Organspende-ErklÀrung, Deutschland

10-Euro-Sanktion bei fehlender Organspende-ErklÀrung?

22.01.2024 - 15:57:29 | dpa.de

In Deutschland werden weit weniger Organe gespendet als von Todkranken benötigt. Ein neuer Vorschlag zielt darauf ab, dass sich alle erklÀren sollen - anderenfalls soll sich dies im Geldbeutel bemerkbar machen.

Ein Styropor-BehÀlter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen. - Foto: Soeren Stache/dpa
Ein Styropor-BehÀlter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen. - Foto: Soeren Stache/dpa

Angesichts des Mangels an Spenderorganen sollen die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ihre Haltung nach Vorstellungen aus der CSU verpflichtend in das geplante Organspenderegister eintragen mĂŒssen. «Versicherte, die dieser Aufforderung trotz ausreichender Frist nicht nachkommen, sollten einen zusĂ€tzlichen Krankenkassenbeitrag von monatlich 10 Euro bezahlen, bis die Eintragung ins Register erfolgt ist», schrieb der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger in einem Brief an Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor, das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag) berichtete zuerst darĂŒber.

Die Einrichtung eines Organspenderegisters war 2020 beschlossen worden. Nach einigen Verzögerungen soll es voraussichtlich im ersten Quartal 2024 starten. Abschließende TestlĂ€ufe sollten bis Ende Februar, Anfang MĂ€rz abgeschlossen sein, teilte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Montag mit. In dem Register soll man ErklĂ€rungen zu seiner Spendebereitschaft online speichern können. Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sollen mindestens alle zehn Jahre direkt auf das Thema angesprochen werden.

Kassen sollen Menschen auffordern

Pilsinger schlug vor, dass alle Krankenkassen zukĂŒnftig all ihre Versicherten zweimal schriftlich auffordern sollen, ihren Willen zu dokumentieren. Eintragen können soll man neben der Bereitschaft und einem Nein zur Organspende auch «Ich kann mich nicht entscheiden». Pilsinger begrĂŒndete dies damit, «dass es Menschen gibt, die sich nicht fĂŒr oder gegen eine Organspende entscheiden können, weil sie die Dimension dieser Entscheidung aus ihrer kognitiven FĂ€higkeit heraus nicht erfassen können oder weil sie psychisch nicht in der Lage sind, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen».

Skeptische Reaktionen

Auf die vorgeschlagene Sanktionierung reagierten die Krankenkassen ablehnend. «Bei der Diskussion um die Organspende geht es um eine grundlegende gesellschaftliche Frage, bei der ich skeptisch bin, ob monatliche Strafzahlungen, die auch noch zu einem gewaltigen bĂŒrokratischen Mehraufwand fĂŒhren wĂŒrden, der richtige Ansatz wĂ€ren», sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands der «Ärzte Zeitung».

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, verlangte statt neuer VorschlĂ€ge die Umsetzung der gefassten BeschlĂŒsse. «Denn seit vier Jahren gibt es ein auf einem Kompromissvorschlag basierendes Gesetz, das aber nicht umgesetzt wird. Kaum ein BĂŒrgeramt erfĂŒllt hier seine Informationspflicht», sagte Brysch. «Auch sind die Gesundheitsminister von Bund und LĂ€ndern gefordert, das beschlossene Online-Organspenderegister endlich an den Start zu bringen.»

8400 Kranke warten auf Organe

Eine Eintragung in das Register soll nach den Vorstellungen Pilsingers nicht nur bei den Krankenkassen, sondern auch bei Apotheken, Ärzten und ZahnĂ€rzten sowie etwa zu Hause online ermöglicht werden.

Derzeit warten laut Deutscher Stiftung Organtransplantation rund 8400 Menschen in Deutschland auf ein oder mehrere Organe. Im vergangenen Jahr hÀtten 965 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet, 96 mehr als im Jahr zuvor.

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