GanztÀgige, Warnstreiks

GanztĂ€gige Warnstreiks im ÖPNV - Verdi fordert Entlastung

29.01.2024 - 17:22:33

In rund 80 StĂ€dten kommen am Freitag erhebliche EinschrĂ€nkungen auf FahrgĂ€ste zu: Busse, U- und Straßenbahnen sollen meist ganztĂ€gig im Depot bleiben. Verdi erhöht den Druck im Tarifstreit.

Wer im Alltag auf Busse und Bahnen angewiesen ist, hat es im Moment schwer. Erst heute endete der mehrtĂ€gige LokfĂŒhrerstreik im bundesweiten Schienenverkehr.

Nun legt die Gewerkschaft Verdi nach und kĂŒndigt fĂŒr Freitag ganztĂ€gige Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr in fast allen BundeslĂ€ndern an. Bayern ist ausgenommen, weil dort derzeit nicht verhandelt wird. In Berlin soll der Ausstand zudem auf den Morgen beschrĂ€nkt sein. Dennoch mĂŒssen sich FahrgĂ€ste in vielen Regionen auf weitreichende EinschrĂ€nkungen im Bus-, Straßen- und U-Bahnverkehr einstellen.

Hintergrund sind parallele Tarifverhandlungen im ÖPNV in fast allen BundeslĂ€ndern. Die ersten GesprĂ€chsrunden sind ĂŒberall beendet. Ergebnisse gibt es keine. Der Zeitpunkt sei deshalb gekommen, mehr Druck auf die Arbeitgeber zu machen, sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Christine Behle.

Auf FahrgÀste kommen damit am Freitag EinschrÀnkungen vor allem im Berufsverkehr zu. Von der Tarifrunde sind laut Verdi mehr als 130 kommunale Unternehmen in rund 80 StÀdten und rund 40 Landkreisen sowie insgesamt 90.000 BeschÀftigte betroffen.

Unterschiedliche Ziele

Trotz der bundesweiten Verhandlungen unterscheiden sich die Ziele und Forderungen der Gewerkschaft - je nachdem, um welche Art von Tarifvertrag im jeweiligen Bundesland gerungen wird.

In Hamburg sowie bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) wird etwa ein neuer Haustarifvertrag ausgehandelt. In 14 weiteren LĂ€ndern geht es um die ManteltarifvertrĂ€ge, die vor allem die Arbeitsbedingungen regeln. Verdi fordert kĂŒrzere Arbeitszeiten ohne finanzielle Einbußen, lĂ€ngere Ruhezeiten zwischen einzelnen Schichten, mehr Urlaubstage oder mehr Urlaubsgeld.

Bei diesen Verhandlungen gehe es vor allem um das Thema Entlastung, sagte Behle. «Weil das eigentlich das wichtigste Thema ist, das wir fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Nahverkehr sehen.» Es gehe auch darum, ĂŒber bessere Arbeitsbedingungen dem erheblichen Personalmangel in allen Betrieben zu begegnen. Hier hĂ€tten die Arbeitgeber in den vergangenen Jahren zu viel verschlafen.

UnterstĂŒtzung von Klimabewegung

Komplizierter lĂ€uft es in Brandenburg, im Saarland, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen. Hier geht es auch um höhere Löhne. In Brandenburg will Verdi 20 Prozent, mindestens aber 650 Euro mehr fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Nahverkehr rausholen. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll ein Jahr betragen.

UnterstĂŒtzt wird der Warnstreik von der Umweltbewegung Fridays for Future (FFF). Gemeinsame Aktionen beider Organisationen zum Thema ÖPNV hatte es in der Vergangenheit schon öfter gegeben. FFF setzt sich vor allem fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen und fĂŒr stĂ€rkere Investitionen ein, um den öffentlichen Verkehr als Alternative zum Auto attraktiver zu machen. «Das Prinzip ist einfach: Wir befinden uns mitten in der Klimakrise», sagte Sprecherin Darya Sotoodeh. «Was wir brauchen, ist mehr Bus und Bahn, und das geht nur mit besseren Arbeitsbedingungen und nur gemeinsam mit den BeschĂ€ftigten.» FFF fordert von der Bundesregierung bis 2030 zusĂ€tzliche Investitionen in den ÖPNV von 16 Milliarden Euro im Jahr.

@ dpa.de