Nordrhein-Westfalen, Krankenhäuser

NRW-Kliniken rechnen mit weiteren Schließungen von Kreißsälen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

In Nordrhein-Westfalen rechnen Kliniken mit weiteren Schließungen von Geburtshilfestationen, weil geplante Sparvorgaben ab 2027 wirtschaftlich besonders sensible Bereiche treffen. Das Land verweist zugleich auf Förderprogramme, um die wohnortnahe Versorgung zu stützen.

NRW-Kliniken erwarten weitere Schließungen von Kreißsälen
Kreißsaal (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen stellen sich auf weitere Schließungen von Geburtshilfestationen ein. Hintergrund sind anstehende Sparprogramme, die wirtschaftlich besonders belastete Klinikbereiche treffen könnten.

Kliniken warnen vor Folgen der Bundesreformen

Nach Angaben von Matthias Blum, Chef der Krankenhausgesellschaft NRW, haben im Jahr 2025 in Nordrhein-Westfalen acht Krankenhäuser ihre geburtshilflichen Abteilungen geschlossen. Im laufenden Jahr sind bislang drei weitere Schließungen der Geburtshilfe bekannt, in zwei weiteren NRW-Städten ist ein entsprechender Schritt angekündigt.

Blum führt die Entwicklung auf Reformpläne des Bundes zurück. Geschäftsleitungen aller Krankenhäuser seien seit Wochen damit beschäftigt, einschneidende Sparprogramme für das Jahr 2027 festzulegen. Zuerst stünden jene Abteilungen auf dem Prüfstand, die sich mangels ausreichender Vergütung nicht selbst wirtschaftlich tragen, darunter Geburtshilfen, Pädiatrien, vielerorts Notaufnahmen sowie die Palliativmedizin. Die bislang praktizierte Querfinanzierung verschiedener Bereiche funktioniere unter dem Spardruck des Bundes nach seiner Darstellung nicht mehr.

Milliardenverlust für NRW-Kliniken befürchtet

Zum 31. Oktober 2026 läuft der Inflationsausgleich für Kliniken aus. Zusätzlich belastet das GKV-Spargesetz der Bundesregierung die Krankenhäuser mit weiteren Einsparungen von 4,6 Milliarden Euro. Den Häusern entstünden dadurch nach Blums Angaben massive Erlösverluste von durchschnittlich acht Prozent, die nicht ausgeglichen werden könnten.

Für die Kliniken in Nordrhein-Westfalen gehe es insgesamt um bis zu zwei Milliarden Euro weniger Erlöse im kommenden Jahr. Blum mahnt, dass diese Entwicklung direkte Auswirkungen auf die Struktur von Klinikangeboten in der Region haben dürfte und weitere Schließungsentscheidungen nach sich ziehen könne.

Zahl der Geburtskliniken deutlich gesunken

Aktuell gibt es nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums 117 Geburtskliniken im Land. Im Jahr 2017 waren es demnach noch 153 Einrichtungen. Trotz dieses Rückgangs sieht das Ministerium die wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung weiterhin auf einem guten Niveau gesichert.

Eine Sprecherin des Ministeriums betont, für eine flächendeckende Versorgung unterstütze die Landesregierung gezielt Krankenhäuser mit kleineren Geburtshilfen auch im Jahr 2026 bei der Finanzierung ihrer Betriebskosten. Die Förderung soll helfen, Standorte zu stabilisieren, die aus eigener wirtschaftlicher Kraft kaum bestehen könnten.

Die Warnung der nordrhein-westfälischen Kliniken vor weiteren Schließungen von Kreißsälen fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen der Krankenhausfinanzierung. Mit dem Auslaufen des Inflationsausgleichs Ende Oktober 2026 und zusätzlichen Einsparvorgaben durch das GKV-Spargesetz geraten insbesondere kleinere und spezialisierte Abteilungen unter starken wirtschaftlichen Druck.

Struktureller Wandel in der Geburtshilfe

Schon in den zurückliegenden Jahren hat sich die Zahl der Geburtskliniken in Nordrhein-Westfalen deutlich verringert. Dass innerhalb weniger Jahre über dreißig Standorte weggefallen sind, zeigt einen längerfristigen Trend, der nun durch die anstehenden Sparprogramme verstärkt wird. Für Kliniken mit vergleichsweise wenigen Geburten steigen die Fixkosten je Fall, während Einnahmen aus der Regelversorgung nicht im gleichen Maß wachsen.

Wenn Krankenhausleitungen Abteilungen mit hoher personeller Vorhaltung und geringer Vergütung auf ihre Wirtschaftlichkeit prüfen, geraten geburtshilfliche Stationen häufig zuerst in den Blick. Die kontinuierliche Anwesenheit von Fachärzten und Hebammen, die notwendige technische Ausstattung sowie die Bereitschaft für Notfälle verursachen hohe Kosten, die sich in ländlichen Regionen oder kleineren Städten nur schwer refinanzieren lassen.

Folgen für Versorgung und Patienten

Für werdende Eltern bedeutet die Schließung von Kreißsälen längere Wege und eine stärkere Konzentration der Geburtshilfe auf größere Zentren. Das kann Vorteile durch höhere Spezialisierung bringen, erhöht aber zugleich die Anforderungen an Rettungsdienste und die Planung von Geburten, insbesondere bei Risikoschwangerschaften. Die Zusicherung der Landesregierung, kleinere Geburtshilfen auch 2026 gezielt zu unterstützen, zielt darauf, diesen Trend abzufedern und eine wohnortnahe Versorgung zumindest in ausgewählten Regionen zu erhalten.

Langfristig dürfte sich entscheiden müssen, welche Rolle kleinere Geburtskliniken im Zusammenspiel von Landesförderung, Bundesreform und gesetzlichen Krankenkassen behalten können. Klar ist, dass Strukturentscheidungen der nächsten Monate direkte Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von Geburtshilfe für Familien in Nordrhein-Westfalen haben werden.

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