SPD-Spitze: Juso-Chef Türmer will Frau allein an der Spitze
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSPD-Parteitag entscheidet Führungsmodell
- Philipp Türmer hält eine alleinige Vorsitzende für möglich, lehnt einen alleinigen Vorsitzenden aber ab.
- Die SPD will im Januar ihre komplette Parteiführung neu wählen.
- Nach Bärbel Bas’ Rücktritt strebt Lars Klingbeil erneut eine weiblich-männliche Doppelspitze an.
SPD berät im Januar über weibliche Einzelspitze
Juso-Chef Philipp Türmer hat sich vor der Neuwahl des SPD-Parteivorstandes im Januar offen für die Abschaffung der Doppelspitze gezeigt. Eine Frau könne er sich als alleinige Vorsitzende vorstellen, einen Mann hingegen nicht, sagte Türmer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Türmer kritisiert bisheriges Modell
Der ursprüngliche Plan, mit einer Doppelspitze Frauen in der SPD zu stärken, habe nicht gut funktioniert, sagte Türmer. In der Vergangenheit hätten Frauen an der Parteispitze den Hauptteil der Kritik auf sich gezogen und wie ein Schutzschild für den Mann gewirkt.
Aus dieser Erfahrung dürfe nicht abgeleitet werden, dass künftig ein Mann allein den Vorsitz übernehmen solle. Die SPD habe starke Frauen, denen er die alleinige Führung zutraue, so der Juso-Chef.
Parteitag kann Doppelspitze abschaffen
Ob die SPD künftig eine Einzelspitze ermöglicht, könne die Partei vor Wahlen immer wieder neu entscheiden. Eine zwingende Vorgabe für eine Doppelspitze gibt es nicht; der Parteitag könnte sie durch einen Beschluss aufgeben.
Klingbeil wirbt für Doppelspitze
Die Sozialdemokraten wollen im Januar die komplette Führung neu wählen. Hintergrund ist der Rücktritt der Co-Vorsitzenden Bärbel Bas im Oktober.
Nach dem Willen von SPD-Chef Lars Klingbeil soll es erneut eine Doppelspitze aus einer Frau und einem Mann geben. Türmers Vorstoß stellt damit nicht nur die personelle Besetzung, sondern auch das bisherige Führungsmodell der Partei zur Debatte.
Die SPD steht vor einer personellen Neuordnung ihrer Parteiführung. Anlass ist der Rücktritt der Co-Vorsitzenden Bärbel Bas im Oktober; beim Parteitag im Januar soll der gesamte Parteivorstand neu gewählt werden.
Die Debatte über eine mögliche Einzelspitze berührt dabei mehr als die Besetzung eines einzelnen Amtes. Die Doppelspitze sollte Frauen in der Parteiführung stärken und die Last der Parteiarbeit verteilen. Türmers Kritik zielt darauf, dass dieses Modell aus seiner Sicht Frauen nicht ausreichend geschützt, sondern sie einem größeren Anteil der öffentlichen Auseinandersetzungen ausgesetzt habe.
Entscheidung beim Parteitag
Nach dem derzeit bekannten Plan strebt Lars Klingbeil erneut eine Doppelspitze aus einer Frau und einem Mann an. Verbindlich ist dieses Modell jedoch nicht: Der Parteitag kann die Satzungs- beziehungsweise Organisationsfrage politisch neu entscheiden.
Für die SPD verbindet sich die Personalentscheidung mit einer Richtungsdebatte über Geschlechtergerechtigkeit, innerparteiliche Machtverteilung und die künftige Rolle der Parteiführung. Eine weibliche Einzelspitze würde das bisherige Modell grundlegend verändern, während eine erneute Doppelspitze Kontinuität signalisieren würde.
Personalfrage mit Signalwirkung
Türmers Vorstoß erhöht den Druck auf die Parteiführung, mögliche Kandidatinnen und das Verfahren frühzeitig zu klären. Für die Delegierten wird damit neben der Frage, wer den Vorsitz übernimmt, auch die Grundsatzentscheidung wichtig, welches Führungsmodell die SPD künftig anwenden will.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Debatte über SPD-Vorsitz: Mit oder ohne Klingbeil?“ (24.10.2026)
Der Beitrag ordnet die bevorstehende Neuwahl des Parteivorstands und die Debatte um die erneute Kandidatur Lars Klingbeils ein. Im Mittelpunkt steht stärker als in der dts-Meldung die Frage, ob Klingbeil Parteichef bleiben soll.
taz: „Wer wird SPD-Vorsitzende?: Warten auf Manu“ (24.10.2026)
Die taz richtet den Blick auf mögliche weibliche Nachfolgerinnen und die Erfahrungen früherer SPD-Doppelspitzen. Damit ergänzt der Beitrag Türmers grundsätzliche Forderung um die konkrete Kandidatinnen- und Machtfrage.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf die anstehende Neuaufstellung der SPD. Unterschiede gibt es beim Schwerpunkt: Während die dts-Meldung das Führungsmodell und Türmers Position herausstellt, betrachten die anderen Beiträge vor allem Klingbeils Zukunft und mögliche Kandidatinnen.
