CSU und Freie WÀhler: Es brodelt zwischen den KoalitionÀren
09.10.2023 - 15:36:35Noch vor dem Start der Koalitionsverhandlungen von CSU und Freien WĂ€hlern in Bayern wird der Ton zwischen den beiden Parteien deutlich rauer. CSU-Chef Markus Söder mahnte seinen bisherigen Regierungspartner, keine SelbstĂŒberschĂ€tzung zu betreiben und die GröĂenverhĂ€ltnisse zu realisieren. GestĂ€rkt vom guten Abschneiden der Partei vor allem in Niederbayern haben die Freien WĂ€hler (FW) AnsprĂŒche auf ein weiteres Ministerium erhoben. Doch Söder will mit den Freien WĂ€hlern zunĂ€chst ĂŒber Grundsatzfragen sprechen statt ĂŒber Ămter, wie er am Tag nach der Landtagswahl sagte.
Das Ergebnis zeigt fĂŒr die CSU laut Söder Licht und Schatten. Die CSU habe gleich viele Prozente wie 2018, gleich viele Mandate im Landtag und mehr absolute Stimmen, sagte der MinisterprĂ€sident nach einer CSU-Vorstandssitzung in MĂŒnchen. Zum Zuwachs der Freien WĂ€hler sagte er, dieser habe nichts mit Substanz und Inhalt zu tun - sondern sei der Flugblatt-AffĂ€re um FW-Chef Hubert Aiwanger geschuldet.
Ampel-Parteien verlieren
Die CSU bleibt nach dem vorlĂ€ufigen Endergebnis mit 37,0 Prozent deutlich stĂ€rkste Kraft, rutschte aber noch unter ihr desaströses Ergebnis von 2018 (37,2). Die Freien WĂ€hler verbesserten sich auf 15,8 Prozent (11,6). Die GrĂŒnen sanken auf 14,4 Prozent (17,6). Die AfD legte auf 14,6 Prozent zu (10,2), die SPD kam nur noch auf 8,4 Prozent (9,7). Die FDP verpasste mit 3,0 Prozent den Wiedereinzug ins Parlament (5,1). Die Wahlbeteiligung lag bei 73,3 Prozent (+1,0).
Söder soll nach dem Willen des CSU-Vorstands wieder MinisterprĂ€sident werden. Diese Wahl erfolgt nach der konstituierenden Sitzung des Landtags, die fĂŒr den 30. Oktober geplant ist. Zuvor will die CSU mit den Freien WĂ€hlern Verhandlungen ĂŒber die Fortsetzung der seit 2018 bestehenden Regierungskoalition fĂŒhren.
Die bayerischen GrĂŒnen machten fĂŒr den erfolgten Rechtsruck Söder und die CSU mitverantwortlich. «Wer das Lied der Rechtspopulisten singt, macht deren Chor nur lauter und stĂ€rker», sagte Spitzenkandidatin Katharina Schulze in MĂŒnchen.
203 Abgeordnete im neuen Landtag
In der neuen Legislaturperiode gehören dem Landtag zwei Abgeordnete weniger an. Mit 203 MandatstrĂ€gern sind es aber weiterhin deutlich mehr als die 180 in der Verfassung vorgesehenen Sitze. Verantwortlich fĂŒr den Aufwuchs sind die Ăberhang- und Ausgleichsmandate.
Von den 203 Abgeordneten (2018: 205) werden 85 Abgeordnete der CSU angehören (2018: 85). Die Freien WĂ€hler kommen auf 37 Sitze (2018: 27), die GrĂŒnen auf 32 (2018: 38), die AfD auf 32 (2018: 22) und die SPD auf 17 (2018: 22).
Der bisherige Gesundheitsminister Klaus Holetschek soll neuer CSU-Fraktionschef werden. Söder schlug den 58-JĂ€hrigen in der Vorstandssitzung fĂŒr den Posten vor. Als LandtagsprĂ€sidentin schlug er erneut Ilse Aigner vor. Die 58-JĂ€hrige hat dieses Amt seit 2018 inne. Die offizielle Wahl ist in der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags vorgesehen.
Aiwanger will weiteres Ministerium: «Kann jeder GrundschĂŒler ausrechnen»
FW-Parteichef Aiwanger untermauerte den Anspruch auf ein viertes Ministerium. «Wenn man die Wahlergebnisse anschaut, glaube ich, dass jeder sich ausrechnen kann, wie viele Ministerien uns zustehen», sagte er in MĂŒnchen. «Das kann jeder GrundschĂŒler ausrechnen, wer wie viel bekommt.» Seine Partei sei der Wahlsieger dieser Landtagswahl in der Bayern-Koalition.
Aiwanger warnte die CSU vor einer Abgrenzung von den Freien WĂ€hlern. «Jede Abgrenzung von uns bedeutet eine Abkehr vom gesunden Menschenverstand», sagte er. «Ich wĂŒrde der CSU empfehlen, jetzt nicht so mĂ€dchenhaft aufzutreten.»





