Deutschland, Sachsen

Prozess gegen militante «SÀchsische Separatisten» begonnen

23.01.2026 - 11:53:41

In Dresden hat ein Mammutprozess gegen mutmaßlich militante Neonazis begonnen. Laut Anklage waren sie von einem Kollaps Deutschlands ĂŒberzeugt und wollten große Teile Sachsens erobern.

Acht junge MĂ€nner aus der rechten Szene stehen seit Freitag in Dresden unter anderem wegen Terrorismus-Verdachts vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft rechnet sie der militanten Neonazi-Gruppe «SĂ€chsische Separatisten» zu. Die MĂ€nner im Alter zwischen 22 und 26 Jahren sollen sich wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines hochverrĂ€terischen Unternehmens und weiterer Anklagepunkte verantworten. Noch vor Verlesen der Anklageschrift stellte ein Verteidiger einen Antrag zum Ausschluss der Öffentlichkeit. Zur BegrĂŒndung des Antrages wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

«Apokalyptische Überzeugungen»

Laut Bundesanwaltschaft sollen die Beschuldigten einer im Februar 2020 gegrĂŒndeten Vereinigung angehört haben, die sich selbst «SĂ€chsische Separatisten» nannte und deren zuletzt etwa 20 Mitglieder rassistische, antisemitische und teilweise apokalyptische Überzeugungen vertraten. Sie seien der Überzeugung gewesen, dass Deutschland vor dem Kollaps stehe und fest entschlossen gewesen, bei dieser Gelegenheit mit Waffengewalt möglichst große Gebiete in Sachsen zu erobern, um dort einen eigenstĂ€ndigen, an der NS-Ideologie ausgerichteten Staat zu errichten.

AfD distanziert sich von Beschuldigten aus den eigenen Reihen

Im November 2024 hatten EinsatzkrĂ€fte an mehreren Orten in Sachsen sowie in Polen bei einer Razzia acht MĂ€nner festgenommen. Durchsuchungen gab es auch in Österreich. Zu der Gruppierung sollen auch drei AfD-Mitglieder gehört haben. Der sĂ€chsische AfD-Landesverband hatte rasch jegliche Verbindung zu der betroffenen Gruppierung zurĂŒckgewiesen. Zum Prozessauftakt hatte im Zuschauerraum auch ein AfD-Landtagsabgeordneter Platz genommen.

19 Verteidiger im Verhandlungssaal

Neben den Beschuldigten, die aus der Untersuchungshaft in Handschellen in den Verhandlungssaal gebracht worden, nahmen insgesamt 19 Verteidiger Platz. Ein Beschuldigter lĂ€sst sich von fĂŒnf Juristen verteidigen, alle anderen von zwei. Das Gericht verhandelt unter dem Vorsitz von Richterin Simone Herberger. 

Verteidiger fordert Freispruch fĂŒr seinen Mandaten

Der Freiburger Anwalt Dubravko Mandic, der mit vier Kollegen einen Grimmaer Kommunalpolitiker vertritt, forderte per Pressemitteilung einen Freispruch fĂŒr seinen Mandanten. «Wir weisen die VorwĂŒrfe des Generalbundesanwalts vollumfassend zurĂŒck. Der Prozess sowie die Untersuchungshaft sind unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig», hieß es. Eine Organisation «SĂ€chsische Separatisten» habe es nie gegeben. Man könne seinem Mandanten auch keinen Tötungsvorsatz unterstellen. Der heute 26-JĂ€hrige soll bei seiner Festnahme eine Langwaffe in den HĂ€nden gehalten haben. 

Der Prozess lĂ€uft wie in solchen FĂ€llen ĂŒblich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Das Oberlandesgericht Dresden hat nach Prozessbeginn zunĂ€chst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

@ dpa.de

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