Nordrhein-Westfalen, Deutschland

20-JĂ€hriger nach Anschlagsdrohung im ICE in U-Haft

03.04.2026 - 17:16:17 | dpa.de

In einem Zug in Nordrhein-Westfalen zĂŒndet ein junger Mann Sprengvorrichtungen, Reisende werden leicht verletzt. Die Ermittler sehen mögliche politische, aber auch psychische HintergrĂŒnde der Tat.

  • Der 20-JĂ€hrige kam in U-Haft. - Foto: Roberto Pfeil/dpa
  • Die Ermittlungen zum Motiv des Mannes laufen. - Foto: Roberto Pfeil/dpa
Der 20-JĂ€hrige kam in U-Haft. - Foto: Roberto Pfeil/dpa Die Ermittlungen zum Motiv des Mannes laufen. - Foto: Roberto Pfeil/dpa

Schock im abendlichen Reiseverkehr: In einem ICE in Nordrhein-Westfalen droht ein junger Mann laut Polizei mit einem Anschlag und zĂŒndet zwei Sprengkörper. Mindestens zwölf Menschen werden bei dem Vorfall am Donnerstag, kurz vor dem langen Osterwochenende, leicht verletzt. Das Motiv dafĂŒr ist laut Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in DĂŒsseldorf am Tag danach noch unklar. Bei der Bewertung der Tat beziehen die Ermittler verschiedene HintergrĂŒnde mit ein.

Einerseits gibt es laut einer Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Erkenntnisse, dass der Mann politisch «dem rechten Spektrum zuzuordnen» sei. Andererseits gebe es auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes. Der genaue Hergang mĂŒsse noch ermittelt werden. Die Behörde ermittelt gemeinsam mit dem Staatsschutz der Bonner Polizei.

Ein Ermittlungsrichter erließ am Freitagnachmittag in Aachen Haftbefehl gegen den 20-jĂ€hrigen Deutschen. Er befinde sich in Untersuchungshaft, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Der Haftbefehl laute unter anderem auf den Verdacht des versuchten Mordes, der gefĂ€hrlichen Körperverletzung und der VerstĂ¶ĂŸe gegen das Sprengstoffgesetz.

Festnahme am Bahnhof

Bundespolizisten hatten den jungen Mann aus Aachen am Abend am Siegburger Bahnhof festgenommen. Er soll den ICE in Aachen betreten und auf der Fahrt Richtung Frankfurt die beiden mit Plastikkugeln gefĂŒllten Sprengkörper geworfen haben. Elf Menschen seien durch herumfliegende kleine Kugeln verletzt worden, sagte die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft. Dann habe der Mann sich auf die Zugtoilette zurĂŒckgezogen. Ein Fahrgast und ein Mitarbeiter der Bahn setzten ihn dort fest, bis die EinsatzkrĂ€fte hinzukamen. Der Zug wurde gerĂ€umt.

In einer Mitteilung der Polizei hieß es, dass ein weiterer Mensch vermutlich ein Knalltrauma erlitten habe. Er wurde demnach in ein Bonner Krankenhaus gebracht, kurze Zeit spĂ€ter aber wieder entlassen. Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach in der Nacht auch von «leichten, oberflĂ€chlichen Hautverletzungen» bei Betroffenen. Die meisten der rund 180 FahrgĂ€ste kamen aber mit dem Schrecken davon. 

GezĂŒndete GegenstĂ€nde werden untersucht

Der Beschuldigte sei strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten, sagte die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft weiter. «Hierbei spielten unterschiedliche Delikte eine Rolle.» Seine Wohnung sei durchsucht worden. Die Ermittler hÀtten mehrere GegenstÀnde sichergestellt, darunter das Handy des VerdÀchtigen.

Am Freitag hieß es, die Spuren vom Tatort sowie die gezĂŒndeten Sprengkörper wĂŒrden weiter untersucht. Weitere Details dazu nannten die Ermittler zunĂ€chst nicht. 

«Um 20.55 Uhr wurden vermeintliche SchĂŒsse im Zug ICE 19 am Bahnhof Siegburg gemeldet», hatte eine Bahn-Sprecherin in der Nacht gesagt. SpĂ€ter stellte sich heraus, dass die gezĂŒndeten Böller die KnallgerĂ€usche ausgelöst hatten. 

Zwei Messer gefunden

Nach Angaben der Bundespolizei aus der Nacht hatte der Mann mit einem Anschlag gedroht. Bei seiner Durchsuchung fanden die EinsatzkrÀfte zwei Messer, eine Maske sowie zwei frei verkÀufliche Rauchkörper. 

Viele der FahrgĂ€ste waren den Angaben zufolge Urlaubsreisende und standen am Abend mit Koffern auf dem Bahnsteig in Siegburg. Die Passagiere seien in einer nahegelegenen Turnhalle von der Feuerwehr versorgt und durch Notfallseelsorger betreut worden, hieß es. Der Zug und das Bahngleis seien untersucht und spĂ€ter wieder freigegeben worden. Der Zugverkehr in der Region war vorĂŒbergehend eingeschrĂ€nkt.

Am Donnerstagnachmittag hatte es bereits einen Zwischenfall in der Region gegeben: Wegen einer Bombendrohung war der Aachener Hauptbahnhof vorĂŒbergehend gesperrt worden. Die Bundespolizei gab jedoch nach kurzer Zeit Entwarnung. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den beiden FĂ€llen gibt es laut Generalstaatsanwaltschaft bisher nicht. Die Ermittlungen dauerten aber an.

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