Förderung, Games

Förderung deutscher Games: LÀnder kritisieren BundesplÀne

21.04.2024 - 14:28:40

In Deutschlands Computerspiele-Branche wĂ€chst die Sorge, dass sich der RĂŒckstand zur auslĂ€ndischen Konkurrenz mangels staatlicher Hilfen vergrĂ¶ĂŸert.

Nachdem der Verband Game Kritik am Förderkurs des Bundeswirtschaftsministeriums verlautbart hatte, machten auch Vertreter aus den BundeslÀndern auf dpa-Anfrage ihr Unbehagen deutlich.

Der Berliner Vorschlag zu neuen Förderregeln wĂ€re "kein RĂŒckenwind fĂŒr die Branche", sagte Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie WĂ€hler). "Ich vermisse den ernsthaften Willen und vollen Einsatz, um den Gamesstandort Deutschland international wettbewerbsfĂ€hig zu machen." NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) monierte, dass die Regeln das Problem fehlender Planungssicherheit nicht lösen wĂŒrden. Auch Hamburgs Mediensenator Carsten Brosda (SPD) Ă€ußerte Kritik.

Die Computer- und Videospielebranche ist im Digitalzeitalter auf Wachstumskurs. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr einer Markterhebung zufolge knapp 5,8 Milliarden Euro fĂŒr Games ausgegeben, ein Plus von sechs Prozent. Allerdings spielen deutsche Spiele nur eine Nebenrolle - einer Ă€lteren SchĂ€tzung zufolge entfallen weniger als fĂŒnf Prozent des Branchenumsatzes auf Games, die in Deutschland entwickelt wurden. Seit 2020 gibt es eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums. 2023 flossen hieraus 70 Millionen Euro in die Branche, 2024 sind 50 Millionen vorgesehen. Wie viel es 2025 wird, ist unklar. Seit Mai 2023 können die Firmen keine neuen AntrĂ€ge einreichen, weil das Geld nur zur Bezahlung bereits bewilligter AntrĂ€ge ausreicht - das Fördergeld wird schrittweise Jahr fĂŒr Jahr ausbezahlt.

Laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie bekommen deutsche Games-Firmen nur knapp ein Viertel der in anderen Staaten ĂŒblichen Fördermittel. Der Chef des Branchenverbandes Game, Felix Falk, mahnt mehr UnterstĂŒtzung an. "Ohne international vergleichbare Förderbedingungen haben wir keine Chance, Deutschland zu einem Leitmarkt fĂŒr Games zu machen." Aber genau das sei eigentlich doch das Ziel der Bundesregierung, sagt der Branchenvertreter.

Inhalt des Eckpunktepapiers

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte unlĂ€ngst Eckpunkte fĂŒr die kĂŒnftigen Förderrichtlinie vorgelegt - auf dieses Papier bezieht sich die Kritik. Es geht unter anderem darum, die Förderung kleiner Studios den BundeslĂ€ndern zu ĂŒberlassen und die Bundesmittel fĂŒr grĂ¶ĂŸere Vorhaben zu reservieren. Außerdem sollen bezuschusste Studios nicht mehr mindestens 25 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen, sondern nur noch 20 Prozent. Über Förderboni kann sich diese Zahl auf das bisherige Niveau erhöhen - etwa wenn ein Game Zusatzfunktionen hat, die Menschen mit Behinderungen helfen. Aus Sicht von Falk wird es durch die Boni-Regeln unnötig kompliziert, in anderen Staaten sei es einfacher. Der Vorschlag zu Förderregeln biete nicht die Planungssicherheit, die die Studios brĂ€uchten.

Aus der Förderung kleiner Gamesentwicklungen will sich das Bundeswirtschaftsministerium verabschieden - nur noch Vorhaben, die mindestens 400 000 Euro kosten, sollen von dem Ministeriumsprogramm bezuschusst werden. "FĂŒr kleine Studios wĂ€re das ein herber Schlag", sagt Game-Chef Falk. Sie hĂ€tten nur noch Anrecht auf separate Gamesförderungen der LĂ€nder. Die summieren sich insgesamt auf rund 17 Millionen Euro pro Jahr und damit viel weniger als das Bundesbudget.

Druck auf BundeslÀnder steigt

Je nachdem wo ein Studio sitzt, könnte es in die Röhre gucken: BundeslĂ€nder wie Hessen machen kaum etwas, Bayern und NRW machen mehr- wirklich groß sind ihre Förderprogramme aber nicht. Bayern hatte2023 ein Förderbudget von 4,4 Millionen Euro. Das Bundesministerium sieht die LĂ€nder nun in der Pflicht, mehr Geld bereitzustellen. Von denen kommt Kritik. Die 400 000-Euro-Grenze wĂ€re "fĂŒr Start-ups und unabhĂ€ngige Unternehmer problematisch", sagt Hamburgs Mediensenator Brosda (SPD). "Sie haben seit Beginn der Computerspieleförderung des Bundes vielfach bewiesen, dass Innovationen und am Markt erfolgreiche Projekte auch mit weniger Anschubfinanzierungen entstehen." Hamburg stellt derzeit pro Jahr knapp eine halbe Million Euro zur Gamesförderung bereit.

NRW-Medienminister Liminski hĂ€lt die 400 000-Euro-Grenze fĂŒr "eher willkĂŒrlich". NRW fördert Gamesfirmen pro Jahr mit 3,5 Millionen Euro. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer hĂ€lt ebenfalls wenig von der 400 000-Euro-Grenze. "Gute Ideen mĂŒssen kein teures Preisschild haben", sagt die Liberale. Eine Sprecherin von Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betont, dass Deutschland bei der Gamesförderung aufholen mĂŒsse, um bei internationalen Ansiedlungen keinen Wettbewerbsnachteil zu haben. "DafĂŒr muss der Bund schnell seiner Verantwortung fĂŒr den deutschen Games-Standort nachkommen."

Neben den Fördergeldern wĂ€ren auch Steuererleichterungen hilfreich fĂŒr die Gamesfirmen. Diese gibt es hier bislang nicht. Der StaatssekretĂ€r im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (GrĂŒne), will sich aber fĂŒr ein "Tax Credit System" einsetzen - dann könnten die Firmen bestimmte Kosten steuerlich geltend machen und wĂ€ren finanziell entlastet. Bayerns Digitalminister Mehring sieht so eine UnterstĂŒtzung der Branche zwar positiv. Dies dĂŒrfe aber nicht zu finanziellen Lasten der LĂ€nder gehen, sagt er. NRW-Minister Liminski wirft der Bundesregierung beim Thema Games-Steuerentlastung vor, bislang nicht das GesprĂ€ch mit den LĂ€ndern gesucht zu haben.

@ dpa.de