Expertin, Sylt-Video

Expertin: Sylt-Video Normalisierung rechtsextremer Inhalte

25.05.2024 - 08:23:54

Junge Menschen grölen zu einem Party-Hit rassistische Parolen - ein Video davon löst Empörung aus. Eine Rechtsextremismusexpertin erlÀutert, was das mit Betroffenen macht.

Das Sylt-Video mit rassistischen Parolen zeigt aus Sicht der Expertin Pia Lamberty eine Normalisierung rechtsextremer Inhalte in der Gesellschaft. «Ohne dass es irgendeine Form von Widerspruch gibt, werden die sozialen Normen einfach gebrochen», sagt die Co-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Centers fĂŒr Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierungstendenzen und VerschwörungserzĂ€hlungen im Netz untersucht. «Menschen können ohne Scheu in der Öffentlichkeit extreme Parolen Ă€ußern.»

Der rassistische Vorfall an Pfingsten in einem Nobel-Lokal auf Sylt hat bundesweit Empörung ausgelöst. In dem kurzen Video, das in sozialen Medien verbreitet wurde, grölen junge Menschen zum Party-Hit «L'amour toujours» von Gigi D'Agostino «AuslÀnder raus» und «Deutschland den Deutschen». Der Staatsschutz ermittelt. Schon in den vergangenen Monaten gab es immer wieder VorfÀlle, bei denen zu dem Lied Nazi-Parolen gerufen wurden - etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Song «L'amour toujours» sei mittlerweile immer mehr mit den rassistischen Parolen verknĂŒpft, sagt Lamberty. «Das macht ja auch was im Gehirn.» So schafften Rechtsextreme eine Akzeptanz solcher Parolen in der breiten Gesellschaft.

FĂŒr die Cemas-Expertin verdeutlicht der Fall: «Rechtsextremismus ist nicht nur ein Problem, das man in Ostdeutschland sieht oder bei Menschen, die ein geringeres Einkommen haben, sondern auch bei höheren Schichten.»

Das Bedrohliche fĂŒr Betroffene sei vor allem die strukturelle Macht, die diese Personen potenziell einmal ausĂŒben könnten. Das Video zeige: «Rassismus geht auch von Menschen aus, die an UniversitĂ€ten studiert haben oder in Managementpositionen stehen.» Rechtsextremismus und rassistische Einstellungen seien etwas, was man in der gesamten Gesellschaft finde.

Von Rassismus Betroffene könnten nach Lambertys Ansicht Orte, an denen wie im aktuellen Fall unwidersprochen rassistische Äußerungen getĂ€tigt werden, langfristig meiden.

@ dpa.de