

Geywitz will ferner technische Regelwerke entschlacken, wie sie der «Leipziger Volkszeitung» sagte. «Wir mĂŒssen wieder einfacher bauen in Deutschland und den Kostenanstieg dĂ€mpfen.» Auch setzt sie auf Vorfertigung am Bau. «Serieller Wohnungsbau ist eine Möglichkeit, schnell Wohnungen zu errichten.»

Immobilienwirtschaft appelliert an Politik

Die Immobilienwirtschaft forderte schnelle Hilfen der Politik. «Es braucht zwingend einen Neustart der Wohnungsbaupolitik», sagte Andreas Mattner, PrĂ€sident des Zentralen Immobilien-Ausschusses, mit Blick auf die Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg Ende August. Er forderte unter anderem ein Aussetzen der Grunderwerbsteuer und ein großvolumiges Kreditprogramm der Förderbank Kfw mit gĂŒnstigen Zinsen.

Felix Pakleppa, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Baugewerbeverbands ZDB, verlangte ein starkes Baupaket. «Das Kabinett muss sich in Meseberg entscheiden: Soll die Bauwirtschaft die Konjunktur wieder in die Spur bringen oder mit ihren Betrieben und ArbeitsplĂ€tzen aufs Abstellgleis?» Ähnlich Ă€ußerte sich der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bauindustrieverbands HDB, Tim-Oliver MĂŒller. Der Bau sei «weiter im AbwĂ€rts-Sog». Er sprach sich unter anderem fĂŒr das Aussetzen strenger energetischer Vorgaben bei öffentlichen Förderprogrammen aus.

@ dpa.de